Kämpfernatur, Rollifahrer, Teamplayer: Adam Krapp aus Pluwig ist Lehrling des Monats

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Kammerpräsident Rudi Müller (r.) und Hauptgeschäftsführer Axel Bettendorf (l.) zeichnen Adam im neuen HWK-Bildungszentrum zum „Lehrling des Monats“ aus. Der Auszubildende freut sich über die Ehrenurkunde und einen kleinen Zuschuss zum Lehrlingsgehalt. Foto: © HWK Trier/Karl-Heinz Schwall

TRIER. Als Adam Krapp erfährt, dass die Handwerkskammer ihn zum „Lehrling des Monats“ ausgewählt hat, ist er ganz aus dem Häuschen: „Damit hätte ich im Leben nicht gerechnet! Ich freue mich sehr über diese Auszeichnung!“ Präsident Rudi Müller würdigte den angehenden Kaufmann für Büromanagement heute in der HWK.

Mit dem Titel ehrt die Kammer junge Persönlichkeiten, die in ihrer Ausbildung ein Vorbild für andere Lehrlinge sind. Und das ist der 23-Jährige Adam – wie kaum ein anderer!

Schon in der Kindheit lernt er, sich durchzukämpfen und eine enorme Herausforderung zu meistern: Adam kommt mit einer spastischen Zerebralparese auf die Welt. Sein Nerven- und Muskelsystem funktioniert nur eingeschränkt. Er kann sich nur im Rollstuhl fortbewegen und ist auf Hilfe angewiesen. Regelmäßig muss er zur Physiotherapie. Im Berufsalltag braucht er persönliche Assistenz.

Auch beim Sprechen benötigt Adam seine Zeit. Diese besonderen Lebensumstände halten ihn jedoch nicht davon ab, Karriere zu machen. Nach elf Jahren Förderschule startet er durch, wechselt auf die Moseltal Realschule plus, danach auf die Integrierte Gesamtschule in Trier. Mit dem Abitur in der Tasche sucht er nach einer passenden Lehrstelle.

Schon damals machen ihm Schreibarbeiten am PC Spaß, Word und Excel sind sein Ding. Das kommt ihm zugute, muss er doch im Leben vieles digital erledigen – von Schulaufgaben bis hin zu Förderanträgen, die im Zusammenhang mit seiner Einschränkung häufig anfallen.

Durch eine Stellenanzeige bei der Agentur für Arbeit wird der junge Mann auf die Ausbildung bei der HWK aufmerksam. „Neben dem Stellenprofil hat mich besonders das Leitbild der Kammer angesprochen“, erinnert er sich. „Denn dort wird der Teamgedanke großgeschrieben. Und ich bin gerne Teil eines Teams!“ Ein gutes Gespann waren Adam und sein jüngerer Bruder schon als Schüler beim Austragen von Werbezeitungen in ihrem Heimatdorf: „Die Blättchen haben wir in meinem Rollstuhl transportiert, und Artur steckte sie in die Briefkästen. So zogen wir zusammen durch Pluwig.“

Ein Teamplayer ist Adam auch im Umgang mit seinen Arbeitsassistenten von den Johannitern – meistens Lisa oder Marius. Sie gehen ihm im Büro zur Hand. „Da sage ich dann ganz oft ‚wir‘ anstatt ‚ich‘.“ Derzeit arbeitet Adam in der HWK-Wirtschaftsförderung. Serienbriefe und Tabellen zu erstellen, gehört zu seinen Lieblingsaufgaben: „Am liebsten schreibe ich Anlagenverzeichnisse, also Aufzeichnungen über das Anlagevermögen von Unternehmen.“ Sehr stolz ist er auf die Gestaltung einer Stellenanzeige im Kammerdesign inklusive Gruppenfoto des HWK-Azubiteams. In diesem Stil bewirbt die HWK jährlich auf Social Media den potenziellen Nachwuchs. „Für dieses Projekt habe ich viel Anerkennung erhalten“, freut sich Adam.

Der Lehrling im dritten Ausbildungsjahr wird in der HWK seinen Fähigkeiten entsprechend gefordert und gefördert: „Ich erledige meine Aufgaben so gut es geht und in meinem eigenen Tempo. Wenn ich helfen kann, ist das ein echt gutes Gefühl. Und eine Genugtuung, weil ich selbst so oft auf Unterstützung angewiesen bin.“ Am Ende liefert Adam in der Regel Top-Ergebnisse ab, denn hinter seinem optimistischen und offenen Wesen steckt ein kluger Kopf. Das beweist auch seine Zwischenprüfung mit der Note „sehr gut“.

Adam mag es, Neues zu lernen und den Dingen auf den Grund zu gehen: „Es ist wirklich faszinierend, wie eine Verwaltung und eine Kammer funktionieren. Wer wissbegierig und ausdauernd ist, sich weiterentwickeln möchte und gerne am PC arbeitet, dem empfehle ich eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement.“ Vor allem auch jenen, die in seiner Situation sind: „Macht Euren Weg und lasst Euch nicht davon abhalten, auf dem primären Arbeitsmarkt Fuß zu fassen!“, sagt Adam, der gerne Rap hört und bei den Trierer Dolphins Rollstuhlbasketball spielt. „Und wenn Ihr im Leben mal scheitert: Hauptsache, Ihr habt es probiert! Ich musste auch Niederlagen einstecken und bin immer wieder aufgestanden. Daraus habe ich gelernt. Schmiedet an Eurem Glück: Irgendwann funktioniert’s!“

 

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