Jüdische und muslimische Jugendliche besuchen KZ Hinzert

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Foto: Landeszentrale für Politische Bildung Rheinland-Pfalz

HINZERT-PÖLERT. Jüdische und muslimische Jugendliche besuchen an diesem Sonntag gemeinsam die Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert im Kreis Trier-Saarburg.

Erstmals planen der Landesverband der Jüdischen Gemeinden und die Schura als Landesverband der Muslime ein solches Gemeinschaftsprojekt, wie Avadislav Avadiev der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Er ist Vorsitzender des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden. Weitere derartige Projekte würden folgen.

Auf vielen Schulhöfen seien Worte des Antisemitismus und des Hasses zu hören, verstärkt von Aussagen im Internet, erklärte Avadiev. Zugleich fehlten manchen Schülern Kenntnisse der NS-Geschichte. Mit der vorgesehenen rund zweistündigen Führung in der Gedenkstätte Hinzert solle über die Grausamkeiten des Nationalsozialismus aufgeklärt werden – auch im Sinne der heutigen Demokratie. «Diese Busfahrt zum KZ Hinzert richtet sich gegen Antisemitismus und gegen Islamfeindlichkeit», ergänzte Avadiev.

Auch der Vorsitzende der Schura Rheinland-Pfalz, Akif Ünal, sagte am Mittwoch, bei dem gemeinsamen Besuch gehe es um «Solidarität gegen jegliche gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, gegen Antisemitismus und Islamfeindlichkeit». Die jüdischen und muslimischen Gemeinden stellten sich gemeinsam gegen beide Formen von menschenfeindlichem Denken. Ünal fügte als Vorsitzender des Dachverbands von Moscheegemeinden mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln hinzu, er sehe bei muslimischen Jugendlichen in Rheinland-Pfalz keine generellen Defizite im Geschichtsbewusstsein. Den Schülerinnen und Schülern seien gerade auch die Verbrechen der NS-Zeit bewusst.

Geplant ist eine Busfahrt am Sonntag (21.11.) mit rund zwei Dutzend Mädchen und Jungen sowie mehreren begleitenden Erwachsenen von Mainz über Trier zu der Gedenkstätte. Abschließend gebe es noch ein gemeinsames Essen in der Trierer Jüdischen Kultusgemeinde für den Austausch untereinander, sagte Avadiev. Auch der Beauftragte der rheinland-pfälzischen Landesregierung für jüdisches Leben und Antisemitismusfragen, Dieter Burgard, wolle am Sonntag mitfahren.

Nach Angaben der Landeszentrale Politische Bildung wurde in Hinzert im Oktober 1939 ein Polizeihaftlager für angeblich straffällig gewordene Bauarbeiter des Verteidigungssystems Westwall eingerichtet. Nach der Unterstellung unter die «Inspektion der Konzentrationslager» im Juli 1940 diente der Gebäudekomplex als «Durchgangslager» vor allem für luxemburgische, belgische, französische und niederländische Häftlinge zu ferneren Konzentrationslagern. Aufgegeben wurde er im März 1945.

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