Flutopfer und Polizist: Buch-Erfolg über Ahrtal-Hochwasser

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Andy Neumann mit seinem Buch „Es war doch nur Regen!?“ über die Hochwasserkatastrophe. Foto: Thomas Frey/dpa/Archivbild

BAD NEUENAHR-AHRWEILER. «Papa, wir haben das Meer am Haus»: Andy Neumann erlebt mit seiner Familie die Flutkatastrophe im Ahrtal. Darüber schreibt der Polizist, Musiker und Krimiautor ein Buch. Was sagt er dazu?

Andy Neumann, Flutopfer, Terrorbekämpfer und Hobbymusiker, hat mit seinem Buch «Es war doch nur Regen!?» über die Hochwasserkatastrophe im Ahrtal einen Überraschungserfolg gelandet. «Wir gehen schon in die sechste Auflage», teilt der Gmeiner-Verlag mit. Neumann, Polizist beim Bundeskriminalamt (BKA) in Meckenheim bei Bonn, und sein Verlag wollen die genaue Gesamtauflage des als Printbuch vergriffenen «Protokolls einer Katastrophe» – so der Untertitel – nicht nennen. Der Beamte sagt aber: «Es ist eine ordentliche fünfstellige Zahl.» Er sei überrascht: «Wer rechnet damit, dass er einen Bestseller schreibt?» Der Erlös fließe in mehrere soziale Projekte im Ahrtal.

Auf rund 150 Seiten beschreibt Neumann die Unglücksnacht auf den 15. Juli im Ahrtal, als dort eine extreme Sturzflut 134 Menschen getötet hat, und den folgenden Ausnahmezustand bis zum 15. August. Eigene Betroffenheit, unverblümte Alltagssprache und Humor mögen zum Bucherfolg beigetragen haben.

Neumann lebt mit Frau und zwei kleinen Kindern in einem Haus in Bad Neuenahr-Ahrweiler, wo ihn nachts die Flut überrascht. Er hat nach eigenen Worten Todesangst – vor allem «um meine Familie». Am Folgetag hört Neumann seiner Erinnerung nach von seinen Kindern den Satz: «Papa, wir haben das Meer am Haus.»

Der 46-jährige Beamte im Anti-Terror-Bereich beschreibt sich zunächst als ««part of the game» (Teil des Spiels), einen, der die Hebel selbst ein gutes Stück in Bewegung setzt». Der bei ersten Meldungen über Hochwasser am 14. Juli cool bleibt im eigenen Haus – 200 bis 300 Meter entfernt von der Ahr. Doch dann steigt das Wasser in der Nacht immer weiter, bis fünf Treppenstufen unter dem ersten Obergeschoss.

«Die Geräusche, der Gestank, die Bilder, alles zutiefst unwirklich, scheußlich, tief ins Mark hinein, sich festbeißend. Fenster krachen ein, irgendwas hämmert von draußen gegen die Südwand (Autos. Es waren, wie sich später herausstellt, insgesamt fünf), ein Mann schreit um Hilfe und wird das bis in den Morgen hinein tun», schreibt Neumann. Die Familie rettet sich in den oberen Teil des Hauses.

Es folgt eine Schilderung des Kampfes mit Schlamm und Zerstörungen, Versicherungen und Behörden. Die Familie kommt im Ferienhaus eines Winzers unter, die eigenen vier Wände müssen entkernt und getrocknet werden. Neumann will trotz allem im Ahrtal bleiben und freut sich über die große Solidarität schier unzähliger Helfer. Als BKA-Kollegen einen sinnvollen Einsatzort für Hilfe suchen, «habe ich nicht gezögert, die Speerspitzen der Verbrechensbekämpfung in die tiefsten Jauchegruben der Nachbarschaft zu lotsen», schreibt der Beamte, der zuvor schon einen Thriller über einen Serienmörder veröffentlicht hat. Sein neues Buch über die Ahrflut stelle er gelegentlich bei Lesungen vor – mit eigenem Gitarrenspiel und Gesang, berichtet er. (dpa)

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