Wohnraum zu teuer – Mainz will neuen Stadtteil

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Blick auf die Mainzer Neustadt im Nordwesten der Stadt. Foto: Peter Zschunke/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

MAINZ. Es fehlt an bezahlbarem Wohnraum für alle. Ab 2025 wird in der zuletzt schnell gewachsenen Landeshauptstadt aber eine Entspannung der Lage erwartet. Bei künftigen Wohnvierteln soll vor allem der Klimaschutz beachtet werden.

Wegen der weiter steigenden Einwohnerzahl will Mainz für das kommende Jahrzehnt einen neuen Stadtteil in den Blick nehmen. «Wenn wir weiter eine wachsende Stadt sein werden, müssen wir jetzt schon Flächen an den Rändern von Mainz identifizieren, die sich nach 2030 für eine Wohnungsbebauung eignen», sagte Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD). Seit 2012 ist die Bevölkerung um acht Prozent auf 221.190 (2019) gestiegen.

In den nächsten ein bis drei Jahren stünden zwar noch keine Entscheidungen an. «Wir wollen aber die Voraussetzungen dafür schaffen, etwa mit der Bewertung der klimaökologischen Eignung von Flächen.» Die sogenannte Nachverdichtung auf bestehenden Wohnflächen, etwa die Bebauung von Innenhöfen, sei inzwischen an ihre Grenzen gestoßen und würde auch eine weitere Aufheizung der Innenstadt bedeuten, sagte der OB im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Auf die Frage, ob die Stadt genügend bezahlbaren Wohnraum für alle biete, antwortete Ebling: «Mainz ist auf einem guten Weg.» Laut einer Studie sei Mainz neben Münster die einzige Stadt mit einem Zuwachs beim sozial geförderten Wohnraum. «Wir haben uns auch richtig angestrengt, weil wir dem Wegfall der Sozialbindung von Wohnungen nach 20 oder teilweise 30 Jahren entgegenwirken müssen», erklärte Ebling. «Was dort jetzt wegfällt, wollen wir kompensieren.»

Mit Blick auf die demografische Entwicklung und die zunehmende Zahl von Single-Haushalten will die Stadt ihre Wohnungsbaustrategie weiterentwickeln. Der Ende Mai vorgelegte Wohnungsmarktbericht des Berliner Forschungs- und Beratungsinstitut RegioKontext habe dafür wichtige Anhaltspunkte gegeben, sagte Ebling. «Nach dem Bericht ist eine Entspannung der Wohnungssituation ab 2025 zu erwarten, noch deutlicher dann ab 2030.» Der Bericht gebe aber auch den Handlungsauftrag, nicht nachzulassen in den Bemühungen um bezahlbaren Wohnraum.

Dabei soll der Klimaschutz mehr beachtet werden als in vergangenen Jahrzehnten. «Bei jedem Bauprojekt ist zu überlegen, wie wir den ökologischen Fußabdruck kleiner machen können», sagte Ebling. «So werden wir etwa bei dem geplanten Projekt auf der Hechtsheimer Höhe mit einem neuen Wärmekonzept arbeiten.» Und die geplante Wohnsiedlung «Am Medienberg» profitiere von der Anbindung an die Straßenbahnlinie der Mainzelbahn und der Möglichkeit, diese Häuser mit Fernwärme versorgen zu können.

«Als westlicher Exponent des Rhein-Main-Gebietes», als Landeshauptstadt sowie als bedeutender Hochschul- und Medienstandort gehöre Mainz zu den überdurchschnittlich wachsenden Städten im Bundesgebiet, stellte der Wohnungsmarktbericht fest. Seit längerer Zeit befinde sich die Stadt daher auch in der Rangliste der deutschen Städte mit den höchsten Mietpreisen. «Es fehlen vor allem bezahlbare Wohnungen für unterschiedliche Einkommenssituationen und Lebenskonzepte.»

Die Stadt reagierte darauf mit verstärkten Bemühungen für den Wohnungsbau. Im Zeitraum von 2011 bis 2018 entstanden mehr als 6500 neue Wohnungen. Zwischen 2019 und 2025 sollen weitere 5500 neu hinzukommen. Der Bericht zeige, so erklärte damals Ebling, dass der Wohnungsbau «in den nächsten fünf Jahren nochmals an Fahrt aufnehmen» müsse. (dpa)

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