2G im Einzelhandel: Starke Rückgänge im Weihnachtsgeschäft

19
Foto: Thomas Frey/dpa/Symbolbild

MAINZ. Weihnachtsshopping mit dem Nachweis geimpft oder genesen – diese neue Regelung funktioniert nach Einschätzung des Handels, kostet aber Umsatz. Eine Idee aus Mainz macht Zutritt und Kontrollen einfacher.

Die Mainzer Weihnachtsbändchen als Beleg für den Status geimpft oder genesen könnten landesweit Schule machen. «Jede Stadt hätte die Möglichkeit, dies einzuführen», sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Rheinland-Pfalz, Thomas Scherer, der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. In Kaiserslautern und einigen anderen Städten werde dies bereits beraten. In der Landeshauptstadt gelten die farbigen Armbändchen, die für den Weihnachtsmarkt eingeführt worden sind, auch in den Geschäften als Nachweis für die 2G-Regel.

Der Einzelhandel komme insgesamt landesweit mit der 2G-Regel – Zutritt nur für Genesene und Geimpfte – ganz gut klar, sagte Scherer. «Es funktioniert.» Trotzdem: «Die Kunden sind zurückhaltend. Die Frequenzen in den Innenstädten gehen zurück», sagte Scherer. Für viele Händler mache das Weihnachtsgeschäft aber 30 bis 40 Prozent ihres Jahresumsätze aus und sie drohten nach den Lockdowns in der Pandemie erneut oder noch stärker in eine finanzielle Schieflage zu geraten. Viele Menschen gingen auch deshalb nicht oder seltener in die Stadt, weil Weihnachtsmärkte abgesagt wurden. Eine Umfrage unter Händlern am ersten Adventswochenende habe bei vielen bis zu 50, 60 Prozent Rückgänge ergeben. Und am zweiten Adventswochenende sei es sicherlich nicht besser gewesen.

Nachhaltige Umsatzeinbußen befürchten auch die Friseure: «30 Prozent der Menschen sind nicht geimpft und die fehlen den Friseuren», sagt der Vorsitzende des Landesverbands Friseure & Kosmetik Rheinland, Guido Wirtz. «Die Nicht-Geimpften gehen jetzt in die Schattenwirtschaft und das ist nicht gut», kritisierte der Innungsmeister. Das Kalkül, Ungeimpfte so zum Impfen zu bringen, gehe sicherlich nur teilweise auf. Einige Händler wie etwa Haushaltswarengeschäfte hätten sich für diese Kunden einen besonderen Service ausgedacht, so Scherer. «Sie bringen die Waren direkt vor die Ladentür.» Dafür hätten manche extra Bestellscheine entworfen.

Wie schon bei der Bundesnotbremse in der Pandemie fielen Buchläden und Blumengeschäfte nicht unter die 2G-Regelung, sondern stünden wie Supermärkte auch Ungeimpften offen, sagte Scherer. «In Bayern gilt das auch für Schuhgeschäfte.»

Der Einzelhandel sei nach der seit Samstag geltenden Corona-Bekämpfungsverordnung nur zu Stichpunkt-Kontrollen verpflichtet, betonte Scherer. «Einige Ordnungsämter behaupten aber, dass jeder Kunde kontrolliert werden muss.» Dies sei weder vorgeschrieben noch gut machbar.

Kritik gibt es vor allem vom Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), der allerdings die 2G-plus-Regel umsetzen muss. Also Zutritt nur für Genesene und Geimpfte plus negativem Schnelltest. Mit einer einzigen Ausnahme: Geboosterte – also Menschen, die die Auffrischungsimpfung bekommen haben.

Dehoga-Präsident Gereon Haumann fordert «2G in allen Lebensbereichen» und im Lebensmitteleinzelhandel 3G. «Das Plus bei 2G muss weg.» Die Auswirkungen der seit vergangenen Samstag gültigen 2G-plus-Regelung seien «katastrophal». Am Wochenende habe es flächendeckend 70 bis 90 Prozent Stornierungen im Gastgewerbe in Rheinland-Pfalz gegeben.

2G bedeutet Zutritt nur für Geimpfte und Genesene. 2G-plus gilt seit vergangenen Samstag überall in Innenräumen, wo die Maske nicht konsequent getragen werden kann – also auch in der Gastronomie. Geimpfte und Genesene brauchen dann auch noch einen negativen Schnelltest, es sei denn, sie sind bereits geboostert. Bei 3G können auch Ungeimpfte mit einem Test dabei sein. Derzeit brauchen sie diesen Test in Supermärkten und Geschäften des täglichen Bedarfs – wozu neben Apotheken auch Blumen- und Buchläden gehören – aber nicht.

Die Gastronomie-Betriebe hätten kein Verständnis, dass die Regelungen in den Nachbarbundesländern Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg weniger streng seien, sagte Haumann. Das sehen auch die Oppositionsparteien CDU und Freie Wähler im Landtag so. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hält das hingegen im Moment nicht für verantwortbar.

Zudem leide wieder die Jugend besonders, die bei den Impfungen zunächst die vulnerablen Menschen vorgelassen habe, sagte Haumann. Viele dürften deshalb noch keine dritte Impfung bekommen und müssten damit immer einen negativen Schnelltest vorlegen. Im Norden von Rheinland-Pfalz seien diese Tests zudem teilweise knapp, kritisierte Haumann. (dpa)

Vorheriger ArtikelVon Ungarn nach Rheinland-Pfalz: Neuer Landesrabbiner David Schwezoff
Nächster Artikel++ Aktuelle Corona-Zahlen aus dem Saarland: Inzidenz steigt an – 32 Patienten beatmet ++

19 KOMMENTARE

  1. Amazon hat keine G’s, ist günstig und liefert bis vor die Tür.Super Service und dazu noch eine riesen Auswahl an Filmen.Warum noch in die City ? Der Einzelhandel hatte genug Zeit eine ähnliche Plattform aufzubauen. Die Verbände haben tief und fest geschlafen und nun sind ungeimpfte wohl der Sündenbock.Davon abgesehen, was hält die Händler ab ihre Ware nach draussen zu bringen, Menschen ausschließen ist wohl bequemer.Daher bleibt amazon meine erste Wahl.

  2. Dazu kam gestern Abend eine interessante Sendung auf SWR : “betrifft: Ladenschluss- Sterben unsere Innenstädte”
    Auch ich schließe mich Konsument an, bevor ich mich durch Trierer Baustellen ins Tal quäle , Parkplatz suche und mir die Hacken ablaufe , einen Test besorge und ein Geschäft betrete kaufe ich lieber über das Internet ein.

  3. Und Amazon zahlt kaum Steuern in Deutschland, bietet Arbeitsplätze im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung auf unterstem Niveau ohne Sicherheit (fragen Sie einmal nach den sog. “Release Days”) und schafft ein Klima der Angst unter den Angestellten. Fragen Sie doch einmal die Kolleginnen und Kollegen aus Trierweiler über den von der dortigen Standortleiterin vorgelebten Amazon-Stil und die dortige Fluktuation bei den leitenden Mitarbeitern. Mit all diesem Hintergrundwissen würden Sie Amazon boykottieren und zumindest auf Online-Alternativen zurückgreifen.

    • Hiermit ist alles gesagt!
      Der Online-Handel boomt, die Paketdienste kommen kaum noch mit Auslieferung nach, Löhne werden gezahlt, die das Wort Entlohnung nicht verdenen, die Innenstädte bluten aus, Einzelhändler müssen schliessen, so mancher verliert seinen Job…….
      und der bequeme, nörgelnde Konsument bestellt von der Couch aus was das Herz begehrt.
      Amazon u.a. sind der Nutznießer dieses Konsumverhaltens und wachsen und mehren sich.
      Jetzt kommt zu allem die 2G-Regel ins Spiel und damit hat der Online-Bestellwahnsinn neuen Nährboden bekommen.
      Der Mensch ist zu selbstgefällig um daran etwas zu ändern.
      Ausreden für diesen Konsumsport gibt es genauso viele wie unterbezahlte Paketbote.

    • Aber wer kann schon behaupten, einen Chef zu haben, der mit seiner eigenen Rakete im All war? So etwas gibt es natürlich nicht für lau.

    • @Heribert: zu diesem Thema habe ich kürzlich ein interessantes Zitat gelesen:

      “Die Mittelschicht beutet die Unterschicht aus”

      Geiz ist eben geil. Und wenn ich vor einem Thema die Augen verschließe, dann passiert es auch nicht.

      • HAt nix mit Geiz ist geil zu tun …..in der Stadt höre ich laufend ” kann ich Ihnen bestellen ”
        Ne danke , das kann ich auch , und zwar von zu Hause , ohne Heckenblitzer , Parkplatzsuche (teure) und Test etc

    • Ja, dort bei Amazon in Trierweiler scheint es laut Aussage von aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern drunter und drüber zu gehen. Die Chefin dort scheint den Begriff “Leadership” wohl falsch zu verstehen. Schreien, Drohen und der Missbrauch personenbezogener Mitarbeiterdaten sprechen nicht für menschliche Arbeitsbedingungen, geschweige denn von einer Firmenkultur. Amazon kann mein Paket deshalb gerne behalten und mit je mehr Menschen man darüber spricht, desto mehr teilen diese Meinung. Wie Herr Niesen schon anmerkte, muss man nur die (Ex-) Mitarbeiter in Trierweiler fragen. Danach kauft man dort nichts mehr.

      • Zitat: Amazon zahlt kaum Steuern!
        Wer hat es verbockt? Berlin!
        Der Spielball ist lange bekannt, dumm ist, wer sein Unternehmen nicht optimal aufstellt.
        Beim besten Willen werde ich meine Kaufentscheidung nicht davon abhängig machen, wieviel Steuern der Anbieter zahlt.
        Zitat: Arbeitsbedingungen.
        Laut Statistik wird jeder 3. in Deutschland berufsunfähig wegen burnout und psychischer Erkrankung, schlechte Arbeitsbedingungen und oder Druck gibt es also nicht nur bei Amazon, es ist allgegenwärtig in unserem Land.
        Davon mal abgesehen ist das Thema Arbeitsbedingungen bald Geschichte.
        Googeln Siel nach „Siemens-Chef plädiert für ein Grundeinkommen“ achten Sie auf das Jahr
        ( Artikel von 2016-2017), lassen Sie die Berichte auf sich wirken dann schauen Sie sich draußen um.
        Weitere Zitate:
        1,5 Millionen traditionelle Arbeitsplätze werden bis zum Jahr 2025 in Deutschland verschwinden, prognostizierte das Forschungsinstitut der Bundesagentur in 2016.
        Yvonne Hofstetter: “Die Schere geht immer weiter auf, die menschliche Arbeit hat immer weniger Anteil an der Produktivität.

        Ja wir sind nun mitten drin, mit allem was zur riesen Umstrukturierung dazu gehört.
        Daher bleibe ich bei meiner Entscheidung, bestelle online und bei Amazon und mache den esoterischen Quatsch in der Stadt nicht mit!
        Nicht persönlich nehmen, wünsche Ihnen und Ihrer Familie, sowie allen Lesern einen schönen und erholsamen Feierabend.

  4. An die Redaktion:
    Frei Meinungsäußerung steht zwar im Grundrecht ist aber nicht mehr erwünscht.
    Pressefreitheit – war mal.
    Norbert Lammert sagte 2017 vor dem Bundestag:
    Hier im Deutschen Bundestag schlägt das Herz der Demokratie und verlässlich kann und muss es schlagen in dem gemeinsamen aber nicht immer im präsenten Bewusstsein, dass eine vitale Demokratie nicht immer daran zu erkennen ist das am Ende Mehrheiten entscheiden, sondern das auf dem Weg bis zur Entscheidung auch Mindetheiten ihre Rechte wahrnehmen können.
    Damals gab Standing Ovations. Die damals klatschten haben wohl nicht richtig zugehört.

  5. Der Einzelhandel, den wir kannten, wird es nicht mehr geben. Die – teilweise unnötigen – Corona-Maßnahmen beschleunigen diesen Verfall auf dramatische Weise. Wer erstmal seine Accounts bei den großen Online-Händlern hat (Amazon, Ebay-plus, Otto, uvm.) kennt die Vorzüge in Vielfalt, Preis, Service und Reklamation. Ein zurück zum teuren Einzelhandel mit schlechtem Service und unfreundlichem Personal wird es für viele nicht mehr geben. Vielleicht noch zum Anschauen der Waren, um später Zuhause online zu bestellen. Das ist die Realität. Um diesen Prozess aufzuhalten müsste die Politik viele Rädchen drehen und Belastungen des Einzelhandels spürbar abbauen, damit dieser wettbewerbsfähig bleibt.
    In der Gastronomie sieht es nicht besser aber anders aus, da Geselligkeit nicht online geliefert werden kann. Hier ist jedoch zu befürchten, dass immer mehr wegen mangelnder Rendite und Gängelei aufgeben und die Vielfalt der Gastronomie verschwindet.
    Schlimm und sehr ärgerlich an diesen Entwicklungen ist die fehlende Kompetenz der Politik und des ÖD in betriebs- und marktwirtschaftlichen Zusammenhängen, sowie die teilweise fehlende Evidenz bei der Begründung mancher Corona-Maßnahmen.
    Ganz nach dem Motto: Denn sie wussten nicht was sie tun.
    Noch freuen sich viele Staatsdiener über Diätenerhöhungen, Aufstockung der Alimente und Corona-Zulagen (unglaublich), ohne zu überdenken, wer sie eigentlich bezahlt. Hinzu kommen weitere Krisen, die sich bereits ankündigen und ich prognostiziere den Kommunen ein böses Erwachen, wenn die Gewerbesteuereinnahmen massiv einbrechen. Da nützt dann auch das fleißige Eurodrucken der EZB nichts, ganz im Gegenteil.

  6. In diesen Zeiten wird die wirkliche Demokratie, welche nach meinem Grundverständnis, das
    Prädikat verdient, allerorten von denen mit Füßen getreten, die vorgeben, sie zu verteidigen
    oder sogar ihren Amtseid darauf leisten.

    Ihr werdet Euch alle noch wundern.., wir sprechen weiter, wenn das
    bunte Marionettenkabinett mal ein paar Monate im Amt ist.

    Schönen Tag noch, für alle Demokraten.

    • …der einzige, der hier nicht versteht, was Demokratie bedeutet, ist derjenige, der denkt, dass Demokratie nach seinem “Grundverständnis” – sprich: nach seinen Überzeugungen – gelebt werden muss.

      • Die Deutsche Demokratische Republik (DDR) hatte auch ein eigene Vorstellung von Demokratie. Dennoch war es eine Diktatur. Das Hauptmerkmale einer Demokratie ist das Souverän, bestimmt über Wahlen. Selbstverständlich kann sich eine Demokratie selbst abschaffen. Dann war es mal eine Demokratie.

        • Du sagst es ja:

          “Das Hauptmerkmal einer Demokratie ist das Souverän, bestimmt über Wahlen.”

          Und über das Ergebnis dieser Wahlen macht sich “Herr Weber” ja verächtlich, indem er von einem “bunte(n) Marionettenkabinett” spricht – ergo scheint er eine Demokratie nur als solche zu akzeptieren, wenn die gefällten Beschlüsse seinen Vorstellungen entsprechen. Ist aber auch ein Wesensmarkmal von Demokratiefeinden: das sind nämlich immer die, die am lautesten nach Demokratie brüllen, wenn was nicht nach ihren Vorstellungen läuft.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.