24 Millionen vom Bund – Mainzer Schloss wird saniert

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Die Eckseite der beiden Flügel des Kurfürstlichen Schlosses in Mainz, das demnächst mit Unterstützung des Bundes saniert werden soll. Foto: Peter Zschunke/dpa-Zentralbild/dpa

MAINZ. Historiker legen erstmals eine umfassende Darstellung zur Residenz der Mainzer Erzbischöfe vor. Das Gebäude mit seiner wechselvollen Baugeschichte soll mit Bundeshilfe saniert werden.

Wer herrscht und regiert, will die eigene Bedeutung in einer stattlichen Architektur zeigen. Dies zeige sich beim Kurfürstlichen Schloss in Mainz genauso wie beim Bundeskanzleramt in Berlin, sagt der Kunsthistoriker an der Uni Mainz, Matthias Müller. Er ist einer von neun Autoren und Autorinnen, die im Anschluss an ein wissenschaftliches Kolloquium vor fünf Jahren in einem soeben erschienenen Sammelband zum ersten Mal die Geschichte des markanten Gebäudes am Rhein umfassend aufbereiten.

Der Zeitpunkt für die Präsentation der historischen Ergebnisse, vorgelegt im Auftrag der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) Rheinland-Pfalz, könne kaum passender sein, sagt der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD). Nach dem bevorstehenden Auszug des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM) «wollen wir mit der Sanierung des Schlosses starten». Die Zusage des Bundes für eine finanzielle Unterstützung im Umfang von 24 Millionen Euro zeige, welche Bedeutung dem Bau auch überregional beigemessen werde. Nach der Sanierung soll das Schloss verstärkt als Ort für Kongresse und Tagungen genutzt werden.

Die Anfänge reichen ins Jahr 1478 zurück, als Erzbischof Diether von Isenburg nach einem Aufstand von Mainzer Bürgern eine Zufluchtsburg errichten ließ. Von dieser Martinsburg sind nur noch Abbildungen erhalten. Ab 1628, mitten im Dreißigjährigen Krieg, betrieb der Mainzer Erzbischof Georg Friedrich von Greiffenclau zu Vollrads einen Neubau der Burg mit drei Geschossen und vornehmen Repräsentationsräumen – nach den Forschungsergebnissen Müllers wohl nicht zuletzt unter dem Konkurrenzdruck des Trierer Fürstbischofs Lothar von Metternich, der ab 1615 eine neue Schlossanlage mit vier Flügeln errichten ließ. Trier habe Mainz unter Zugzwang gesetzt, erklärt Müller.

Für Empfänge, Audienzen und die Unterbringung von Gästen wurden viele Räume benötigt, was die Anlage von zwei langgestreckten Flügelbauten erklärt. In einer langen Bauzeit von 1628 bis 1752 entstand das heutige Gebäude in rotem Sandstein, mit charakteristischen Stilelementen der Renaissance und des Barocks. Dazwischen erstreckte sich der Schlossgarten, «mit Weinstöcken recht lieblich bepflanzt», wie es 1660 in einem Bericht von zwei reisenden Jesuiten aus den Niederlanden heißt.

Nach der Fertigstellung des Schlosses hatte der Mainzer Erzbischof nur wenige Jahrzehnte Freude an seiner Residenz. 1792/93 floh er vor den französischen Revolutionären und ihren jakobinischen Unterstützern in Mainz nach Aschaffenburg. Zehn Jahre danach wurde die weltliche Herrschaft des Kurfürstentums Mainz aufgehoben. Wie das Schloss dann zur «Guten Stubb» des Mainzer Bürgertums wurde, etwa mit Fastnachtssitzungen bis in jüngster Zeit, soll Ende Oktober in einem weiteren wissenschaftlichen Kolloquium betrachtet werden. (dpa)

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