Blauzungenkrankheit: Tierhandel aus Sperrzonen weiter eingeschränkt

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Eine Veterinärin impft beim Auftakt einer Impfaktion bei Rindern gegen die Blauzungenkrankheit ein Jungtier. Foto: Fabian Sommer/dpa

KOBLENZ. Die Blauzungenkrankheit beeinträchtigt den Handel mit Wiederkäuern wie Rindern aus Sperrzonen heraus. Das Land hat auch 2021 einen Nachweis dieser Tierseuche erlebt. Das hat jahrelange Auswirkungen.

Ganz Rheinland-Pfalz bleibt länger als erwartet Sperrzone wegen der von Bauern gefürchteten Blauzungenkrankheit. Grund ist eine neue EU-Rechtsänderung. Die für Menschen ungefährliche Tierseuche war in Rheinland-Pfalz bisher zum letzten Mal vor gut einem halben Jahr bei einem Rind in der Eifel ausgebrochen, wie das Landesuntersuchungsamt (LUA) in Koblenz der Deutschen Presse-Agentur mitteilt. Sperrzone bedeutet in diesem Fall, dass der Tierhandel – etwa mit Kälbern – aus diesem Gebiet heraus stark eingeschränkt wird.

Früher wurden diese Sperrzonen nach einem Krankheitsausbruch für zwei Jahre ausgewiesen und danach ohne neue Fälle der Tierseuche sowie bei Erfüllung weiterer Bedingungen wie negativer Untersuchungsergebnisse bei einer bestimmten Zahl von Tieren automatisch aufgehoben.

Nach der EU-Rechtsänderung reichte das Land Rheinland-Pfalz kürzlich bei der EU-Kommission ein sogenanntes Tilgungsprogramm beispielsweise mit Angaben zu Impfquoten und Untersuchungen bei Nutztieren ein, wie LUA-Referatsleiterin Juliane Pennecke erklärt. Die Prüfung zur Genehmigung dieses Programms in Brüssel könne sich hinziehen. «Das Tilgungsprogramm ist auf maximal sechs Jahre angelegt», sagt Pennecke. «Nach erfolgreichem Abschluss muss Rheinland-Pfalz bei der EU aber auch noch den Status der Freiheit von der Blauzungenkrankheit beantragen. Erst dann kann die Sperrzone aufgehoben werden.»

Ausnahmen für den Handel etwa von Kälbern aus der Sperrzone heraus seien gegenwärtig nur unter Auflagen möglich, etwa wenn die Tiere geimpft seien oder die Erregerfreiheit mit einer Untersuchung festgestellt werde. «Leider lag die Impfquote bei Rindern in Rheinland-Pfalz im Juli 2021 nur bei 38 Prozent», erläutert Pennecke. «Für das Tilgungsprogramm sieht die EU bei Rindern jedoch eine Quote von mindestens 90 Prozent vor.» Impfungen seien zwar aufwendig, es gebe von Land und Tierseuchenkasse aber insgesamt 1,50 Euro Zuschuss pro Rind, ergänzt die Tierärztin im LUA. «Wir empfehlen Betrieben, die Handel aus der Sperrzone heraus betreiben, immer eine Impfung.»

Nach einem Jahrzehnt ohne Seuche war die Blauzungenkrankheit 2019 erstmals wieder in Rheinland-Pfalz aufgetreten. In jenem Jahr wurde sie in sechs Betrieben im Bundesland nachgewiesen. Im Oktober 2020 folgte ein Fall im Kreis Trier-Saarburg und im Februar 2021 der Nachweis im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Die Tierseuche ist eine von Insekten übertragene Viruserkrankung mit Fieber. Bei Rindern, Schafen und Ziegen können sich Schleimhäute entzünden und in seltenen Fällen Maul und Zunge blaurot färben. (dpa)

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