Auswirkungen auf Amokfahrt-Prozess? Staatsanwaltschaft beantragt Obduktion des Verstorbenen

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Foto: Oliver Dietze/dpa/Archivbild

TRIER. Nach dem Tod eines weiteren Opfers der Amokfahrt in Trier laufen nun Ermittlungen zur genauen Todesursache. Es sei zu prüfen, «ob die durch die Tat erlittenen Verletzungen ursächlich für das Versterben waren», teilte der Leitende Oberstaatsanwalt Peter Fritzen am Montag in Trier mit. «Hierzu hat die Staatsanwaltschaft Trier die Obduktion des Leichnams des Verstorbenen beantragt.» Am Freitag war ein 77-Jähriger, der bei der Amokfahrt am 1. Dezember 2020 schwer verletzt worden war, im Krankenhaus gestorben.

Der 77-Jährige hatte Monate um sein Leben gekämpft und war nach Angaben der Stadt Trier erst kürzlich aus der Reha entlassen worden. Sein größter Wunsch sei es gewesen, seine Frau (73), die bei der Amokfahrt getötet worden war, zu beerdigen, sagte Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD). Kurz nach der Beisetzung sei er wieder in die Klinik eingeliefert worden. Dort habe er sich nicht mehr erholt.

Bei der Amokfahrt vor fast elf Monaten waren fünf Menschen getötet worden. Zudem gab es viele Verletzte. Ein Mann war mit seinem Geländewagen durch die Fußgängerzone gerast und hatte gezielt Menschen angefahren. Als mutmaßlicher Täter steht seit dem 19. August 2021 ein Deutscher (52) vor dem Landgericht Trier. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm fünffachen Mord und versuchten Mord in 18 weiteren Fällen vor.

In der Anklage sei die Tat zum Nachteil des 77-Jährigen bereits Gegenstand – wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, teilte Fritzen weiter mit. Wenn rechtsmedizinisch ein Ursachenzusammenhang festgestellt werden sollte, müsse im Prozess entschieden werden, ob auch eine Strafbarkeit des Angeklagten wegen vollendeten Mordes in Betracht komme. Dazu brauche es keine neue Anklage, hieß es.

Nach dem Tod des 77-Jährigen sagte Leibe (SPD) am Montag: «Damit haben wir jetzt sechs Tote im Zusammenhang mit dieser Amokfahrt.» Er und die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sprachen der betroffenen Familie ihr herzliches Beileid aus. (dpa)

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