Urteil verkündet: Triererin (81) um 50.000 Euro betrogen! „Oma-Betrüger“ muss hinter Gitter!

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Foto: Christian Stratenschulte / dpa-Archiv

Das Amtsgericht Trier – Jugendschöffengericht – hat in der mündlichen Verhandlung vom 08.07.2021 den Angeklagten wegen Betrugs zu einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren verurteilt. Zudem wurde die Einziehung des Wertersatzes des Tatertrags in Höhe von 50.000,00 € angeordnet.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte 2.000,00 € dafür erhielt, um einen Betrag von 50.000,00 € von einer zum Tatzeitpunkt 86-jährigen Frau in einem Seniorenheim abzuholen, die zuvor von einem weiteren unbekannten Mittäter, der sich als Polizeibeamten ausgab, dahingehend getäuscht worden war, ihr Geld sei wegen eines geplanten Einbruchs in Gefahr. Dadurch hat er sie veranlasst, das Geld aus ihrem Bankschließfach abzuholen und dem Angeklagten mitzugeben. Das Geld ist an weitere Mitttäter übergeben worden und konnte bislang nicht aufgefunden werden.
Das Gericht sah den Tatbeitrag des Angeklagten als so wesentlich an, dass die Tat für ihn als eigene zu betrachten sei, weswegen er als Mittäter und nicht lediglich als Gehilfe anzusehen sei.

Die angeklagten Merkmale der bandenmäßigen und gewerbsmäßigen Begehungsweise konnte das Gericht nicht feststellen, da insbesondere die Voraussetzung der Absicht einer wiederholten Tatbegehung nicht nachzuweisen war. Allerdings hat das Gericht das Regelbeispiel des besonders schweren Falls des Betrugs „Herbeiführung eines Vermögensverlusts großen Ausmaßes“ (§ 263 Abs. 2 Nr. 2 StGB) angenommen.

Das Gericht hat den zum Tatzeitpunkt 20-jährigen Angeklagten nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt, weil es auf Grund seines schulischen und beruflichen Werdegangs keine Reifeverzögerung feststellen konnte. Bei der Strafzumessung wertete das Gericht zu Gunsten des Angeklagte sein Teilgeständnis, die Tatsache, dass er nicht vorbestraft ist und seine im letzten Wort ausgesprochene Entschuldigung bei der Geschädigten. Strafschärfend wirkten sich das hohe Alter der Geschädigten, die erhebliche kriminelle Energie bei der Tatbegehung und die Tatsache, dass das Geld nicht mehr für eine beabsichtigte Herzoperation zur Verfügung stand, aus.

Mit dem Urteil entsprach das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte für eine Verurteilung lediglich wegen Beihilfe zum Betrug plädiert. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der Angeklagte verbleibt vorerst in Untersuchungshaft.

Sachverhalt nach der Anklage:

(Allgemeiner Hinweis: Der Inhalt der Sachverhaltsschilderung basiert auf der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft und spiegelt womöglich nicht den aktuellen Stand des Verfahrens wieder.)

Dem Angeklagten wird zur Last gelegt, am 10.06.2020 als Mitglied einer Bande durch Täuschung eine zum Tatzeitpunkt 86-jährige Frau um 50.000,00 € betrogen zu haben. Am 08.06.2020 habe die Geschädigte einen Anruf von einem bislang unbekannten Mittäter des Angeklagten erhalten, der sich am Telefon als Polizeibeamter ausgegeben habe. Er habe ihr mitgeteilt, dass es zu einem Einbruch in ihrer Nähe gekommen sei und sie auf einem Zettel der mittlerweile gefassten Täter als nächstes Opfer bestimmt sei. Damit habe er erreichen wollen, dass die Geschädigte glaube, ihr Vermögen sei in Gefahr. Diesen Eindruck habe der unbekannte Mittäter in der Folgezeit in mehreren weiteren Telefonaten bekräftigt. Dadurch habe der unbekannte Mittäter die Geschädigte veranlasst, einen Geldbetrag von 50.000,00 € aus ihrem Bankschließfach zu entnehmen. Diesen habe sie dann absprachegemäß dem Angeklagten übergeben, dem der gesamte Sachverhalt bekannt gewesen sei. Dieser habe das Geld dann zu weiteren Mittätern verbracht.

Weitere Informationen:
Der Tatverdacht ist auf den Angeklagten gefallen, da der angeklagte Vorfall Gegenstand der Fernsehsendung Aktenzeichen XY ungelöst war und nach der Ausstrahlung der Sendung Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen sind. Das in der Sendung gezeigte Überwachungsvideo der vor dem Seniorenheim installierten Kamera war auch Gegenstand der mündlichen Verhandlung.

Das Vorgehen im hiesigen Fall entspricht dem weit verbreiteten Betrugsphänomen des „falschen Polizeibeamten“. Hierbei handelt es sich um ein ähnliches Phänomen wie bei dem sogenannten „Enkeltrick“ oder dem „Teppichbetrug“.

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