Universität Trier redet beim Unwort des Jahres weiterhin ein Wörtchen mit

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Prof. Dr. Martin Wengeler (rechts) hat seinen Sitz in der Jury der Aktion Unwort des Jahres an Dr. David Römer übergeben. Foto: Universität Trier

TRIER. Auch in diesem Jahr dominierte die Corona-Pandemie die Suche nach dem Unwort des Jahres, das die neu zusammengesetzte Jury am Mittwoch verkündete. Dennoch konnte sich unter den rund 1.300 Einsendungen letztendlich der Begriff “Pushback“ als Unwort des Jahres 2021 durchsetzen. Im vergangenen Jahr hatte die Jury mit “Corona-Diktatur“ und “Rückführungspatenschaften“ erstmals zwei Begriffe ausgewählt. Anschließend übergaben alle Jury-Mitglieder nach über zehn Jahren gemeinsamer Zusammenarbeit das Projekt in jüngere Hände.

Zur neuen Unwort-Jury gehören neben den Sprachwissenschaftlern Prof. Dr. Constanze Spieß (Sprecherin der Gruppe), Dr. Kristin Kuck, Prof. Dr. Martin Reisigl und der Journalistin sowie Dozentin Alexandra-Katharina Kütemeyer auch Dr. David Römer von der Universität Trier. Er übernimmt den Juryplatz seines Kollegen an der Universität Trier, Prof. Dr. Martin Wengeler, der seit 2006 Teil der Jury war, wie die Universität mitteilt.

„Uns war es immer ein Anliegen, für Sprache zu sensibilisieren und Diskriminierendes, Unmenschliches, das in Sprache ausgedrückt wird, zu kritisieren. Daher war es uns wichtig, dass die Juryarbeit von Personen übernommen wird, die sprachwissenschaftliche Kenntnisse und auch ähnliche ethisch-moralische Überzeugungen wie wir mitbringen,“ begründet Wengeler die Auswahl der neuen Jurymitglieder. Dabei habe sein Mitarbeiter David Römer in zahlreichen Gesprächen Interesse für das Projekt gezeigt und sich in der gemeinsamen Arbeit als geeigneter Nachfolger erwiesen.

Römer sieht die Sache ähnlich: „Ich war schon immer an den Themen Sprachkritik und öffentlicher Sprachgebrauch interessiert und habe diese als wichtig empfunden. Insofern musste ich gar nicht lange überlegen, als ich gefragt wurde, ob ich mir vorstellen könnte, Teil der Jury zu werden“, antwortet er auf die Frage, was seine Motivation für den Jurybeitritt gewesen sei. „Ich durfte im letzten Jahr bereits in den Job hinein schnuppern und als Praktikant sozusagen dabei sein. Das Ganze jetzt zu verantworten, war schon herausfordernd, aber es hat mir auch großen Spaß gemacht, mit den Kollegen und Kolleginnen darüber nachzudenken und zu diskutieren, was Unwort des Jahres 2021 werden könnte.“

Auch Martin Wengeler hebt die Diskussionskultur zwischen den Jurymitgliedern lobend hervor: „Das war kontrovers, aber immer harmonisch. Natürlich erinnere ich mich an Jahre, in denen ich mich gefreut habe, dass ein Wort gewählt wurde, das ich favorisiert hatte, und an andere Jahre, in denen ich eher ein anderes Wort bevorzugt hätte“, berichtet der Sprachwissenschaftler der Universität Trier. „Aber uns war es immer wichtig, im Konsens zu entscheiden. Das ist uns auch gelungen, sodass jeder die letztendliche Entscheidung gut vertreten konnte.“

Im Rückblick auf seine 15-jährige Juryzeit sind Martin Wengeler insbesondere die Begegnung mit den jährlich wechselnden Prominenten, die die Jury bei ihrer Arbeit unterstützen, sowie deren Beiträge zur Diskussion besonders positiv in Erinnerung geblieben. In diesem Jahr war der Autor und investigative Journalist Harald Schumann, der unter anderem für seine Recherche über die verborgene Macht des Finanzkonzerns BlackRock ausgezeichnet wurde, Teil der Aktion.

Die neu zusammengesetzte Jury plant, in den kommenden Jahren auch einige Modernisierungen der Aktion vorzunehmen. So könnte sich Römer beispielsweise vorstellen, dass in Zukunft neben dem Unwort des Jahres auch Unwörter für einzelne Teil-Öffentlichkeiten wie Soziale Netzwerke gekürt werden. „Dieses Jahr mussten wir uns als Jury erst einmal einarbeiten und das Unwort des Jahres 2021 wählen. Jetzt haben wir etwas Zeit, um uns vertieft darüber Gedanken zu machen, was wir neues Anstoßen möchten.“

Die Unwort-des-Jahres-Aktion war 1991 von dem Frankfurter Germanistikprofessor Horst Dieter Schlosser initiiert worden. Seit über 30 Jahren rügt eine überwiegend aus Sprachwissenschaftlern bestehende Jury Wörter, die gegen die Prinzipien der Menschenwürde oder Demokratie verstoßen, die gesellschaftliche Gruppen diskriminieren oder die verschleiernde oder irreführende Formulierungen sind. Dabei kann jede Person Begriffe einreichen, die von der Jury berücksichtigt und diskutiert werden sollen.

Im Jahr 2019 war “Klimahysterie“ das Unwort des Jahres, 2018 “Anti-Abschiebe-Industrie“. 2017 hatte die Jury die Wendung “alternative Fakten“ zum Unwort des Jahres bestimmt, 2016 war es der Begriff “Volksverräter“.

Weitere Informationen: www.unwortdesjahres.net.

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