Zunehmend gilt „GGG“: Treffen und Gastronomie – Corona-Beschränkungen lockerer

Am Anfang der Pandemie standen die AHA-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske) - bald ergänzt durch das L für Lüften. Mit dem Impffortschritt gegen das Coronavirus und dem Ausbau der Teststationen gilt zunehmend GGG.

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Symbolbild "Gastronomie" Foto: dpa

MAINZ. Geimpft, Genesen oder Getestet: «Mit den 3-G-Regeln in den Sommer» – so hat Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) die Lockerungen der Corona-Regeln ab diesem Freitag (2. Juli) angekündigt.

Die Öffnungsschritte seien auch ein Signal an Kinder, Jugendliche und Familien, die besonders unter der Pandemie gelitten hätten. So entfallen Tests für Kinder bis einschließlich 14 Jahren – außer in der Schule. Clubs und Diskotheken mit «guten Lüftungsanlagen» können wieder öffnen. Ein Überblick:

KONTAKTBESCHRÄNKUNGEN: Bis zu 25 Menschen aus verschiedenen Haushalten können sich wieder treffen. Ob Geburtstag, Hochzeit oder einfach so: Private Feiern sind mit bis zu 100 Gästen möglich. Dabei gilt innen die 3-G-Regel, also Zutritt nur für Geimpfte, Genesene oder Getestete.

VERANSTALTUNGEN: Konzerte, Festivals, Sportevents, Kulturveranstaltungen, Volks- und Weinfeste sind wieder möglich. Innen mit bis zu 350 Menschen, draußen mit bis zu 500. Dabei gilt Innen die 3-G-Regel oder Maskenpflicht. Der Mainzer Weinmarkt beispielsweise könne mit Vorausbuchungen und Testpflicht funktionieren, wenn es ein Konzept in Zusammenarbeit mit der Stadt gebe, sagte Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD).

GROßVERANSTALTUNGEN sind auch wieder möglich, aber nur, wenn die Inzidenz unter 35 liegt und es feste Plätze gibt. Dabei kann drinnen und draußen maximal die halbe Kapazität der Stätte genutzt werden.

Maximal 5000 Zuschauer gilt dabei als Limit für Außenveranstaltungen ohne feste Plätze – also etwa auf Festplätzen oder in Parks. Veranstaltungen mit mehr als 5000 Teilnehmern können in Abstimmung mit örtlichen Behörden zugelassen werden.

CLUBS UND DISKOTHEKEN: Nach vielen Monaten dürfen sie wieder öffnen. Voraussetzung sind gute Lüftungsanlagen und die 3-G-Regel. Bis zu 350 Besucher sind erlaubt.

SPORT und LAIENKULTUR/PROBEN sind drinnen und draußen wieder in einer Gruppe von bis zu 50 mit Trainer möglich. Geimpfte und Genesene zählen nicht mit.

SERVICEMITARBEITER in Gastronomie, Hotellerie, im Handel und bei Friseuren können auf die Maske verzichten, wenn ein tagesaktueller negativer Test vorliegt.

GASTRONOMIE: In der Innengastronomie entfällt jetzt auch die Testpflicht und die Reservierungspflicht. In Hotels ist die Vorlage eines negativen Tests nur noch bei der Anreise nötig und nicht mehr alle 48 Stunden.

MUSEEN, GALERIEN und ZOOS: Test- und Reservierungspflicht wird auch für diese Einrichtungen abgeschafft.

KIRCHEN: Singen im Gottesdienst ist wieder möglich, allerdings soll es auf ein Minimum beschränkt werden. Wie dieses Minimum aussieht, entscheide der Pfarrer, sagte Hoch.

FAHRSCHULE: Die Maske kann während der Fahrstunden weggelassen werden, wenn Fahrer und Schüler damit einverstanden sind. Dann gilt die Testpflicht.

BORDELLE können mit negativem Test für Kunden und Mitarbeiter wieder öffnen. Es gilt die Kontaktnachverfolgung.

IMPFEN: Statt der üblichen 110.000 Impfdosen für die 32 Impfzentren werden nächste Woche rund 192.000 erwartet. Auf der Warteliste stehen nach Darstellung von Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) nur noch 35.000 Menschen. «Wir sind viel besser vorangekommen als erwartet.» Noch immer gebe es mehr Impfwillige als Impfstoff, die Warteliste beginne aber kleiner zu werden und der Zeitpunkt für eine Registrierung im Impfpool des Landes sei günstig. Dreyer und Hoch appellierten an alle, sich zwei Dosen verabreichen zu lassen. Die Impfkampagne der Landesregierung werde im Sommer noch einmal hochgefahren, kündigte Dreyer an.

Bis September sollen alle ein Impfangebot erhalten haben, sage Dreyer. Dann werde es auch einen anderen politischen Ansatz geben, und die Verantwortung Stück für Stück wieder an die Bürger übertragen. «Denn wir greifen in die Grundrechte der Menschen ein.»

DIE DELTA-VARIANTE wird nach Einschätzung des Virologen der Unimedizin Mainz, Bodo Plachter, auch in Rheinland-Pfalz und in Europa vorherrschend werden. Die Variante sei deutlich ansteckender und führe häufiger zu Krankenhauseinweisungen. Es gebe aber keine Hinweise, dass die Menschen schwerer erkrankten – dies gelte auch für Kinder und Jugendliche, die in der Regel keine schweren Symptome entwickelten. Zahlen aus Großbritannien zeigten, dass sowohl der Impfstoff von Astrazeneca als auch jener von Biontech/Pfizer sehr gut vor einer schweren Erkrankung auch mit der Delta-Variante schützten. Allerdings gelte auch weiterhin: «Die Impfung allein schützt nicht vor einer Infektion und der Weitergabe des Virus.» Es gebe Hinweise, aber keine gesicherten Daten, dass sich das Krankheitsbild unterscheide und die Sterblichkeitsrate niedriger sei.

SCHULEN: Der flächendeckende Einsatz von Lüftungsanlagen ist nach Einschätzung des Chef-Hygienikers der Universitätsklinik, Wolfgang Kohnen, nicht notwendig. «Frische Luft ist das Beste.» Er blicke «sehr optimistisch in die Zukunft»: Die Menschen hätten die Hygieneregeln gelernt und könnten sie auch ohne Vorschriften anwenden, zudem steige die Impfrate.

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