Nach tödlicher Zug-Attacke: Schweitzer fordert nach Attacke im Zug mehr Zivilcourage

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Symbolbild

MAINZ. Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz hat Ministerpräsident Alexander Schweitzer deutliche Worte gefunden. Es gehe nicht nur um mehr Sicherheitstechnik oder Personal – sondern auch um ein gesellschaftliches Problem. Viele Menschen würden heute eher ihr Smartphone zücken, als einzugreifen oder Hilfe zu holen.

„Zivilcourage geht uns alle an“

Im Interview mit dem Fernsehsender Phoenix sagte Schweitzer: „Zivilcourage ist nichts, was wir an Zugbegleiter delegieren können – da sind wir alle gefordert.“ Berichte darüber, dass Fahrgäste Vorfälle filmen, statt andere zu alarmieren, seien alarmierend. „Dann haben wir tatsächlich auch ein gesellschaftliches Thema“, so der SPD-Politiker.

Tödliche Gewalt bei Ticketkontrolle

Hintergrund der Debatte ist der tödliche Vorfall in einem Regionalexpress in Rheinland-Pfalz. Ein 36-jähriger Bahnmitarbeiter war bei einer Ticketkontrolle von einem Fahrgast ohne gültigen Fahrschein angegriffen worden. Der Zugbegleiter verlor das Bewusstsein und starb später im Krankenhaus.

Der mutmaßliche Täter, ein 26 Jahre alter griechischer Staatsbürger, sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Gegen ihn wurde Haftbefehl wegen des dringenden Verdachts des versuchten Totschlags erlassen. Die Ermittlungen dauern an.

Mehr Polizei, Bodycams und Videoüberwachung

Als Konsequenz aus der Tat fordert Schweitzer konkrete Maßnahmen. Dazu zählt eine stärkere Präsenz der Bundespolizei an Bahnhöfen. Auch der Einsatz von Bodycams müsse künftig zum Standard werden, ebenso wie Videoüberwachung dort, wo sie rechtlich möglich ist.

„Das kann helfen“, betonte der Ministerpräsident. Zudem müsse die Zahl der Zugbegleiter erhöht werden, um Personal nicht allein zu lassen.

Bund und Länder sollen Finanzierung klären

Schweitzer erneuerte seine Forderung nach einer Sonderverkehrsministerkonferenz, an der auch der Bundesinnenminister teilnehmen soll. Ziel sei es, gemeinsam mit dem Bund Lösungen für mehr Schutz und Sicherheit zu entwickeln – und vor allem zu klären, wer die Kosten trägt.

„Wir werden nicht nur reden müssen, sondern auch Lösungen finden“, sagte Schweitzer. „Und Lösungen müssen dann auch bezahlt werden.“

Debatte trifft einen wunden Punkt

Der Fall hat bundesweit Entsetzen ausgelöst und eine Diskussion über Gewalt im öffentlichen Raum neu entfacht. Neben technischen und personellen Maßnahmen rückt nun auch die Frage in den Fokus: Wie viel Zivilcourage gibt es noch im Alltag – und wie viel Verantwortung tragen Mitreisende?

3 Kommentare

  1. In vielen Fällen eskalierender Gewalt handelt es sich um Täter die im Vorfeld bereits mehrfach durch diverse Delikte auffällig wurden. Eine miserable Migrationspolitik und nicht funktionierende Strafverfolgung sind dafür zum Großteil verantwortlich. Sonst könnte es nicht sein das deutschlandweit unzählige Straftäter trotz offenem Haftbefehl frei herumlaufen.
    Anstatt mehr Zivilcourage zu fordern, würde er besser mal dafür sorgen die innere Sicherheit wieder herzustellen und einfach im Rahmen unserer Gesetzgebung diese Konsequent einzusetzen.

  2. Ich kann nur davor warnen in solche Situationen einzugreifen. Vor etlichen Jahren habe ich das gemacht und solch einen Schläger ausgeschalter. Das Ergebnis war ein Verfahren gegen mich wegen überzogener Notwehr mit einer Teilverurteilung inkl. schmerzlicher Strafzahlung.

    Inwiefern ein Fahrgast für das Verhalten solcher Leute verantwortlich sein soll verstehe ich nicht.

  3. @ Greischbuddler
    ich hab die gleiche Erfahrung gemacht, bin dazwischen gegangen, war eine zugereiste Fachkraft.
    Ende vom Lied hatte ich ne Anzeige am Hals wegen Körperverletzung, dazu noch ne zweite wegen, na ja, kann sich wohl jeder denken.
    ist schon einige Zeit her, hatte damals en coolen Staatsanwalt.

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