Stilles Gedenken an Opfer der NS-Verbrechen im Landtag

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Die Abgeordneten haben sich im Landtag von ihren Plätzen erhoben. Foto: Andreas Arnold/dpa

MAINZ. Innehalten im politischen Alltag: Die Abgeordneten des rheinland-pfälzischen Landtags gedachten am Donnerstag schweigend der Opfer der NS-Verbrechen. Nach dem Lied «Schalom Aleichem», vorgetragen von der israelischen Mezzosopranistin Shai Terry, erinnerte Landtagspräsident Hendrik Hering an die Befreiung der überlebenden Häftlinge im Vernichtungslager Auschwitz durch sowjetische Soldaten vor 77 Jahren.

«Doch das Menschheitsverbrechen des Holocaust begann nicht erst mit den deutschen Todesfabriken», sagte Hering. Auch im heutigen Rheinland-Pfalz habe es lange vor der Planung des Massenmords an den Juden auf der Wannseekonferenz von 1942 Deportationen gegeben. Der Landtagspräsident zitierte die jüdische Pfälzerin Ida Loeb mit der Erinnerung an die Deportation in das französische Lager Gurs im Jahr 1940: «Die Straßen standen voll Gaffer, aber sehr ruhig.» Der Massenmord habe nur funktionieren können, «weil es viele Täter und Mitläufer in Deutschland gegeben hat», sagte Hering.

Zur Sondersitzung des Landtags kam die 95-jährige französische Anthropologin Monique Lévi-Strauss aus Paris nach Mainz, um über ihre Erfahrungen als Jugendliche im NS-Regime zu berichten – in Gerolstein und Prüm in der Eifel sowie in Bonn, Düsseldorf und Weimar. Die Tochter einer jüdisch-amerikanischen Mutter, Witwe des Soziologen Claude Lévi-Strauss (1908-2009), hielt ihre Erinnerungen in einem Buch fest, das im vergangenen Jahr unter dem Titel «Im Rachen des Wolfes» auch auf Deutsch erschien.

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