Musikalisch-spirituelle Einstimmung auf das Benediktsfest – „Gregorianik plus Orgel“ in St. Matthias Trier

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Abt Ignatius Maaß mit der Statue des Hl. Benedikt vor der Matthias-Basilika Trier. Foto: Alexander Scheidweiler

Am morgigen Sonntag feiert die katholische Kirche das Fest des Heiligen Benedikt. Die Benediktiner-Mönche der Abtei St. Matthias in Trier stimmten schon gestern Abend mit einem besonderen Konzert auf das Fest ihres Ordensgründers ein.

Ein Bericht von Alexander Scheidweiler

„Gregorianik plus Orgel“ stand am gestrigen Freitagabend in der Trierer Matthias-Basilika auf dem Programm, ein besonderer Event, der bewirkte, dass das Kirchenschiff sich zum Beginn der Veranstaltung um 20.00 Uhr gut gefüllt hatte – jedenfalls soweit die coronabedingten Abstandsregeln dies zuließen. Geboten wurde eine Mischung aus lateinischen liturgischen Gesängen und Orgelkompositionen von fünf verschiedenen Komponisten – Johann Sebastian Bach, Antonio Soler, César Franck, Jan Křtitel Kuchař und Harold Britton, zu Gehör gebracht von Organist Gabriel Moll an der Berliner Schuke-Orgel der Matthias-Basilika.

Im Zentrum des Abends aber standen die lateinischen gregorianischen Gesänge, deren altüberlieferte Texte auf das morgige Fest des Begründers des abendländischen Mönchtums hinführten, dessen im sechsten Jahrhundert verfasste Ordensregel bis heute das Fundament der benediktinischen Lebensweise bildet: „Der Mann Gottes Benedikt ist voll des Geistes aller Gerechten gewesen; er selbst trete ein für alle mit klösterlicher Berufung“, so heißt es in den Chorälen, die von der fünfköpfigen Schola der Mönchsgemeinschaft sowie zwei Kantoren vorgetragen wurden.

Die Besucher lauschen der Schola der Mönche. Foto: Alexander Scheidweiler

Ganz allgemein seien die Melodien der Gregorianik hervorragend zur innerlichen Sammlung geeignet, so Abt Ignatius Maaß am Rande des Konzerts gegenüber Lokalo. Der gregorianische Choral bereite jedoch insbesondere die Mönche innerlich auf das Stundengebet vor, das den Tagesablauf und das ganze Leben der Brüder präge. Hier, im Stundengebet, nicht nur in der Eucharistie, vollziehe sich die Begegnung mit dem eigentlichen Einladenden, mit Jesus Christus, eine Begegnung, die frei mache von allen Ängsten und allem, was den Menschen bedrückt, so der Abt weiter. Auch der Umstand, dass Benedikt im Jahre 1964 von Papst Paul VI. zum Patron Europas erklärt wurde, sei in das Programm der Veranstaltung eingeflossen, so Abt Ignatius: Ganz bewusst habe Organist Moll fünf Komponisten aus fünf verschiedenen europäischen Ländern ausgewählt, um diesen Aspekt zu würdigen.

Die Verbindung „Gregorianik und Orgel“, der Wechsel des Gesangs der Schola mit Orgel-Melodien vom Barock bis in die Gegenwart, erwies sich als äußerst stimmig – musikalisch ein Vergnügen und spirituell inspirierend. Letzteres umso mehr, als Abt Ignatius zwischen den Chorälen immer wieder Verse aus der Benediktsregel herausgriff, erläuterte und dabei aufzeigte, dass die spätantike Weisheit des großen Heiligen auch im 21. Jahrhundert noch immer aktuell ist und Orientierung zu geben vermag: So prangte auf dem Programmheft ein Zitat aus dem vierten Kapitel der Regel – „Honorare omnes homines.“ Zu deutsch: „Alle Menschen ehren.“ Man müsse sich vor Augen führen, so Abt Ignatius hierzu, dass sich die Klostergründungen Benedikts in der Völkerwanderungszeit abgespielt haben, also in einer Zeit gewaltiger Migrationsbewegungen. Dabei habe Benedikt keinerlei Berührungsängste gezeigt und Menschen jeder Herkunft willkommen geheißen und in die Gemeinschaft aufgenommen. Auch Verse wie: „Willst du wahres und unvergängliches Leben, / bewahre deine Zunge vor Bösem und / deine Lippen vor falscher Rede“ seien in Zeiten von Hasskommentaren wohl wichtiger denn je.

Wie gut den Besuchern die gut einstündige, musikalisch-geistliche Einstimmung auf das Benediktsfest gefallen hatte, zeigte sich sowohl an dem langanhaltenden Applaus, mit dem sie Organist Moll bedachten, wie auch daran, dass manch einer nach der Veranstaltung auf dem Vorplatz der Basilika noch das Gespräch mit Abt Ignatius suchte.

Weitere Informationen über Gottesdienstzeiten in St. Matthias, Veranstaltungen etc. sowie der komplette Text der Benediktsregel finden sich auf der Homepage der Abtei.

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