Maßschuh-Manufaktur möbelt gratis Schuhe von Flutopfern auf

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Martin Stoya von der Firma shoedoc arbeitet an einem Schuh eines Flutopfers. Foto: Uli Deck/dpa/Archivbild

BADEN-BADEN. Die Opfer der Flutkatastrophe haben viel Solidarität erfahren. Eine besondere Aktion hat sich eine Maßschuh-Manufaktur in Baden-Baden ausgedacht.

Feucht, schlammverkrustet, Reißverschluss kaputt oder Sohle aufgelöst – ein Betrieb in Baden-Baden kümmert sich seit einiger Zeit um kaputte und vom Wasser ruinierte Schuhe von Opfern der Flutkatastrophe und repariert sie kostenlos. Die Aktion sei sehr gut angekommen und der Bedarf groß: «Manchmal kommen 10 bis 15 Paar Schuhe pro Tag hier an», erzählt Matthias Vickermann, Geschäftsführer der Maßschuh-Manufaktur Vickermann & Stoya.

Die Idee, den vom Hochwasser heimgesuchten Menschen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen auf diese Weise zu helfen, sei ihm gekommen, weil er selber Freunde habe, die von dem Unglück betroffen waren. Vor fünf Wochen startete er die Gratis-Aktion auf seinem Online-Shop Shoedoc. Über den können Kunden aus ganz Deutschland ihre Schuhe nach Baden-Baden einsenden und reparieren lassen – gratis ist es für die Menschen in den Hochwassergebieten.

Vor allem orthopädische Schuhe oder solche mit Übergröße würden eingeschickt – «also solche, die man nicht im nächsten Laden um die Ecke bekommen kann, sondern auf die die Betroffenen dringend angewiesen sind». Auch stabile Wanderschuhe der Flutopfer hätten seine Mitarbeiter wieder aufgemöbelt – «einfach damit die Leute, die alles verloren haben, ein vernünftiges Paar unter den Füßen haben». Überprüft wird die private Absenderadresse – aber ausgenutzt worden sei die Gratis-Aktion bislang kein einziges Mal.

Geputzt, poliert, genäht und geklebt werden die Schuhe dann wieder verpackt und zurückgeschickt. «Wir arbeiten nicht einfach mit Tupfer und Kleber, sondern bringen die so in Ordnung, dass sie wieder richtig lange halten.» Belohnt werden sein Team und er mit seitenlangen Briefen, überschwänglichem Dank per E-Mail oder auch mal einer Postkarte mit Bildern von der jeweiligen Stadt, wie sie vor dem Hochwasser aussah. Viele Schicksale seien ihm an die Nieren gegangen, erzählt Vickermann. «Wir wollten Flagge zeigen.» (dpa)

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