Ganz besonderes Jubiläum – 40 Jahre Kinderchirurgie im Klinikum Mutterhaus

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Eine starke Teamleistung – Die Kinderchirurgie im Klinikum Mutterhaus wird 40 Jahre alt. Foto: Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen

TRIER. Eine eigenständige Disziplin Kinderchirurgie, davon hatte selbst die heutige Chefärztin Dr. med. Monika Krause der Kinder- und Jugendchirurgie im Klinikum Mutterhaus, erst in ihrer Zeit als Assistenzärztin gehört. So ein Exot war diese Spezialisierung, die vor 51 Jahren in der damaligen sogenannten Schneiderklinik am Katharinenufer nach Trier kam und nun, nach Auflösung der privaten Kinderklinik, seit 40 Jahren ihre Heimat im Klinikum Mutterhaus findet und trotz aller Widrigkeiten bis heute Bestand hat.

In einer Feierstunde mit vielen geladenen Ehrengästen, ehemaligen und heutigen Wegbegleitern, gab es unter anderem einen Blick zurück in die Geschichte der Abteilung, die gestern wie heute von engagierten Menschen lebt. Ein Unterstützer der „Chirurgie für Heranwachsende“, wie es in der Festschrift von 1998 heißt, war am 27. Februar 1973 der Pädiater Dr. Hanns Schneider, der auf seine private Initiative hin, in seiner Kinderklinik St. Katharinen in Trier die erste Kinderchirurgische Abteilung in Rheinland-Pfalz eröffnete. Auch wenn die private Kinderklinik 1984 aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr aufrechterhalten werden konnte und die Kinderabteilungen inklusive Kinderchirurgie ins Klinikum Mutterhaus integriert wurden, lebt der Gedanke einer ganzheitlichen Kindermedizin noch heute weiter.

„Aus dem heutigen Kinderzentrum mit angeschlossenem Perinatalzentrum Level 1 am Klinikum Mutterhaus ist die Kinderchirurgie als wichtiger gleichberechtigter Partner nicht mehr wegzudenken“, betont Geschäftsführer Dr. med. Christian Sprenger.

Als eine von nur zwei Hauptfachabteilungen für Kinderchirurgie in ganz Rheinland-Pfalz liegt ein wichtiger Schwerpunkt der Abteilung in der chirurgischen Versorgung von Neugeborenen. „Das ist schon etwas Besonderes, dass wir Kinder, die mit Fehlbildungen auf die Welt kommen, gleich hier vor Ort versorgen können und so Mutter und Kind nach der Geburt nicht getrennt werden müssen. Davon profitieren wir alle, vor allem das Kind und die Eltern“, so Dr. Krause. Darum war es ihr auch ein Anliegen, eben diese chirurgische Versorgung von Neugeborenen im Rahmen einer Kooperation auch Familien im Saarbrücker Winterbergklinikum und dem Westpfalzklinikum Kaiserslautern von 2015 bis 2020 zur Verfügung zu stellen. „Das war schon eine ganz besondere Teamleistung, dieses Angebot so auf die Beine zu stellen, dass dabei die Kinder im Klinikum Mutterhaus zu keiner Zeit einen Nachteil hatten. Eine Zeit, an die ich gerne zurückdenke“, so die Chefärztin, die gemeinsam mit einem ihrer Funktionsoberärzte im vergangenen Jahr im Bereich der speziellen Kinder- und Jugendurologie eine weitere, eher seltene Zusatzqualifikation erworben hat.

Gut 9.000 Fälle behandelte das Team aus Chefärztin, zwei Oberärzten und zwei Funktionsoberärzten gemeinsam mit vier Assistenzärztinnen im vergangenen Jahr. Dass dabei die Assistenzärztinnen zwischen Kinder- und Jugendmedizin und –chirurgie hin und her wechseln, ist dabei nicht nur der räumlichen Nähe seit dem Neubau 2010 zu verdanken, sondern auch explizit gewollt. „Wir sehen hier immer das Kind als Ganzes. Bei einem Unfall ist vielleicht der Knochenbruch oder eine innere Blutung offensichtlich für den Kinderchirurgen, aber eine wesentliche Begleiterkrankung aus dem Blickwinkel des Pädiaters mit zu behandeln. Darum ist es uns so wichtig, dass beide Disziplinen eng miteinander arbeiten.“ Neben der Neugeborenenchirurgie sind Unfälle, insbesondere die 1.500 jährlichen D-Fälle, also Unfälle im Kindergarten oder der Schule, ein weiterer Schwerpunkt der Abteilung. „Nicht immer muss gleich operiert werden. Etwa 1.200 Kinder nehmen wir jährlich stationär auf, teils zur Beobachtung etwa nach einem Unfall oder weil sie operiert werden müssen. Zusammen mit den 130 ambulanten Operationen führen wir im Jahr etwa 800 Operationen unter Narkose durch.“ Und auch im OP ist genau wie auf Station alles auf das Kind eingestellt. „Unser Credo lautet: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Sie brauchen eine auf das Kind abgestimmte Behandlung. Kinder sollte man nie belügen. Wir erklären Ihnen vorher, was wir machen und auch, dass es gegebenenfalls etwas weh tut“, betont Dr. Krause.

Für sie und ihr Team ist die Arbeit in der Kinderchirurgie mehr als ein Beruf, es ist vielmehr eine Berufung und so ist es nicht verwunderlich, dass genau wie dem ganzen Kinderzentrum auch ihr das Thema Kinderschutz elementar wichtig ist. „Initiiert wurde unsere heutige Kinderschutzgruppe ein Jahr vor meiner Chefarzttätigkeit von unserer ehemaligen Pflegedienstleiterin des Kinderzentrums Christel Kallies, die mich noch vor meiner Tätigkeit als Chefärztin in die Vorbereitungen einband. Heute leite ich unsere Kinderschutzgruppe, in der wir interdisziplinär und multiprofessionell mit Ärzten aus Pädiatrie, Kinderchirurgie, Gynäkologie und Kinderpsychiatrie ebenso wie mit Pflegefachkräften, MFAs, Kinderpsychologen, Sozialdienst, Rechtsabteilung, Pflegedirektion und Seelsorge zum Wohle der Kinder eng zusammenarbeiten. Dazu gehören auch regelmäßige Treffen mit den Jugendämtern. Diese wichtige Arbeit treiben wir mit viel Engagement trotz Unterfinanzierung voran.“ Seit 2017 ist die Kinderschutzgruppe Trier durch die Deutsche Gesellschaft für Kinderschutz in der Medizin zertifiziert. „Durch die Etablierung der Kinderschutzgruppe wurden bedeutende Vorarbeiten zum Schutz der uns anvertrauten Kinder geleistet. Sie ist heute ein wichtiges Element in den Schutzkonzepten unseres Klinikums“, bedankt sich Klinikoberin Elke Kirsch für die langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit in diesem hochsensiblen Bereich.

Auch ein Blick in die Zukunft wird bei der Jubiläumsfeier in der Promotionsaula des Bischöflichen Priesterseminars gewagt. „Nach der Einführung der 4K-Technologie in der Laparoskopie entwickelt sich die Chirurgie mit der robotischen Chirurgie immer weiter. Auch wir in der Kinderchirurgie können uns die roboterassistierte Laparoskopie durch den Da Vinci Roboter gerade bei kinderurologischen Operationen sehr gut vorstellen“, so Dr. Krause.

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