Impfen allein reicht nicht: Vorsitzende der Hausärzte für «2G plus Maske»

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Ein Aufkleber an einer Glastür weist auf die 2G-Regel hin. Foto: Daniel Reinhardt/dpa/Symbolbild

MAINZ. Impfen allein bricht die vierte Welle der Corona-Pandemie nicht – sagt die Vorsitzende der Hausärzte in Rheinland-Pfalz. Es brauche noch mehr. Auch um eine heftige Grippewelle zu verhindern.

Die Vorsitzende des rheinland-pfälzischen Hausärzteverbands, Barbara Römer, fordert eine Impfpflicht für medizinisches Personal. «Die Menschen denken, sie sind im medizinischen Bereich geschützt, und dann springen da Ungeimpfte rum», sagte Römer der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. Die niedergelassene Medizinerin plädiert zudem im gesamten öffentlichen Raum für «2G (geimpft und genesen) plus Maske», vor allem wegen anderen Viren. Die Influenza etwa sei im vergangenen Jahr wegen der Maske ausgefallen.

Mit Impfen und Boostern (Auffrischungsimpfung) allein werde die vierte Welle der Pandemie nicht gebrochen, bedauerte Römer. «Das Grundübel ist die geringe Impfquote.» Deshalb sei es jetzt noch einmal notwendig, auch Kontakte zu reduzieren. «Keine Silvesterparty – und Weihnachten noch einmal im kleinen Familienkreis.»

Die Ärztin rät derzeit von größeren Veranstaltungen und Chorproben ab. Auch in Kletterhallen beispielsweise sei das Risiko erhöht. 90 bis 95 Prozent der 18 bis 30-Jährigen, die mit einer Corona-Infektion in die Praxen kämen, seien ungeimpft. Die übrigen seien auf großen Veranstaltungen gewesen.

Nachdem die über 70-Jährigen per Brief zur Booster-Impfung aufgefordert wurden, seien «die Praxen kollabiert», es habe mehr als 1.500 Anrufe und 300 E-Mails an einem Tag gegeben, berichtet die Verbandsvorsitzende. «Das müssen wir jetzt peu à peu abarbeiten». Es sei hilfreich, dass die Impfzentren wieder aufmachen könnten, «denn es rollt in den Praxen gerade eine massive Infektionswelle».

Diese Erkältungsinfekte seien – wegen der ausgefallenen Saison im Vorjahr – bei vielen besonders langwierig und heftig. «Und die Influenza ist noch nicht da.» An der Grippe stürben aber jedes Jahr rund 20.000 Menschen, «und die sind vorher stationär».

Vielen Anrufern in den Praxen sei auch nicht klar, dass ihre zweite Impfung mindestens vor sechs Monaten gewesen sein muss. Die Praxen priorisierten beim Boostern und frischten zunächst die Impfungen von Menschen 70 plus auf, sowie von immunsuprimierten Patienten, medizinischem Personal und Menschen, die zuerst mit Johnson & Johnson geimpft worden sind. «Mit den Altenheimen sind wir durch.»

Die Ansage aus Berlin, alle ab 18 Jahren zu boostern und zwar jetzt, «macht unheimlich viel Druck und Stress und blockiert die Praxen», kritisierte Römer. «Das Zeitfenster ist sechs bis neun Monate nach der zweiten Impfung.» (dpa)

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