Smarte Mülltonnen: Stadt Trier hält Preise geheim – aber für 100.000 Euro gibt’s ein Spezialfahrzeug dazu!

16
Smarte Mülltonne der Stadt Trier mit LED-Anzeige und seitlicher Halterung, gefüllt mit benutzten Kaffeebechern. Die Tonne zeigt sichtbare Gebrauchsspuren und Graffiti an der Seite
Eine smarte Mülltonne der Stadt Trier zu. An der Seite befindet sich eine Halterung für Pfandflaschen, die bereits mit mehreren benutzten Pappbechern gefüllt ist. Die Mülltonne wurde mit Graffiti beschmiert und steht an einer Hauswand in einer städtischen Umgebung. Foto: lokalo.de

TRIER. Die Stadt Trier rühmt sich für ihre neuen „smarten Mülltonnen“. In der offiziellen Pressemitteilung aus dem Dezember feierte man die Innovation, die Sauberkeit und das intelligente Müllmanagement. Doch auf eine entscheidende Frage gibt es bis heute keine klare Antwort: Was kostet der Spaß? Statt Transparenz gibt es Verweise auf einen juristischen Paragraphen. Doch was dann ans Licht kommt, ist noch viel bemerkenswerter: Ein nagelneues 100.000-Euro-Fahrzeug musste zusätzlich angeschafft werden. Erwähnung in der Meldung fand die Anschaffung jedoch nicht. 

Mülltonnen für die City – aber was kosten sie?

Trier bekommt im Laufe des Jahres insgesamt 60 neue „smarte“ Mülltonnen. Eine große Investition für die Stadt. Auf lokalo-Nachfrage bei der Stadt Trier, wie teuer diese neuen Tonnen eigentlich sind, ist die Antwort jedoch mehr als dürftig:

„Es handelt sich um eine Vertragsangelegenheit, die die wirtschaftlichen Interessen der Firma betrifft.“

So begründet die Stadt Trier ihre Verweigerung, Zahlen zu nennen, und beruft sich dabei auf § 30 Abs. 2 der Unterschwellenvergabeordnung (UVgO). Klingt wichtig, bedeutet aber im Klartext: Die Verwaltung kann sich darauf berufen, Geschäftsgeheimnisse zu schützen – auch wenn es um die Verwendung von Steuergeldern geht.

Doch aus anderen Städten und durch Leasing-Angebote lassen sich die Kosten grob abschätzen:

➡️ Eine smarte Mülltonne mit 240 Litern Fassungsvermögen kostet voraussichtlich zwischen 4.000 und 6.000 Euro pro Stück.
➡️ Bei 60 Tonnen könnte die Stadt also zwischen 240.000 und 360.000 Euro investiert haben.

Die Stadt gibt immerhin an, dass 90 Prozent der Kosten durch Fördergelder gedeckt wurden. Doch das sind immer noch Steuergelder – wenn auch von anderer Stelle.

100.000 Euro für ein neues Spezialfahrzeug – aber niemand spricht darüber?

Noch überraschender als das „Tonnengeheimnis“ ist ebenfalls der Umgang mit einer weiteren, hochpreisigen Anschaffung im Zuge der „smarten Mülltonnen“:

Ein 100.000-Euro-Fahrzeug musste extra gekauft werden, weil die smarten Tonnen zu schwer sind, um sie von Hand zu leeren.

Der für die Innenstadt zuständige Dezernent Ralf Britten testet eine der neuen Mülltonnen in der Simeonstraße. Wichtig: Aufs Pedal unten treten, damit sich die Klappe öffnet. Foto: Stadt Trier

In der ursprünglichen Ankündigung der Stadtverwaltung wurde diese nicht gerade unwichtige Information verschwiegen. Erst auf Nachfrage, kam die „Investition“ ans Licht.

„Ja, die Stadt hat ein neues Fahrzeug angeschafft, da sich die Tonnen aufgrund ihres hohen Gewichts, wenn sie voll sind, nur unter erschwerten Bedingungen von Hand leeren lassen.“

Und das wirft Fragen auf:

  • Warum wurde das in der ursprünglichen Meldung mit keiner Silbe erwähnt?
  • Hat die Stadt sich vielleicht erst nachträglich eingestanden, dass die smarten Tonnen ohne Spezialfahrzeug gar nicht praktikabel sind?
  • Wieso musste erst nachgefragt werden, bevor diese Kosten zugegeben wurden?

Der zuständige Dezernent, Dr. Thilo Becker,  argumentiert nun, dass diese Lösung langfristig wirtschaftlicher sei – da durch die größere Aufnahmekapazität weniger Leerungen nötig seien. Eine schöne Rechnung – die aber nicht erklärt, warum man es zuerst verschwiegen hat.

Nicht nur teuer – auch nicht barrierefrei

Foto: lokalo.de

Während die Stadt sich für ihre neue smarte Müllentsorgung feiert, gibt es einen weiteren gravierenden Punkt, der völlig unter den Tisch fällt: Inklusion.

Die neuen Mülltonnen sind nicht barrierefrei nutzbar. Menschen mit Behinderungen oder Mobilitätseinschränkungen haben bereits massive Beschwerden geäußert – denn um den Müll einzuwerfen, muss ein Fußpedal betätigt werden. Wer das nicht kann, hat Pech gehabt.

Dass bei einer so teuren Anschaffung kein Gedanke an eine behindertengerechte Lösung verschwendet wurde, ist mehr als fragwürdig. Ausführlich berichtet der Trierische Volksfreund über das Thema.

Fazit: Smarte Tonnen, fragwürdige Kommunikation

Die neuen Mülltonnen mögen technisch fortschrittlich sein – aber die Art und Weise, wie dies kommuniziert wurde, ist alles andere als modern.

  • Die genauen Kosten der Mülltonnen werden trotz öffentlicher Gelder verschwiegen.
  • Ein 100.000-Euro-Spezialfahrzeug taucht erst auf Nachfrage auf – in der offiziellen Mitteilung war davon nichts zu lesen.
  • Barrierefreiheit? Fehlanzeige.

Es bleibt der Eindruck, dass die Stadt besser beraten gewesen wäre, nicht nur in „smarte“ Mülltonnen, sondern auch in eine smarte und transparente Kommunikation mit ihren Bürgern zu investieren. Denn während die Stadt sich für ihr Projekt feiert, bleiben viele Fragen unbeantwortet – und der fade Beigeschmack, dass hier etwas unter den Deckel gekehrt wurde.

(SZ)

Vorheriger ArtikelZusteller erfasst Fußgängerin beim Rückwärtsfahren – Lebensgefährlich verletzt!
Nächster Artikel++ Blitzer Region Trier: Hier gibt es heute Kontrollen ++

16 Kommentare

  1. Doll gemacht liebe Stadtverwaltung
    Ist Mal wieder ein Meisterstück was sich da der Märchenprinz vom petrisberg und einige Fachleute sich da überlegt haben
    erst nachdenken dann bestellen auch beim Stadtreinigungsamt

  2. Absoluter Nonsens, diese Anschaffung war, ist und bleibt Geldverschwendung vom Feinsten.

    Das Argument der Wirtschaftlichkeit durch weniger Leerungen ist lachhaft.
    Diese smarten Abfalltonnen müssen gewartet werden. Das heißt, die Stadt darf diese regelmäßig anfallenden Kosten dauerhaft einplanen.
    Wann genau wird dieser Einkauf inkl. des Fahrzeugs sich amortisieren?

    Die Prioritäten der Stadtplaner werden immer fragwürdiger.

  3. Das spiegelt doch die Leistung eines sich selbst ernannten Innenstadtdezernenten wieder. Mehr ist für das monatlich hohe Salär, was die Steuerzahler doch gerne für solch einen Müll geben, nicht zu erwarten.

  4. Der Tag ist nicht fern, da wird neben vielen „smarten“ Mülltonnen irgendein Ersatzbehälter stehen, und an der „smarten“ Tonne ein Schild „zur Zeit außer Betrieb“, wegen irgendeinem komplizierten Sch… der gerade kaputt ist. Natürlich für Wochen, mindestens.

  5. mal wieder ein Schlag ins Gesicht für den Steuerzahler.
    von den Kosten ganz abgesehen, die Dinger sind zum großteil viel zu nah beieinander und verschandeln total das Stadtbild.

  6. „Der zuständige Dezernent, Dr. Thilo Becker, argumentiert nun, dass diese Lösung langfristig wirtschaftlicher sei – da durch die größere Aufnahmekapazität weniger Leerungen nötig seien.“
    Wie langfristig ist denn „langfristig“? Denn langfristig lohnt sich fast alles, wenn man lange genug wartet. Wird einer der heute lebenden Bürger es noch erleben, dass sich diese Tonnen rechnen?
    Zudem: Man will Personalkosten durch diese Mülltonnen einsparen. Schön und gut, aber was passiert mit dem derzeit vorhandenen Personal, das bisher die analogen Tonnen lehrte? Wird das entlassen? Denn nur so ließen sich ja die Personalkosten reduzieren, die man einsparen will nach Beckers Rechnung. Oder bleibt der Personalbestand erhalten, was ich den Angestellten von Herzen gönne, und die Städtische Bumm-Bumm lehrt nun mit derselben Anzahl Stadtreiniger die smarten Tonnen wie vorher die alten analogen Tonnen?

    • Primär geht es doch um eine saubere Innenstadt. Dies ist dann Teil einer attraktiven City, die dann zum Verweilen und Einkaufen einlädt. Dem Gewerbeertrag der Einzelhändler und Wirte folgt die Gewerbesteuer, diese bezahlt die Mülleimer. 🤷‍♂️
      Nicht alles muss sich wirtschaftlich rechnen lassen. Manche Ausgaben dienen einem höheren Zweck.
      😉

    • @ der Echte Blusorsch: Die Reinigung, also das Amt, der Stadt ist permanent unterbesetzt. Da sind noch Stellen frei. Also, wenn Sie jemanden kennen, dann bitte diese Information zwecks Bewerbung weiter geben.
      Bei den anderen Dingen: langfristig, was bedeutet das? Ja, das sehe ich auch so und frage mich. Ich bin aber zu dumm das zu beantworten.
      Aber sicher wird uns das Irrlicht bintolerant aufklären, da ja sein Freund Thilo das alles ausgerechnet hat und lässt uns armen Wichte teilhaben, damit wir auch eine kleine Erleuchtung erleben können. Und das kostenlos. Sonst sind wir ja nur Stimmvieh und ausgepresste Opfer der parlamentarischen Demokratie.

  7. Auch ich bin entsetzt über die Anschaffung der smarten Mülltonnen. Ich bin Krankenschwester und habe drei Jahre ehrenamtlich im Demenzzentrum des Kreis Trier/Saarburg in der Engelstraße gearbeitet. Der Oberbürgermeister kennt diese Einrichtung und weiß, daß diese Räumlichkeit incl. Einrichtung eine Zumutung insbesondere für die zu betreuenden Menschen ist.

    Ich weiß, andere Baustelle bla, bla, bla… Liebe Stadt Trier schämt euch!!!!!!

    Aber die smarte Medizin wird es richten, das Mülltonnen in der Zukunft nicht unser Problem sein wird!

    • Es tut mir leid das sagen zu müssen, Ihr ehrenamtliches Engagement in Ehren, aber wenn Sie ehrenamtlich arbeiten ermutigen Sie nur den Staat, sich nicht um seine ureigenen Aufgaben zu kümmern und das eingesparte Geld anderweitig zu verplempern. Deshalb ist ehrenamtliches Engagement für dieses Land kontraproduktiv.

  8. Ein bisschen Recherche und man weiss was mit den sprechenden Vorgängersmartmülleimern passiert ist:
    Sie waren dauernd kaputt.
    Die Anwohner beschwerten sich über das dämliche Gedudel
    Zum Heben waren sie für die Müllmänner zu schwer.
    Ergebnis: Sie wurden in einem Lager der Stadtwerke Trier verstaut und sollten „nur für besondere Anlässe hervorgeholt werden“.
    Mittlerweile sind sie sang- und klanglos verschwunden.
    Und die neuen Mülleimer, dashat nix mit dem Dezernenten zu tun, diese Mülleimer sind das Hirngespinst vom Leibe. Und wie in der DDR, die Bürger die mit den Segnungen der Obrigkeit beglückt werden sollen die Kosten nicht erfahren, das ist Bürgernähe.
    Und komisch, Luxembourg und Metz sind echte Städte, keine Arschkäffer wie Trier und da ist es sauberer als in letzterem und man kommt ohne aus.
    Ein Fall für das Schwarzbuch der Steuerzahler.

    • Das also versteht der Leibe, der Stadtrats- nicht Staatsratsvorsitzende von Trier, unter Demokratie und Bürgernähe. Den Preis für seine Verschwendungssucht den Bürgern vorenthalten.
      So weiss ja jeder was dieser Mensch von Demokratie hält: Für den Arsch und anschliessend in den smarten Mülleimer.

  9. PS: Ich gehe eh fast nie in die Innenstadt, wenn aber dochmal trete ich nicht auf so ein albernes Pedal um irgendwelchen Müll loszuwerden, dann landets eben auf der Strasse, mir egal.

Schreibe einen Kommentar zu Weber Antwort abbrechen

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.