DÜSSELDORF/TRIER – Ungewöhnliche Gäste: Die Alte Geschichte der Universität Trier ist auf der Wassersportmesse neben Luxusyachten und Jetskis mit zwei Schiffen vertreten.
Geschichte nicht nur zum Anfassen, sondern auch zum Segeln, gibt es in diesem Jahr auf der internationalen Wassersportmesse boot Düsseldorf (17.-25.01. 2026). Im Classic Forum (Halle 14) sind zwei in Trier gebaute Schiffsmodelle zu sehen. Die Ausstellung auf der weltweit größten Messe ihrer Art bietet die Gelegenheit, aktuelle experimentelle maritime Forschung sichtbar zu machen und eröffnet den Dialog von Wissenschaft, Praxis und Öffentlichkeit.
Große Schwester Bissula
Präsentiert werden zwei maßstabsgetreue 1:3-Nachbauten antiker, römischer Handelsschiffe, die im Kontext laufender Forschungsprojekte in Trier entstanden sind. Beide Modelle sind segelfähig und dienen der systematischen Erhebung nautischer Leistungsdaten. Sie knüpfen an den 1:1-Nachbau des römischen Handelsschiffs Bissula an, der zwischen 2017 und 2019 im Rahmen eines DFG-Langfristvorhabens rekonstruiert wurde. Grundlage bildete das außergewöhnlich gut erhaltene Wrack Laurons 2, das Ende der 1970er Jahre in Südfrankreich entdeckt wurde und in das späte 2. bis frühe 3. Jahrhundert n. Chr. datiert wird.
Das erste auf dem Classic Forum ausgestellte Modell ist die Bissulina, ein 2022 fertiggestellter 1:3-Nachbau der Bissula. Mit diesem Modell werden – analog zum 1:1-Schiff – Segel- und Leistungsdaten erhoben, um insbesondere Fragen der Vergleichbarkeit und Skalierbarkeit zwischen Modell und Vollrekonstruktion zu untersuchen. Der Decksaufbau und die Takelage wurden teilweise pragmatisch angepasst, ohne die relevanten Segeleigenschaften zu verändern. Die Bissulina kann von nur zwei Personen gesegelt werden und eignet sich daher besonders für kontrollierte Testfahrten.
Ergänzt wird die Präsentation durch den 1:3-Nachbau des Wracks Saint-Gervais 3, das in der Bucht von Saint-Gervais bei Fos-sur-Mer gefunden wurde und in die Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. datiert. Im Vergleich zur Bissulina zeichnet sich dieser Schiffstyp durch einen deutlich breiteren Rumpf, einen konkaven Bug sowie eine Zweimastanlage mit Hauptmast und Vormast aus, der das sogenannte Artemonsegel trägt. Die Unterschiede werden vor Ort eindrucksvoll deutlich.
Beide Schiffsmodelle sind segeltauglich und wurden im Mai und Juni 2025 auf dem Markermeer in den Niederlanden ausgiebig getestet. Für die Messfahrten kam dieselbe Messtechnik zum Einsatz wie beim 1:1-Nachbau der Bissula. Die gewonnenen Daten werden in Polardiagrammen ausgewertet und fließen in den Digitalen Interaktiven Maritimen Atlas zur Geschichte (DIMAG) ein, der künftig die webbasierte Simulation antiker Routen und Segelzeiten ermöglichen soll.
Einblicke in Forschung
Die Messebesucher*innen erhalten Dank der Modell-Präsentation direkte Einblicke in die Wissenschaft und können sich mit den Grundlagen historischer Schifffahrt vertraut machen.
Zudem hält Prof. Dr. Christoph Schäfer am Freitag, den 23. Januar um 12 Uhr und am Sonntag, den 25. Januar um 13 Uhr spannende Vorträge über die Römer und Griechen im Indischen Ozean sowie die Seefahrt in römischer Zeit.
Mit der Beteiligung an der boot Düsseldorf macht das Trierer Institut zur interdisziplinären und epochenübergreifenden Erforschung des Maritimen und des maritimen Transfers von Menschen, Gütern und Ideen von der Antike bis zur Gegenwart (kurz: TRANSMARE) seine experimentelle Forschung zur antiken Seefahrt außerhalb des universitären Kontexts erlebbar und lädt zugleich zum fachlichen Austausch über Methoden, Ergebnisse und Perspektiven maritimer Forschung ein.
















