Trier: Über 50 % weniger Parkplätze – Weiter Kritik an Erweiterung der Fußgängerzone

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Foto: Daniel Bockwoldt/dpa/Symbolbild

TRIER. Wie von lokalo.de berichtet, nahm die Industrie- und Handelskammer Trier im April die anhaltenden Diskussionen zum umstrittenen Urbanen Sicherheitskonzept der Stadt Trier zum Anlass, die innerstädtischen Unternehmen aus Handel und Gastronomie zu befragen. Die Verwendung von Hochsicherheitspollern, die Erweiterung der Fußgängerzone, die enge Begrenzung der Lieferzeiten, die Reduktion der Parkflächen sowie teure Ausnahmegenehmigungen stoßen immer wieder auf Kritik.

„Unsere Ergebnisse zeigen: Es gibt durchaus eine Reihe von Betrieben, die das Urbane Sicherheitskonzept grundsätzlich befürworten, aber dieses wird handwerklich nicht gut umgesetzt. Dass die Stadt neben allen Einschränkungen dann auch noch bei den Gebühren zuschlägt, empört die Unternehmen. Gleiches gilt für den Verlust an Kundenparkplätzen, und auch bei den Lieferzeiten brauchen wir dringend flexiblere Regelungen“, fasste IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Glockauer damals die Ergebnisse der Umfrage unter rund 90 Unternehmen zusammen.

Kritik kam u.a. von der CDU Trier sowie der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) Trier. Der CDU-Spitzenkandidat Thomas Marx sprach sprach von einer „bedrohlichen Wirkung für unser Innenstadtleben“. Christoph Selbach-Schneider, stellvertretender Vorsitzender der Trierer Mittelstands- und Wirtschaftsunion, sagte, der Verkehrsdezernent Dr. Thilo Becker müsse „Lösungen benennen, wie er Gäste in die Innenstadt locken möchte.“ Das schwindende Interesse aus dem Umland dürfe nicht ignoriert werden.

Auch die Freien Wähler Trier übten mit Blick auf die Ergebnisse der IHK-Umfrage Kritik: Diese zeigten, „dass die Skepsis gegenüber den Konzepten der Stadt weit verbreitet ist, insbesondere wenn es um die Auswirkungen auf das eigene Geschäft geht“, so die Partei in einer Pressemitteilung. Besonders gravierend seien die „hohen Gebühren für Ausnahmegenehmigungen“, die „Umwidmung von Kundenparkplätzen in Innenstadtnähe und die Einschränkungen der Lieferzeiten“.

Jetzt legen die Freien Wähler nach: In einer Pressemitteilung kritisiert die gegenwärtig nicht im Stadtrat vertretene Partei, dass eine ideologisch getriebene Reduzierung des Autos im Fokus der Politik des Verkehrsdezernenten stehe. Dieser nehme die fundierte Kritik, die sich aus den Resultaten der IHK-Umfrage ergebe, nicht ernst, sondern verlasse sich auf seinen persönlichen Eindruck, „dass er an einem verkaufsoffenen Sonntag im April ‚fast keinen Fahrradbügel in Trier mehr bekommen hätte‘ und nun ‚spannende Lösungen‘ suchen“ wolle. Welche das seien, bleibe unklar.

Nach Auskunft der Stadtverwaltung gegenüber Frau Berger-Heister von den Freien Wählern Trier seien im betroffenen Innenstadtbereich 82 der ursprünglichen 162 Parkplätze ersatzlos gestrichen worden – also über 50 Prozent! Besonders betroffen seien dabei bewirtschaftete Parkplätze, aber auch Behindertenparkplätze seien entfernt worden.

Die Partei hinterfrage zudem die Sinnhaftigkeit von Parkverboten, wie z.B. in der Pfützenstraße, oder die Reduzierung der Parkplätze in der Rahnenstraße. Besonders hart treffe der Wegfall zentraler Parkplätze Menschen mit Einschränkungen. Wohnen in der Innenstadt, für Menschen mit Auto, werde somit unattraktiver. Man fordere daher eine „Überarbeitung der fehlerhaften Konzepte“. (Quelle: Kreisvereinigung Trier)

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6 Kommentare

    • dieser Kommentar ist unbegründet und falsch. Das jetzige Konzept wurde in weiten Teilen schon vor Jahren von allen Parteien im Stadtrat so beschlossen. Richtig ist, dass die Umsetzung dringend verbesserungswürdig ist.

  1. Die Radwege sind immernoch nicht frei vom Hochwasserschlamm, Tausende Fahrradtouristen und Jogger müssen sich über die Bundesstrassen quälen… Zur Arbeit geht es bei dem schönen Wetter wieder mit dem KFZ von Biewer, Konz, Zewen, Kenn, Kasel weil nix gemacht wird… Beim Winterhochwasser kann man sich diese Zeit eher lassen aber bitte nicht in der Saison, die Radwege genaus behandelt werden wie die Strassen, dafür können ruhig mehr Autos in der Stadt parken, wenn die das auf regulären Parkplätzen können müssen sie auch keinen Radweg zuparken. Dort haben sie noch nie einen Radler gestört. Das snd rein ideologische Dnge die einen dazu bewegen Parkplätze abzubauen, hat nicht mit dem fördern des Radverkehrs zu tun.

  2. Es geht nicht um Parkplätze abbauen. Es geht um die Deindustriealisierung Deutschlands.
    Parkraumverknappung sorgt für Umsatzausfälle beim KFZ Handel u.a. und bei den Autoherstellern.
    Namhafte deutsche Autohersteller sind schon ins nahe Ausland abgewandert. Zum Bsp. nach Ungarn.
    Dort unterhält Audi eine Motorenfabrik zur Herstellung von Verbrennermotoren für den Weltmarkt.
    In diesem Audiwerk arbeiten 11.500 Menschen, in Deutschland sind solche Arbeitsplätze nicht mehr erwünscht.

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