Brüderkrankenhaus Trier verbessert Diagnose seltener Lungenerkrankungen

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Arbeiten Hand in Hand: Der Pneumologe Dr. Christian Kaes und die Radiologin Dr. Inge Mühlenhoff. Foto: Brüderkrankenhaus Trier

TRIER. Für sich genommen tritt jede einzelne von ihnen eher selten auf, doch da es mehr als 100 verschiedene von ihnen gibt, sind interstitielle Lungenerkrankungen (ILD) durchaus weit verbreitet. Im Lungenzentrum des Brüderkrankenhauses Trier geht man diesen seltenen Erkrankungen auf den Grund und tauscht sich hierzu in einem eigens etablierten ILD-Board mit Experten unterschiedlicher Abteilungen sowie niedergelassenen Ärzten aus. Für die Patienten erhöht das die Chance auf eine frühzeitigere Diagnose und zielführende Therapie.

Sie betrifft vor allem Männer jenseits der 60, die regelmäßig Tabakprodukte konsumieren oder sich das Rauchen erst nach vielen Jahren wieder abgewöhnt haben. Die Erkrankung sorgt für starke Vernarbungen des Lungengewebes, die sich nicht mehr rückgängig machen lassen. Mehr noch: Die idiopathische Lungenfibrose, kurz IPF, an der hierzulande rund 16.000 Menschen leiden, geht mit einer geringeren Lebenserwartung einher als manche Tumorerkrankung.

Es sind Erkrankungen wie diese, mit denen Chefarzt Dr. med. Christian Kaes und sein Team im Lungenzentrum des Brüderkrankenhauses Trier immer wieder konfrontiert werden. Gemeinsam ist ihnen, dass sie allesamt vergleichsweise selten auftreten und deshalb häufig spät oder erst gar nicht diagnostiziert werden. „Um die richtige Diagnose zu stellen, braucht es eine besondere Expertise und Erfahrung auf diesem Gebiet“, erklärt Dr. Kaes, der zu diesem Zweck gemeinsam mit dem von Chefarzt Prof. Dr. med. Winfried A. Willinek geleiteten Zentrum für Radiologie, Neuroradiologie, Sonographie und Nuklearmedizin ein ILD-Board etablierte. In dieser Expertenrunde treffen sich, einer Tumorkonferenz vergleichbar, Ärztinnen und Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen, um gemeinsam Befunde zu besprechen und die für den jeweiligen Patienten individuell am meisten Erfolg versprechende Therapie abzustimmen. Bei den regelmäßigen Sitzungen sind neben Pneumologen wie Dr. Kaes auch Radiologen wie Oberärztin Dr. med. Inge Mühlenhoff sowie spezialisierte Rheumatologen und bei Bedarf auch Pathologen vertreten.

„Das ILD-Board ist insbesondere auch ein Angebot an niedergelassene Kolleginnen und Kollegen, die bei der Diagnose ihrer Patientinnen und Patienten Rat suchen, um wirklich sichergehen zu können, welche Erkrankung vorliegt“, berichtet Dr. Kaes. Zu den Erkrankungen, die im Rahmen des ILD-Boards besprochen werden, zählt auch die Sarkoidose, die sowohl akut als auch chronisch verläuft und zu Gewebeveränderungen führt. Da sie am häufigsten in der Lunge auftritt, sind meist Lungenfachärzte gefordert. Tückisch: Ihre Symptome wie Reizhusten oder belastungsabhängige Atemnot sind eher unspezifisch oder können auch auf andere Erkrankungen wie etwa eine Herzschwäche hindeuten. Ist die Diagnose gestellt und wurde bereits eine eingeschränkte Lungenfunktion festgestellt, lässt sich mithilfe kortisonhaltiger Medikamente zumindest die akute Sarkoidose noch gut ausheilen. Geringer sind die Heilungschancen hingegen bei einer fortgeschrittenen chronischen Form dieser entzündlichen Erkrankung.

Umso wichtiger sei es, solchen und anderen interstitiellen Erkrankungen möglichst frühzeitig auf den Grund zu gehen und diese zu behandeln, um zumindest deren weiteres Fortschreiten zu verhindern, unterstreicht Dr. Kaes. Dies sei heute dank besserer diagnostischer Optionen, etwa in der Bildgebung, sowie neuartiger therapeutischer Ansätze möglich, betont der Chefarzt, der sich darüber freut, dass das von ihm geschaffene Angebot des ILD-Boards gerade auch bei niedergelassenen Fachärzten auf positive Resonanz stößt und damit vielen Patientinnen und Patienten zugutekommt.

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