Sicherheitsauflagen als Kostentreiber: Ende für das Schweicher „Fest der Römischen Weinstraße“

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Symbolbild; Fahrzeugsperren // dpa

SCHWEICH. Ein Traditionsfest verschwindet: Der Verein Römische Weinstraße hat beschlossen, das beliebte Weinfest in Schweich nach fast vier Jahrzehnten nicht mehr fortzuführen. Ausschlaggebend seien stark gestiegene Kosten, neue Sicherheitsanforderungen und eine rückläufige Beteiligung aus der Weinwirtschaft, wie aus mehreren öffentlichen Stellungnahmen hervorgeht.

Traditionsveranstaltung nach Jahrzehnten vor dem Aus

Das Fest der Römischen Weinstraße, das seit 1986 ein fester Bestandteil des Veranstaltungskalenders der Verbandsgemeinde Schweich war, wird eingestellt. Das bestätigte der Verein Römische Weinstraße nach seiner Mitgliederversammlung am 20. November. Darüber berichteten übereinstimmend der Trierische Volksfreund und der Wochenspiegel. Die Entscheidung fiel demnach mehrheitlich.

Kostenentwicklung und Sicherheitsanforderungen entscheidend

Nach Angaben der Veranstalter war die finanzielle Situation bereits seit Jahren angespannt. Laut Medienberichten lag das Defizit im Jahr 2023 bei rund 70.000 Euro. Trotz eines neuen Konzepts und der Verlegung auf den Schwimmbadvorplatz im Jahr 2024 blieb die Lage kritisch.

Wie der Volksfreund berichtet, erreichte das Defizit 2025 netto etwa 80.000 Euro; unter Einbeziehung der Personalkosten lag der Fehlbetrag laut Vereinsangaben bei rund 105.000 Euro. Für das kommende Jahr rechnete der Verein demnach mit einem weiteren Minus von etwa 95.000 Euro.

Der Verein verweist laut Berichterstattung auf stark gestiegene Sicherheitskosten. Neue Vorgaben, die nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Magdeburg Ende 2024 bundesweit verschärft wurden, hätten auch für Schweich deutliche Mehrkosten verursacht. Für 2025 seien sieben mobile Sperrelemente, zusätzlicher Sicherheitsdienst und ein erweitertes Zugangskonzept erforderlich gewesen.

Sinkende Winzerbeteiligung verstärkt Probleme

Nach Angaben des Vereins habe zudem die Beteiligung der Winzerbetriebe spürbar abgenommen. Dies sei ein weiterer Grund gewesen, warum das Fest wirtschaftlich nicht mehr tragfähig gewesen sei. Die Verbandsgemeinde Schweich hätte die steigenden Defizite langfristig nicht mehr ausgleichen können.

Fest als touristisches Aushängeschild – doch dauerhaft defizitär

Das Fest war 1986 ins Leben gerufen worden, um die touristische Saison zu verlängern und den Weinbaubetrieben eine zusätzliche Plattform zu bieten. Trotz jahrelanger hoher Besucherzahlen, teilweise bis zu 20.000 Menschen, war die Veranstaltung strukturell auf Zuschüsse angewiesen.

Die Verantwortlichen betonen laut Medienberichten, dass es sich nicht um eine kurzfristige Entscheidung handelte, sondern um eine Abwägung zwischen finanzieller Verantwortung und kulturellem Anspruch.

Kritischer Kontext: Hohe Sicherheitsauflagen als Belastung für Kommunen

Der Fall Schweich fügt sich in eine bundesweite Diskussion ein: Kommunen berichten zunehmend davon, dass Sicherheitsanforderungen bei öffentlichen Veranstaltungen Kosten verursachen, die kleinere oder ehrenamtlich organisierte Feste überfordern.
Während Theater, Kulturhäuser oder Festivals dauerhafte Zuschüsse erhalten, geraten traditionelle Volksfeste damit stärker unter Druck.

Eine unabhängige Bewertung dieser Entwicklung liegt nicht vor, wird jedoch von mehreren kommunalen Spitzenverbänden immer wieder thematisiert.

Region bleibt nicht ohne Feste

Nach Angaben des Vereins haben sich in den vergangenen Jahren neue Formate erfolgreich etabliert, darunter das „Feller Maximiner Weinspektakel“, die „Weinwege Detzem“, die „Mehringer Weintournee“ und der „Köwericher Weinfrühling“. Sie sollen künftig einen Teil der kulturellen Lücke schließen, die das Ende des überregional bekannten Weinfestes hinterlässt.

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