Freibier für alle(s)?! Ein Kommentar zur Debatte um Impfanreize

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In den USA spendierte eine große Brauerei Geimpften zum Nationalfeiertag Freibier. Foto: dpa/Symbolbild

Das Diskursklima hat sich schnell gewandelt: Wurde vor kurzem noch über Bußgelder für Impfschwänzer diskutiert, werden jetzt mehr Anreize gefordert.

Von Alexander Scheidweiler

So viel großkoalitionäre Einigkeit war selten: Es ist gerade mal eine Woche her, da ließ der in der Pandemie allgegenwärtige SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, bekanntlich selbst von Haus aus Epidemiologe, verlauten, einen Impftermin ohne Absage verfallen zu lassen, sei „kein Kavaliersdelikt“. „Eine Geldstrafe zu nutzen, wäre ein wichtiges Signal“, so der SPD-Politiker. Thorsten Frei, stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, pflichtete Lauterbach bei: „Wer nur zu bequem ist, zum Hörer zu greifen oder mit wenigen Klicks einen Termin abzusagen, sollte für die angefallenen Ausfallkosten aufkommen müssen.“

Doch nur wenige Tage später hat das Diskursklima sich schon wieder grundlegend gewandelt. Die Zeiten sind schnelllebig. So macht beispielsweise der Vorschlag die Runde, das genaue Gegenteil einer Strafgebühr für Impfschwänzer einzuführen, und lieber jedem Impfling 100 Euro zu bezahlen, einfach als Dankeschön dafür, dass man sich hat impfen lassen. Das heiße Eisen Impfpflicht will in Wahlkampfzeiten sowieso kein Politiker anpacken – das könnte Stimmen kosten. Die AfD lässt wahrscheinlich die Sektkorken knallen, sobald jemand bei den Etablierten das böse Wort in den Mund nimmt.

Und so bringt ein prominenter Parteifreund von Frei, der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans, jetzt eine Lotterie ins Spiel: Er könne sich „eine Verlosung“ vorstellen, so der Regierungschef, „bei der unter den Impfbereiten beispielsweise ein Fahrrad, ein Fremdsprachenkurs oder ein anderer schöner Preis ausgegeben wird.“ Sprach’s und verknüpfte dies gleich mit der Forderung nach einem grundlegenden Kurswechsel in der Pandemiebekämpfung: „Ich glaube, wir müssen nach dem Sommer viel mehr als bisher auf die Krankenhausbelegung schauen, also auf die faktische Belastung unseres Gesundheitssystems, und weniger auf die Inzidenz“ (Lokalo berichtete).

Tatsächlich locken viele Länder ihre Bürger mit diversen Anreizen in die Arztpraxen und Impfzentren: Auch Polen möchte eine Impf-Lotterie einführen, bei der 30 Millionen Euro im Jackpot sein sollen. In Hongkong wird unter Impfwilligen eine Eigentumswohnung im Wert von 1,1 Millionen Euro verlost. Die russische Regierung verloste ebenfalls Wohnungen und Autos. Und in den USA spendierte der Brauerei-Riese Anheuser-Busch geimpften Amerikaner Freibier zum Unabhängigkeitstag – Präsident Biden nutzte die Gelegenheit und rief seine Landsleute auf: „Lasst euch impfen und trinkt ein Bier!“

Ist es mittlerweile zu viel verlangt, einfach aus Einsicht sich und anderen einen Gefallen zu tun? Anscheinend schon. Die neue Devise lautet wohl: Freibier für alle(s)!

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