Neue Corona-Lockerungen in Rheinland-Pfalz: fast normaler Sommer erwartet

Die Isolation für Corona-Infizierte wird kürzer und die Quarantäne für Kontaktpersonen abgeschafft. Gesundheitsminister Hoch rechnet mit einem weitgehend unbeschwerten Sommer.

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Foto: dpa

MAINZ. Die Masken sind vielerorts gefallen, in Impfzentren ist kaum noch was los, und an den Teststationen gibt es keine Schlangen mehr. Von 1. Mai an (Sonntag) kommen Lockerungen bei der Isolationspflicht für Infizierte und der Quarantänepflicht für Kontaktpersonen dazu.

Die Gesundheitsämter melden jetzt auch nur noch an Werktagen die neuen Infektionszahlen. «Wir werden im Sommer weitestgehend normal mit dem Virus leben können», sagte Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) am Dienstag in Mainz. Ein Überblick:

Wie lange müssen sich infizierte Menschen noch isolieren?

Wer trotz eines positiven Corona-Tests keine Symptome hat, darf die Isolation nach fünf Tagen beenden. «Wer am Montag einen positiven Test hat, kann am Samstagmorgen wieder Brötchen kaufen», sagt Hoch. Das Freitesten fällt weg. «Der Höhepunkt der Viruslast ist im Regelfall nach fünf Tagen vorbei», erläutert der Minister. Haben Infizierte jedoch Symptome – wie Fieber oder Husten – können sie die Isolation erst beenden, wenn sie mindestens 48 Stunden symptomfrei sind. Halten die Symptome an, muss die Isolation fortgesetzt werden bis zu maximal zehn Tagen. «Dann ist auch mit Symptomen Schluss.» Für den nächsten Schritt – Absonderung nur noch als Empfehlung und nicht als Pflicht – sei es aber noch zu früh.

Was gilt für Kontaktpersonen Infizierter?

Sie müssen gar nicht mehr in Quarantäne. Dies gilt unabhängig von ihrem Alter und ihrem Impfstatus. Sie sollten aber Maske tragen, Abstand halten, Kontakte reduzieren und Selbsttests machen.

Gilt das auch für Kitas und Schulen?

Ja. Wenn ein Infizierter nach Ablauf der fünf Tage 48 Stunden lang symptomfrei ist, kann er oder sie in die Schule oder die Kita zurückkehren. Sonst verlängert sich die sogenannte Absonderung auf maximal zehn Tage. Freitesten ist nicht mehr notwendig. Auch sogenannte Kontaktkinder in Kitas müssen sich nicht mehr freitesten.

Wie entwickeln sich die Corona-Fallzahlen?

Die Gesundheitsämter müssen sie künftig nicht mehr am Wochenende melden, sondern nur noch montags bis freitags. Das gilt bereits ab dem 30. April und auch im benachbarten Hessen, wie Hoch sagt. Viele Ämter hätten dies schon jetzt nicht mehr gemacht. Landesweite Zahlen gibt es also an den Wochenenden künftig nicht mehr. «Die Entspannung bei den Inzidenzen wird sich fortsetzen», ist Hoch überzeugt. Die wohl hohe Dunkelziffer sei in der Regel ok, weil viele Menschen nur leichte oder gar keine Symptome hätten. «Ich kann infiziert sein, aber ich bin nicht automatisch erkrankt.»

Die Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Neuinfektionen ist am Dienstag wieder leicht zurückgegangen, auf 963,6. Der Wert beschreibt die Zahl neuer, gemeldeter Ansteckungen binnen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner. Der Hospitalisierungsinzidenz sank leicht von 8,56 auf 8,29. Die für die Belastungen im Gesundheitssystem wichtige Größe gibt die Zahl der Aufnahmen von Covid-Patienten in Krankenhäusern binnen einer Woche je 100.000 Einwohner an.

Wie hoch ist die Impfquote?

Mehr als 75 Prozent der gesamten Bevölkerung seien grundimmunisiert – also mindestens zweimal geimpft. Bei den Fünf- bis Elfjährigen sei es nur gut jeder Fünfte (21 Prozent), bei den über 60-Jährigen aber fast 90 Prozent (88,8 Prozent). Jeder vierte Rheinland-Pfälzer sei zudem schon einmal mit Sars-CoV-2 infiziert gewesen. «Ich würde mir eine viel höhere Impfquote wünschen. Wir sind aber in Rheinland-Pfalz nicht schlecht», sagt Hoch. «Es wird auch noch immer viel Maske getragen.»

Wann kommt ein an die Omikron-Variante angepasster Impfstoff?

Hoch rechnet inzwischen mit einer Entscheidung der EU-Arzneimittelbehörde EMA erst nach den Sommerferien. Allen über 70-Jährigen empfiehlt er – davon unabhängig – über die vierte Impfung nachzudenken. Sinnvoll sei diese ab drei bis sechs Monaten nach der ersten Booster-Impfung – also der dritten Spritze. Es gebe genug Impfstoff und schnell einen Termin.

Wie lange sind die Impfzentren noch geöffnet?

«In den Impfzentren ist leider viel zu wenig los im Moment», sagt Hoch. Der Löwenanteil der Einrichtungen soll aber bis Ende 2022 offen gehalten werden. Grund sind eine mögliche Steigerung der Infektionszahlen im Herbst und die Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr, als die Zentren geschlossen worden waren.

Wie wird die Impfquote noch erhöht?

«Ich glaube, wir haben alle erreicht, die sich impfen lassen wollen», sagt Hoch. «Es ist ausgeschöpft.» Impflotsen versuchen jedoch weiterhin im direkten Gespräch mit Menschen, die Quote noch zu steigern. Im ersten Quartal dieses Jahres seien die Impflotsen rund 380 mal im Einsatz gewesen, mit ganz unterschiedlicher Reichweite, sagt die stellvertretende Geschäftsführerin der Landeszentrale für Gesundheitsförderung, Susanne Herbel-Hilgert. «Das können zum Beispiel sechs Personen im Rahmen eines Jobcenter-Projektes oder bei einem Sprachkurs sein, aber auch 130 bis 150 bei der Ansprache auf einem Marktplatz oder beim Durchlaufen der Fußgängerzone.» Derzeit seien 37 Impflotsen in fünf Kommunen und Kreisen unterwegs, mit weiteren Gemeinden ist die Landeszentrale im Gespräch.

Gibt es weiterhin kostenlose Bürgertests?

2487 Teststellen sind nach Darstellung des zuständigen Landesamts für Soziales, Jugend und Versorgung derzeit landesweit gemeldet. Die aktuelle Testverordnung ist befristet bis Ende Juni. Solange sind die Testungen für alle Bürgerinnen und Bürger kostenfrei und werden vom Bund finanziert.

Was ist der Stand bei der einrichtungsbezogenen Impfpflicht?

Von den rund 175.000 Beschäftigten, die unter die einrichtungsbezogene Impfpflicht fallen, sind bisher knapp 7800 als ungeimpft bei den Gesundheitsämtern gemeldet worden. Die Anhörungsverfahren laufen. Mit den ersten Bußgeldbescheiden sei in den nächsten Wochen zu rechnen, sagte Hoch.

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