++ AKTUELL: „Pleite-Welle“ in der Region: Insolvenzzahlen steigen heftig an – ein Überblick! ++

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Schild "Wir schliessen" - immer mehr Firmen in der Region müssen Insolvenz anmelden. Foto: dpa-Archiv

TRIER. Zur Jahresmitte 2021 wurde wieder detailliert das Insolvenzgeschehen der Region Trier von der Creditreform Trier unter die Lupe genommen.

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen bleibt im ersten Halbjahr 2021 bundesweit rückläufig. So gingen insgesamt 8.800 Unternehmen in Deutschland den Weg in die Insolvenz, ein Rückgang um 1,7 %. Eine Trendwende zeigt sich hingegen bei den Verbraucherinsolvenzen im ersten Halbjahr 2021, bundesweit schnellte die Zahl der Insolvenzen auf 46.000 Fälle, dies entspricht einem Anstieg um 62,9 %.

In der Region Trier wurden im ersten Halbjahr 2021, 67 Unternehmensinsolvenzen gezählt. Trotz der ausgesetzten Antragspflicht ist dies eine Steigerung von 34 %. Der Anstieg der Firmeninsolvenzen in der Region Trier spiegelt sich im Branchenbereich Handel wieder. Im ersten Halbjahr 2020 waren es lediglich 2 Firmen, im ersten Halbjahr 2019 8 Pleiten. 2021 sind im Handel, trotz der Regelungen zum Insolvenzschutz, 14 Firmen in Insolvenz gegangen. Ein leichter Anstieg verzeichnet sich bei den Insolvenzen in den Branchen Dienstleistung mit 45 Insolvenzen in 2021 (Vorjahr: 42) und Bau 6 Insolvenzen (Vorjahr: 5). Gleichbleibend zeigen sich die Zahlen im verarbeitenden Gewerbe 1 Insolvenz bisher in 2021 (Vorjahr: 1).

Aufgegliedert in die Kreise der Region Trier, zeigt sich der Anstieg insbesondere in Bitburg-Prüm mit einer Steigerung von 128 %. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im ersten Halbjahr 2021 steigt im Kreis Bitburg-Prüm von 7 auf 16. Im Kreis Vulkaneifel steigt sie um 100 %, von 3 auf 6 Insolvenzen in 2021. Der Kreis Bernkastel-Wittlich weist eine Steigung von 66,67 % aus, von 9 Insolvenzen in 2020 auf 15 in 2021. In der Stadt Trier erhöht sich die Zahl leicht um 6,67 %, auf 16 Unternehmensinsolvenzen im ersten Halbjahr 2021 (Vorjahr: 15). Im Kreis Trier-Saarburg sinkt die Zahl der Firmenpleiten um 12,50 % auf 14 Insolvenzen bisher in 2021 (Vorjahr: 16).

Vorrangig waren im ersten Halbjahr 2021 Insolvenzen von Kleinstunternehmen, in der Größenklasse bis maximal € 250.000,00 Jahresumsatz, betroffen. So steigt das von den Insolvenzen betroffene Umsatzvolumen um 6,77 % auf 16,97 Mio. EUR. Die Zahl der betroffenen Arbeitsplätze erhöht sich um 33,06 % auf 322 im ersten Halbjahr dieses Jahres an. Betroffene größere Unternehmen sind unter anderem die Firma KonRetail GmbH, Trier (2,05 Mio. EUR, 113 Mitarbeiter) sowie die Firma KPF Parkett & Fußboden GmbH, Bitburg (2,45 Mio. EUR, 14 Mitarbeiter).

Der bundesweite Anstieg der Verbraucherinsolvenzen zeigt sich auch deutlich in der Region Trier. Im ersten Halbjahr 2021 wurden in der Region Trier 381 Verbraucherinsolvenzen gezählt. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2020 mit 189 Privatinsolvenzen, entspricht dies einem starken Anstieg um 101 %.

Die Steigerung der Privatinsolvenzen im ersten Halbjahr 2021 war mit 129 % am stärksten in der Stadt Trier. Die Zahl der Insolvenzen erhöht sich damit auf 147 in 2021 (Vorjahr: 64). Gefolgt vom Kreis Bitburg-Prüm, 69 Privatinsolvenzen (Vorjahr: 32), ein Plus von 115 %, dem Kreis Vulkaneifel mit 30 Insolvenzen in 2021 (Vorjahr: 14), Anstieg um 114 % und dem Kreis Bernkastel-Wittlich, 58 Pleiten im ersten Halbjahr 2021 (Vorjahr: 27), mit ebenfalls 114 % Steigung. Die geringste Steigerung verzeichnet der Kreis Trier-Saarburg, hier erhöht sich die Zahl der Verbraucherinsolvenzen um 48 % mit 77 Insolvenzen in 2021 (Vorjahr: 52).

Es zeigt sich deutlich das der erhebliche Anstieg der Privatinsolvenzen im ersten Halbjahr 2021 sich insbesondere auf die Änderung des Verbraucherinsolvenzrechts zum Oktober 2020 zurückführen läßt. Die von der EU angestoßene Reform im Verbraucherinsolvenzrecht führt in Deutschland zu einer Verkürzung der Wohlverhaltensperiode von 6 auf 3 Jahre. Dies ist für die betroffenen Verbraucher eine wesentliche Verfahrenserleichterung, was aber gleichzeitig zu einem Dammbruch bei den privaten Insolvenzanträgen geführt hat. Die Corona Krise hat aufgrund der umfangreichen staatlichen Hilfsmaßnahmen zu keinen wesentlichen Effekten geführt. Diese dürften sich allenfalls langfristig einstellen.
Im Bereich der Unternehmensinsolvenzen wirken die staatlichen Corona-Hilfsmaßnahmen nach, insbesondere im Hinblick auf die Aufhebung der Insolvenzantragspflicht, welche bis Ende April 2021 griff.

Creditreform geht davon aus, dass die Unternehmens- aber insbesondere die Privatinsolvenzen im zweiten Halbjahr 2021 weiter ansteigen werden.

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1 KOMMENTAR

  1. Die Insolvenzzahlen bilden den Spiegel der Unternehmenspleiten doch nicht wieder.

    Überwiegen im Handel, Gastro – und Dienstleistungsbereich sind die Unternehmen Personen-geführte Unternehmer. Wenn dort eine Firma wegen der Pandemie schließt in welcher Statistik tauchen diese denn auf?

    Glaube keiner Statistik die Du selbst gefälscht hast.

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