MAINZ. Auch rund fünf Monate nach dem Cyberangriff auf die Verwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises läuft längst nicht wieder alles normal. Kommunen und die Landesregierung rüsten sich für ähnliche Fälle.
«Schulung. Schulung. Schulung ist wichtig, hilft aber nicht allein.» Die Strukturen müssten so gestärkt werden, dass sie überall schnell wieder hochgefahren werden können, forderte Mätzig. «Nach dem Angriff auf die Verwaltung im Rhein-Pfalz-Kreis haben wir unsere Checklisten für die Kommunen alle überarbeitet.» Einige Städte und Gemeinden seien cyberversichert. «Aber die Versicherung ist für viele Kommunen zu teuer.» Der Angriff auf den Rhein-Pfalz-Kreis habe andererseits aber auch gezeigt, «wie teuer und langwierig es werden kann, wenn Soft- und Hardware betroffen sind».
Die Ampel-Landesregierung hat sich schon mit dem Koalitionsvertrag vorgenommen, ein eigenes mobiles Reaktionsteam (MIRT) für die Landesverwaltung zu etablieren, um die Cyber- und Informationssicherheit zu stärken, berichtete die Sprecherin des Transformationsministeriums, Helena Skugor. «In einem ersten Schritt wurde ein Vertrag mit einem auf Cybersicherheitsvorfälle spezialisierten und vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zertifizierten Dienstleister geschlossen.»
CYBER-ANGRIFF WAR AKUTE BEDROHUNG
Unter dem Eindruck des Cyberangriffs auf die Kreisverwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises im Oktober 2022 sowie mit Blick auf die «nicht zuletzt im Zuge des Krieges in der Ukraine verschärfte IT-Bedrohungslage» sei dieser Vertrag auf die Kommunen ausgeweitet worden. Eine Arbeitsgruppe des Ministeriums und der kommunalen Spitzenverbände arbeite derzeit zudem an der Konzeption eines gemeinsamen MIRT für die Landesverwaltung und die Kommunen.
CYBERCRIME-KOMMISSARIATE IN RHEINLAND-PFALZ
Bei der Polizei sollen nach den Plänen von Innenminister Michael Ebling erstmals spezialisierte Cybercrime-Kommissariate entstehen – und zwar fünf. «Sie werden die regionalen Ergänzungen zum Dezernat Cybercrime im Landeskriminalamt bilden», hatte der SPD-Politiker angekündigt. Zudem werde eine Cybertaskforce (CTF) geschaffen. Als Beispiel für deren Einsätze nannte der Minister den Cyberangriff auf die Verwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises zu Jahresbeginn. Ziel sei es «schnellstmöglich mit verschiedenen Spezialisten» an den Einsatzort zu kommen, hatte der Inspekteur der Polizei, Friedel Durben, ergänzt. «Gerade diese Delikte werden zunehmen.»
Nach dem Cyberangriff hofft die Verwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises auf einen Wiederbeginn des Normalbetriebs zwischen Mai und Juli. Bei der Attacke seien rund 100 Gigabyte aus dem Netz gezogen worden – ein Bruchteil des Gesamtdatenvolumens.













