Ehrgeiziges Projekt in Trier: Energiebunker für die Klimawende

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Der Hochbunker am Augustinerhof und sein Nebengebäude ist als Standort für eine Nahwärmezentrale mit Blockheizkraftwerken im Gespräch. Foto: Presseamt Trier

TRIER. Der Hochbunker als Energiezentrale für das Viertel zwischen Augustinerhof und Viehmarkt: Das ist wohl das ehrgeizigste Projekt im Energetischen Quartierskonzept Trier-Innenstadt.

Die Verfasser des Abschlussberichts gehen von einer weiteren Verringerung des CO2-Ausstoßes um 60 Prozent bis 2050 aus.

Für den unter Denkmalschutz stehenden Weltkriegsbunker auf dem Augustinerhof gab es schon viele Nutzungskonzepte. Der Vorschlag aus dem Energetischen Quartierskonzept Trier-Innenstadt (EQTI) gehört sicher zu den innovativsten: In dem Hochbunker und seinem Nebengebäude soll Nahwärme und Strom für die umliegenden öffentlichen Gebäude erzeugt werden. Matthias Gebauer, Klimaschutzmanager im Rathaus und einer der Verfasser des Abschlussberichts erklärt: „Meist stellt sich bei innerstädtischen Nah- wärmenetzen das Problem einer möglichst nahen Heizzentrale. Mit dem ehemaligen Luftschutzbunker steht hier aber ein geeignetes Gebäude zur Verfügung.“

Das Rathaus, das Theater, das Humboldt-Gymnasium, die Europahalle mit dem zugehörigen Hotel und die Viehmarkt-Therme könnten sich zu einem Wärmenetz zusammenschließen. Dazu müssten im Nebengebäude, dem so genannten Flachbunker, mehrere Blockheizkraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung betrieben werden. Der Hochbunker selbst wird in diesem Szenario nur zur Abführung der Abgase genutzt. Als Energiequelle kommt Biogas aus der Eifel in Betracht. „Die Gelegenheit für einen solchen Schritt ist günstig, da das Heizsystem im Rathaus ohnehin überaltert ist, beim Theater eine Generalsanierung ansteht und das HGT erweitert werden soll“, sagt Gebauer. Das -Einsparpotenzial durch den „Energiebunker“ wird auf 8600 Tonnen CO2 pro Jahr geschätzt. Er würde die beiden schon bestehenden Nahwärmenetze des Mutterhauses und der Vereinigten Hospitien ergänzen.

Einjähriger Diskussionsprozess

Das Energiekonzept für das südwestliche Innenstadtquartier wurde vom Landesumweltministerium und der KfW-Bank gefördert und entstand in einem gut einjährigen Diskussionsprozess. Nach der Auftaktveranstaltung mit rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus dem Stadtviertel stand die Bestandsaufnahme des aktuellen Strom- und Wärmebedarfs und die Potenzialermittlung für ein energieeffizienteres und klimafreundlicheres Quartier auf dem Programm. Bei weiteren Workshops im November und Dezember und im Zusammenspiel mit Kommunalpolitikern im Arbeitskreis Klima und Energie wurden Szenarien und darauf abgestimmte Maßnahmen entwickelt. Daraus entstand der Abschlussbericht, den Professor Christoph Menke vom Kompetenzzentrum Solar an der Hochschule Trier jetzt im Baudezernatsausschuss vorstellte.

Neben den Nahwärmenetzen sollen Gebäudesanierungen, der Ausbau von Photovoltaik und Solarthermie sowie eine stärkere Nutzung von Wärmepumpen dazu beitragen, dass klimaschädliche Emissionen bis 2050 weiter deutlich gesenkt werden. Matthias Gebauer betont: „Im Quartier wurde bereits viel erreicht: Zwei Nahwärmenetze mit Biomethan versorgen schon heute Mutterhaus und Vereinigte Hospitien nahe zu CO2-neutral. Eine weitere Verringerung um 60 Prozent ist besonders für ein dicht bebautes Quartier mit einem hohen Anteil denkmalgeschützter Gebäude ein sehr gutes Ergebnis.“

Zur Umsetzung des Energiebunkers und weiterer Projekte wird im EQTI die Einstellung eines Sanierungsmanagers vorgeschlagen. Für eine zunächst auf drei Jahre befristete Stelle dürfe die Stadt auf einen Zuschuss in Höhe von 95 Prozent der Personalkosten hoffen. Außerdem regen die Autoren Menke, Gebauer und Achim Hill von der Energieagentur Region Trier einen Raum-Wärme-Plan für ganz Trier an. Darin sollen auf einzelne Stadtteile und Quartiere zugeschnittene Konzepte zur Wärmeversorgung entwickelt werden.

(Quelle: Rathaus Zeitung / Ralph Kießling)

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