Strategie gegen Einsamkeit: Schweitzer sieht sich als “Geselligkeitsminister”

Sozialstaat ist mehr als das Auszahlen von Transferleistungen. Im neuen Jahr soll in Rheinland-Pfalz ein Konzept entwickelt werden, um das lebendige Miteinander und Füreinander vor Ort zu stärken.

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Sozialminister Alexander Schweitzer (SPD). Foto: Andreas Arnold/dpa Pool/dpa/Archivbild

MAINZ. Das Sozialministerium in Rheinland-Pfalz hat sich fürs neue Jahr einen besonderen Schwerpunkt gesetzt: «Wir bereiten eine Strategie gegen Einsamkeit vor», kündigte Sozialminister Alexander Schweitzer an. Nicht nur ältere Menschen seien betroffen. «Auch bei Jüngeren gibt es Einsamkeit. Daher muss man einen vielgestaltigen Ansatz finden.»

Eine wissenschaftliche Erhebung soll zunächst den Blick auf die Ausgangssituation weiten. Schweitzer nannte bundesweite Umfragen, wonach der Anteil der Menschen, die angeben, dass Einsamkeit eine Rolle in ihrem Leben spiele, zwischen 4 und 14 Prozent schwankt. «Wir wollen Einsamkeit als Thema für sich betrachten», sagte der sozialdemokratische Politiker und fügte hinzu, dass es voraussichtlich im ersten Halbjahr erste Vorschläge für Elemente einer Einsamkeitsstrategie geben solle.

Dabei seien Fragen der gesellschaftlichen Teilhabe, auch der digitalen Teilhabe ebenso zu betrachten wie solche des Wohnens und des resilienten Alterns, sagte Schweitzer. Resilienz im Alter meint die Widerstandsfähigkeit gegen körperlichen und geistigen Abbau. Es gebe auch einen Zusammenhang zwischen sozialer Notlage und Einsamkeit – «aber es gibt auch Menschen, denen geht es gut oder wirtschaftlich passabel und trotzdem fühlen sie sich allein.»

In der Zeit der Corona-Pandemie habe es viele Ansätze gegeben, um gemeinsam aktiv zu bleiben und trotz der Einschränkungen mit anderen Kontakt zu halten. Diese und andere Initiativen gelte es, zu einem stimmigen Ganzen zusammenzuführen. «Das passt gut zu Rheinland-Pfalz. Da gibt es noch Nähe, man kennt sich, man grüßt sich.»

Diesen Vor-Ort-Ansatz sieht Schweitzer als Kern einer Strategie gegen Einsamkeit. «Wir gehen den Weg eines sozialräumlichen Ansatzes, der danach fragt, wo die Menschen in ihrer Nachbarschaft leben, wo sie Einsamkeit empfinden und wo man am ehesten etwas dagegen machen kann.» Hier gebe es gute Ansatzpunkte wie die Arbeit der Gemeindeschwestern plus, der Seniorenarbeit, der Kurzzeitpflege oder auch die Unterstützung von Wohn-Pflege-Gemeinschaften im Projekt «Wohnpunkt RLP». Die Strategie gegen Einsamkeit solle diese Ansätze miteinander vernetzen und etwaige Lücken schließen.

Ein Sozialstaat könne sich nicht auf das Auszahlen von Transferleistungen beschränken, sagte Schweitzer. Er bekomme erst dann ein wahrnehmbares Gesicht, wenn es vor Ort Strukturen gebe, in denen Menschen füreinander da seien. In Familien gebe es eine größere Chance, nicht alleine zu sein. Aber nicht jeder habe die Chance, auf eine enge familiäre Einbindung. «Und Menschen gestalten ihr Leben so, wie sie es für richtig halten. Daher reicht ein konservativer Ansatz, der Familienmodelle der Vergangenheit präferiert, nicht aus.»

Wird der Minister für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung jetzt auch ein Minister für Einsamkeit? Schweitzer lacht und antwortet: «Ich bin eher ein Geselligkeitsminister – als Pfälzer könnte ich gut damit leben.» (Quelle: dpa)

1 Kommentar

  1. Carlos
    Wäre ja ein Wunder, wenn nicht irgendein
    Politiker dazu seinen Senf abgeben müsste.
    Jetzt „Geselligkeitsminister“.
    Lachen vertreibt auch die Einsamkeit.
    Ich erinnere mal.
    Als die damalige Innenminister Roger Lewentz die durch die
    Pandamie rückläufigen Unfalltoten im Straßenverkehr sah,
    kommentierte er sofort:
    Bis 2030 oder früher werden wir die Zahlen auf 0 drücken.
    Wie sieht es heute aus? Sie steigen und steigen.
    Wen wundert`s?
    „Schwallen“ ist eben die Kernkompetenz der allermeisten unserer Politiker.

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