Lauterbachs Klinik-Atlas: Scharfe Kritik von katholischen Kliniken in der Region

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Eine Pflegekraft geht auf einer Intensivstation über den Flur. Foto: Fabian Strauch/dpa/Symbolbild

TRIER. Vor rund zwei Wochen stellte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) in Berlin den neuen Klinikatlas vor, der auf dem neuen Krankenhaustransparenzgesetz der Berliner Ampel basiert. Der Atlas, der unter www.bundes-klinik-atlas.de im Netz zu finden ist, soll nach den Vorstellungen des Gesundheitsministers mehr Transparenz schaffen.

Zu den Kliniken gibt es jeweils Graphiken, die einem Tachometer im Auto nachempfunden sind und die Informationen wie Fallzahlen und Personalausstattung abbilden. Wie die FAZ berichtete, sagte Lauterbach anlässlich der Präsentation des Portals, jeder Bürger könne nun auf einfache Weise nachvollziehen, welche Klinik welche Leistung in welcher Güte anbiete. Daraus lasse sich auch ohne Vorkenntnisse im Gesundheitswesen ableiten, ob das Angebot für den jeweiligen Patienten geeignet sei. Es gehe um einen „übersichtlichen Wegweiser durch den Krankenhaus-Dschungel“.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) zog dies allerdings in Zweifel. Der Atlas sei „politischer Aktionismus auf Kosten des Steuerzahlers“. Zudem fuße der Atlas auf „intransparenten Algorithmen“, so DKG-Chef Gerald Gaß.

Auch in der Region Trier wird Kritik an Lauterbachs Klinik-Atlas laut: Der Klinik-Transparenzatlas müsse jetzt schnell und vor allem gründlich überarbeitet werden, so der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaften Katholischer Krankenhäuser Rheinland-Pfalz und Saarland, Domkapitular Benedikt Welter. „Wer ein solches Instrument veröffentlicht, trägt auch die Verantwortung für die Inhalte. Dieser Klinik-Atlas enthält jedoch Fehler und veraltete, falsche Daten: Statt Orientierung zu geben, werden ratsuchende Patienten in die Irre geführt.“ Welter kritisiert, dass der Transparenzatlas offensichtlich ohne Berücksichtigung der wissenschaftlichen Grundsätze von Integrität, Redlichkeit und respektvollem Umgang mit den dort aufgeführten Krankenhäusern veröffentlicht wurde. Die korrekte und vollständige Information zum Leistungsspektrum und zur Qualität von Krankenhäusern sei aber unerlässlich, um das Vertrauen der Gesellschaft in ein solches Instrument zu gewinnen. „Und dieses Vertrauen darf nicht durch schlechte Qualität, verbunden mit politischem Aktionismus, beschädigt werden.“
 
Veraltete Daten, falsche Fallzahlen, fehlende Abteilungen oder das Fehlen der Notfallversorgungsstufe sind nur einige Fehler des Klinik-Atlas, so die Kritik. Ein Beispiel aus Rheinland-Pfalz: Dort wurde durch die Bildung der Verbundkrankenhäuser mit mehreren Standorten die Versorgung und Qualität durch die zugehörige Krankenhausplanung in der Fläche zum Wohl der Patienten aufrechterhalten. Und dies, obwohl sich die Rahmenbedingungen permanent verschlechtert haben. Der Transparenzatlas stelle dies falsch dar, indem er falsche Zuordnungen von Pflegenden zur Anzahl der Patienten widergibt, da er nicht in der Lage sei, ein Verbundkrankenhaus über mehrere Standorte korrekt abzubilden, heißt es von den Arbeitsgemeinschaften Katholischer Krankenhäuser. Das führe Patienten in die Irre, die Informationen über ein Krankenhaus suchen und eine Entscheidung, beispielsweise für eine Operation, treffen müssen.

Die Arbeitsgemeinschaften Katholischer Krankenhäuser verweisen daher auf das seit Jahren bestehende Deutsche Krankenhaus Verzeichnis, über das sich Interessierte und Patienten über die Kliniken informieren können (www.deutsches-krankenhaus-verzeichnis.de/app/suche) . (Quellen:
Caritasverband für die Diözese Trier e. V., FAZ)

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