Kampf gegen Klimawandel: Bäume in Weinbergen – Vitiforst-Projekte spenden Schatten

Weintrauben wachsen oft in Monokulturen. Baumpflanzungen können sie auflockern. Sogenannte Vitiforst-Projekte bringen etliche Vorteile - aber auch ein paar Nachteile.

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Erntehelfer lesen in der Lage Kanzemer Altenberg Trauben für einen Riesling. Foto: Harald Tittel/dpa

BODENHEIM/ELTVILLE. Klimawandel, Sonne, Trockenheit: Manche Winzer gehen neue Wege, um auch im Hochsommer ihren Reben zu helfen – und pflanzen einzelne Bäume dazwischen. Diese spenden Schatten und fördern die biologische Vielfalt. Mit Blick auf den wissenschaftlichen Namen der Weinrebe – Vitis vinifera – sprechen Experten von Vitiforst.

Das sei für Winzer zwar keine rasche flächendeckende Lösung im Kampf gegen Klimawandel, sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut in Bodenheim bei Mainz. «Aber es sind interessante und vielversprechende Projekte im Versuchsstadium.» Die biologische Vielfalt könne damit gefördert werden.

Im hessischen Rheingau bei Eltville etwa sind nach Angaben der Kleinstadt Kastanien- und Quittenbäumchen in einzelne Lücken von Rebzeilen eines alten Weinbergs gepflanzt worden. Damit könne die «Monokultur Weinbau» aufgelockert werden. Baumschatten kann laut der Stadtverwaltung die Bodentemperatur um 5 bis 10 Grad senken: «Dadurch verringert sich der Verlust von Bodenwasser durch Verdunstung und die Reben sind weniger Stress durch Wassermangel ausgesetzt.»

Bessere Bodenqualität

Andere Grünpflanzen gediehen im Schatten von Bäumen ebenfalls besser. Das wirke sich positiv auf die Qualität und Wasserspeicherung von Böden aus. Schließlich könnten Bäume bei vielem Regen mit der Wasseraufnahme über ihre Wurzeln Staunässe in Weinbergen minimieren. Dem Sprecher des Deutschen Weininstituts, Büscher, zufolge verringern Bäumen in Steillagen zudem die Bodenerosion. Und können für Weintouristen das Landschaftsbild verschönern.

«Auf der anderen Seite geht damit auch ein wenig Rebfläche verloren», sagt Büscher. Winzer müssten mit ihren Traktoren extra um die Bäume herumfahren. Nötig sei auch Geduld: «Eine neue Rebe braucht schon drei Jahre, bis sie erstmals richtig Trauben trägt. Beim Wachstum von Bäumen sprechen wir eher von Jahrzehnten.» Weiterhin sieht der Experte «das Problem der Wasserkonkurrenz zwischen Rebe und Baum».

Winzer, die ein Vitiforst-Projekt starten wollten, sollten möglichst klimaresistente Bäume mit breiten Kronen für mehr Schatten in ihre Weinberge pflanzen, empfiehlt Büscher. «Und wenn sie zum Beispiel Apfel- oder Birnenbäume wählen, können sie zusätzlich noch Obst ernten.» (Quelle: dpa)

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