Ein Jahr für versierte Winzer: Mosel-Weinwerbung stellt Erntebilanz vor – Export steigt

0
Herbst2021_Calmont; Foto: Chris Marmann

TRIER. Das Jahr 2021 weckt bei vielen älteren Winzerinnen und Winzern Erinnerungen an frühere Jahrzehnte: Es war deutlich kühler und nasser, mit einem deutlich späteren Vegetationsstart und einer späteren Lese als in den Vorjahren. Vor allem die sehr nasse Witterung in Frühjahr und Sommer bescherte den Winzern viel Arbeit im Weinberg und sorgte mit Pilzerkrankungen für eine kleinere Erntemenge als 2020. Was an Niederschlägen in den Jahren 2018 bis 2020 fehlte, gab es in diesem Jahr im Übermaß bis hin zu Schäden durch Starkregen und Hochwasser. Auch in der Lese zeigte sich der Jahrgang anspruchsvoll und erforderte viel Geduld sowie einen hohen Selektionsaufwand. Viele Weingüter starteten erst in der zweiten Oktoberhälfte in die Ernte der spät reifenden Rieslingtrauben, die bis in den November hinein andauern wird.

Während die meisten Erzeuger die Aromatik der Trauben sehr positiv bewerten und überwiegend fruchtige und spritzige Weine erwarten, fällt die Bewertung der Erntemenge sehr unterschiedlich aus. Die Bandbreite ist enorm: Von sehr guter Ausbeute bis hin zu fast totalem Ausfall reichen die Aussagen. „2021 war die Vegetationsphase insgesamt schwierig, sie war gekennzeichnet von feuchter Witterung und erhöhtem Krankheitsdruck – ein Jahr für versierte Winzer“, sagte Henning Seibert, seit September Vorsitzender des Moselwein e.V., in der Herbstpressekonferenz im VinoFORUM in Ernst bei Cochem.
Die erste Ernteschätzung beläuft sich auf rund 780.000 Hektoliter, wie der Vorstand der Mosel-Weinwerbung berichtete. Das sind rund 50.000 Hektoliter weniger als im Vorjahr, aber mehr als der zehnjährige Mittelwert von rund 740.000 Hektolitern. Die Ertragsrebfläche beträgt rund 8.500 Hektar, insgesamt sind im Anbaugebiet Mosel fast 8.700 Hektar bestockt. Mehr als 90 Prozent der Ernte machen die weißen Sorten mit rund 711.000 Hektolitern aus. Von den roten Sorten kommen 70.000 Hektoliter in die Keller.

Geprägt wurde die Vegetation in den Weinbergen in diesem Jahr von Infektionen mit dem Falschen Mehltau (Peronospora), die infolge der nassen Witterung schon früh einsetzten und sich im Verlauf des Sommers stark ausbreiteten. Auch Oidium (Echter Mehltau) trat zeitweise verstärkt auf. Der Arbeitsaufwand für den Pflanzenschutz und Laubarbeiten war infolge der hohen Niederschläge und der Pilzkrankheiten sehr groß. Vor allem die Bio-Betriebe standen beim Pflanzenschutz vor einer kaum zu bewältigenden Aufgabe. Sie müssen meist sehr hohe Ernteausfälle verkraften.

Die Vegetationsphase der Reben begann im Vergleich zu den warmen und trockenen Vorjahren sehr spät. Der Austrieb war Anfang Mai, die Blüte Mitte Juni und damit etwa zwei Wochen später als 2020. Ein Vorteil des späten Austriebs war, dass es an der Mosel kaum Frostschäden gab, die im April in anderen Weinregionen, vor allem in Frankreich, für große Einbußen sorgten. Hagelschäden traten an der Mosel vereinzelt lokal auf. Den späteren Vegetationsstart konnten die Reben im Laufe des weitgehend nassen und relativ kühlen Sommers nicht mehr aufholen. Entsprechend begann die Traubenlese mit den früh reifenden Sorten größtenteils auch erst Ende September, während in den Vorjahren teils schon ab Anfang September geerntet wurde.
Der September und Oktober boten längere trockene Phasen mit Sonne, das Wetter blieb aber weiter unbeständig und es gab immer wieder Niederschläge und teils sehr kühle Nächte, so dass die Reifeentwicklung nur langsam voranschritt. Die Rieslinglese begann an der Terrassenmosel am 4. Oktober, während die Winzer weiter südlich an der Mosel um den 10. Oktober starteten, viele Betriebe auch erst in der zweiten Oktoberhälfte. Der spät reifende Riesling konnte dieses Jahr seine Stärke ausspielen und wird bei einigen Weingütern noch bis in den November geerntet werden.

Die phänologischen Daten 2021 liegen im Bereich der Werte, die vor 20 bis 30 Jahren üblich waren. Angesichts dieser Witterung waren in diesem Jahr die „alten“ Spitzenlagen mit Südausrichtung – in denen es in den vergangenen Jahren oft zu heiß und zu trocken war – wieder besonders begünstigt.

Das Mostgewicht liege beim Riesling bei durchschnittlich 80 Grad Oechsle, berichtete der Vorstand der Mosel-Weinwerbung im Herbstgespräch. In guten Lagen erreichte der Riesling aber auch 95 Grad Oechsle und dank Edelfäule sind auch Beerenauslesen möglich. Das Gros der Ernte liege aber im Bereich von 70 bis 90 Grad Oechsle. „Auf jeden Fall lässt sich in diesem Jahr wieder eine deutliche Unterscheidung nach Lagenklassen bereits beim Mostgewicht ausmachen“, stellte Stefanie Vornhecke, Winzerin in Senheim und Vize-Präsidentin des Weinbauverbandes Mosel, fest. Bernhard Weich, Winzer in Riol bei Trier und seit September neu im Vorstand der Mosel-Weinwerbung bestätigt das: Beim Riesling liegen die Mostgewichte bei gesunden Trauben bis 95 Grad Oechsle in guten Lagen, in den Nebenlagen erreichen wir die 80 Grad.“ Eine gute Pflege der Anlagen und Pflanzenschutz zum richtigen Zeitpunkt zahlten sich in diesem Jahr besonders aus.
„Charakteristisch für den Herbst 2021 waren die teils enormen Unterschiede zwischen den Weinbergen hinsichtlich des Ertrags, der Ausreifung und des Gesundheitszustands der Trauben. Viele Erzeuger nutzen die Möglichkeit einer negativen Vorlese, um eine bessere Ausreifung der Weinberge zu erzielen“, so Max Hendgen, neuer Geschäftsführer des Weinbauverbandes Mosel, in seinem Jahrgangsbericht.

„Weniger Menge wurde vor allem bei den Sorten Riesling, Spätburgunder und Dornfelder geerntet. Gute Mengen sind bei Elbling, Auxerrois und Weißburgunder zu verzeichnen“, berichtete Vorsitzender Seibert. Mit einem Ertrag von durchschnittlich 90 Hektoliter je Hektar war die Ausbeute bei der Hauptrebsorte Riesling insgesamt noch zufriedenstellend, wenn auch lokal und regional extrem unterschiedlich Auch Müller-Thurgau und Elbling als zweit- und dritthäufigste Sorten der Region sorgten mit durchschnittlich 110 hl je Hektar für gute Erträge. Bei den Burgundersorten liegen die Erträge im Gebietsdurchschnitt bei 80 Hektoliter je Hektar und einem durchschnittlichen Mostgewicht von 85 Grad Oechsle. Auch hier gab es sehr große lokale und regionale Abweichungen bei der Erntemenge. „Bei den roten Sorten entwickelte sich die Kirschessigfliege zum Problem“, so Max Hendgen. In kurzer Zeit entwickelten sich lokal starke Populationen des Schädlings und fielen vor allem über Dornfelder, teils aber auch über rote Burgundersorten her.

„Im Keller gären die Moste sauber durch, da die Nährstoffversorgung in diesem Jahr optimal ist. Die Säure ist spritzig, insgesamt wird ein feiner, klarer, moseltypischer Jahrgang erwartet mit viel Mineralität und etwas leichteren, vom Verbraucher geschätzten Alkoholgehalten“, so die Einschätzung von Henning Seibert. Der 2021er von Mosel, Saar und Ruwer wird überwiegend als Qualitätswein auf den Markt kommen. Mehr als 80 Prozent der Weine aus dem Gebiet werden jedes Jahr in diesem Segment verkauft. Dahingehend ist der 2021er Jahrgang marktgerecht. Bei den Prädikatsweinen von 2021 wird es vor allem Kabinett und Spätlesen geben, vereinzelt auch Auslesen.

Der Weinabsatz ist durch die Auswirkungen der Corona-Epidemie sehr unterschiedlich beeinflusst worden. Während im ersten Lockdown 2020 vor allem der Absatz im Lebensmitteleinzelhandel deutlich anstieg, pendelte sich der Absatz 2021 wieder auf dem Vor-Corona-Niveau ein. Gastronomie unter Hotellerie litten erneut massiv unter dem zweiten Lockdown, der auch den Tourismus wieder besonders schwer traf. Nach dem Lockdown sorgten das wechselhafte Wetter und die Folgen des Sommerhochwassers für eine durchwachsene Bilanz der Tourismussaison an der Mosel. Viele Direktvermarkter berichten dennoch von weiterhin sehr guten Verkäufen ab Hof sowie im Versand, schon im Sommer waren erste Partien des 2020ers ausverkauft. Auch die im ersten Lockdown eingeführten Online-Weinproben dürften hierzu beitragen.

Im Export verzeichnen Moselweine ebenfalls ein deutliches Plus. Hier machte sich unter anderem die Aufhebung der US-Strafzölle positiv bemerkbar. In der 12-Monats-Bilanz von Juli 2020 bis Juni 2021 stiegen die Ausfuhren von Moselweinen um fast 20 Prozent in Menge und Wert gegenüber dem Vorjahreszeitraum an, wie der Verband der Weinexporteure (VDW) errechnete. Der Durchschnittserlös ab Keller lag bei 4,06 Euro je Liter. Die exportierte Menge stieg in dem Zeitraum um 19,2 Prozent auf 195.690 Hektoliter. Der Wert der exportierten Moselweine kletterte um 19,3 Prozent auf 79,36 Millionen Euro. Damit erreichte der offiziell erfasste Export wieder rund ein Viertel der Produktionsmenge des Anbaugebietes. Die Daten beziehen sich ausschließlich auf weiße Qualitätsweine in Flaschen bis zu 13 Volumen-Prozent Alkoholgehalt. Nicht erfasst sind kleinere Ausfuhren, Weine mit höherem Alkoholgehalt, Rot- und Roséweine sowie Fassweine. Auch die privaten Einkäufe ausländische Urlauber und Kunden fließen nicht in die Exportstatistik ein.

Der Export in die USA – dem mit 45 Prozent der ausgeführten Weine wichtigsten Auslandsmarkt für Moselwein – verzeichnete in den genannten zwölf Monaten laut VDW ein Plus von 21,7 Prozent in der Menge und 7,7 Prozent im Wert. Die Volksrepublik China etablierte sich als zweitwichtigster Exportmarkt für die Mosel mit einem Mengenplus von 71,7 Prozent und einer Wertsteigerung von 109,8 Prozent. Damit überholte das „Reich der Mitte“ im Wert Norwegen und Kanada, die bislang in der Statistik vor China rangiert hatten und in der Menge jeweils noch die Plätze 2 und 3 belegen. Die Exporte nach Hongkong und werden gesondert aufgeführt. Diese beiden Destinationen gehören ebenfalls zu den wichtigsten internationalen Abnehmern von Moselweinen.

Starke Steigerungen der Mosel-Exporte wurden auch nach Norwegen, Großbritannien, in die Schweiz und nach Polen, Südkorea, Belgien, Litauen, Australien und Russland sowie Spanien verzeichnet. Die skandinavischen Länder haben sich seit vielen Jahren zu wichtigen Märkten für die Mosel entwickelt. Norwegen, Schweden, Finnland und Dänemark gehören zu den Top 11 in der Exportstatistik für Weine der geschützten Herkunftsbezeichnung Mosel. Fast 15 Prozent aller exportierten Moselweine werden in Skandinavien konsumiert. In Osteuropa sind neben Polen vor allem die baltischen Staaten wichtige Abnehmerländer, noch vor Russland. Die Niederlande sind der einzig bedeutende Exportmarkt, in dem die Mosel-Exporteure von Juli 2020 bis Juni 2021 deutliche Einbußen verkraften mussten.

Vorheriger ArtikelNach Wasserschaden: Alle fünf Gruppen zurück in der Feyener Kita
Nächster ArtikelGerolstein: “Lebenshilfe Wohngemeinschaften Eifel” freuen sich über doppelte Spende

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.