Den Menschen in seiner Ganzheit ernst nehmen: Trierer Bischof Ackermann zum Gründonnerstg

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Der Trierer Bischof Stephan Ackermann. Foto: Harald Tittel/dpa/Archivbild

TRIER. „Eucharistie und Fußwaschung öffnen uns die Tür zu dem großen Geheimnis, das wir in diesen Tagen feiern. Sie sagen uns: Denk daran, dass es bei der Botschaft Jesu immer um das Ganze des Lebens und der Welt geht. Da ist immer alles mit im Spiel: Himmel und Erde, Gott und Mensch.“ So hat Bischof Dr. Stephan Ackermann am 14. April im Trierer Dom die Bedeutung der Gründonnerstagsliturgie erklärt.

Der Gründonnerstag mache nicht nur die existenzielle Wucht der Botschaft Jesu deutlich: „Er zeigt auch, wie sehr Jesus – und damit unser Glaube – den Menschen in seiner Ganzheit ernst nimmt: Der Glaube ist nicht bloß eine Sache des Kopfes und des Gefühls, sondern meint den ganzen Menschen. Ganz Mensch sind wir aber nur mit Geist und Leib“, sagte Ackermann und bezog sich auf die These, der christliche Glaube sei leibfeindlich, gerade in seiner katholischen Ausprägung. Am Gründonnerstag werde die Bedeutung, die Jesus dem menschlichen Leib zumisst, deutlicher als je zuvor, erklärte Ackermann: Jesus wäscht seinen Jüngern die Füße, er isst und trinkt mit ihnen, und er reicht ihnen das Brot mit den Worten: „Das ist mein Leib.“ Wie in seinem ganzen Wirken zeige Jesus auch an diesem Abend keine Berührungsängste. Dabei gehe es Jesus nicht um die bloße Weitergabe einer religiösen Lehre an einen Schülerkreis: „Jesus geht es nicht darum, dass seine Jünger nach seinem Tod über seine Lehre nachdenken, sondern dass sie ihm nachfolgen mit ihrem ganzen Leben.“

Manchmal allerdings flüchteten Menschen sich in ein „leibloses Christentum“: „Jesus weiß ja, wie stark wir Menschen in der Versuchung stehen, einer Lehre, die uns anspricht, einerseits zuzustimmen, aber uns andererseits ins Unverbindliche, ins Abstrakte, in Diskussionen und Theorien zu flüchten, wenn es konkret wird. Dann fallen uns alle möglichen Gesichtspunkte ein, die man doch noch bedenken sollte, bevor man anfängt zu handeln“. Dabei gehe es in der Nachfolge Jesu in der Regel doch gar nicht um die Fragen von Leben und Tod, von Hingabe und Einsatz bis zum Äußersten, sondern eher um die Situationen des Alltags wie „um den Menschen, der auf eine Antwort von mir wartet“ oder „um die bescheidene Bitte um Hilfe, die ich am liebsten geflissentlich überhören würde“. Das seien Situationen, in denen „wir zeigen können, wie konkret und wie leibhaft wir den Glauben leben“. Die Abendmahlsüberlieferung „mit ihrem ganzen existenziellen Ernst und die im Vergleich dazu kleine Geste der Fußwaschung, in der irgendwie trotzdem alles enthalten“ ist, zeige auch: „Wenn du achtsam bist, wenn du Augen hast für die tagtäglichen Anrufungen Gottes, wenn du dich den kleinen konkreten Zumutungen des Alltags nicht entziehst, dann kann darin das Eigentliche geschehen: die Hingabe, zu der wir nach dem Beispiel Jesu berufen sind.“

In der „Messe vom letzten Abendmahl“ wusch Bischof Ackermann Frauen und Männern vom Besucherdienst des Bistums Trier, die bei den großen Festen und Bistumsveranstaltungen Gästen und Besuchern zu Diensten sind, die Füße. Ebenso wusch er einer ukrainischen Familie die Füße, die im Trierer Priesterseminar Zuflucht gefunden haben, und die für all diejenigen steht, denen Jesu Aufmerksamkeit und Liebe in besonderer Weise gilt.

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