Auch in Trier – Höhere Nachfrage nach Nachhilfe in Corona-Zeiten

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ernen während der Corona-Pandemie © picture-alliance/dpa

TRIER. Im Distanzunterricht in der Corona-Pandemie sind bei Schülern teils große Wissenslücken entstanden. Daher ist der Run auf Nachhilfe derzeit groß. Nicht jede Familie kann sie sich leisten.

Vor allem gefragt ist Mathe. Aber auch Deutsch, Englisch oder Latein. Schon vor Corona hätten sich zunehmend Schüler zur Nachhilfe angemeldet, sagt der Geschäftsführer des Instituts Schülerhilfe Trier, Marcel Monz. Aber mit der Pandemie sei die Nachfrage in Trier noch mal deutlich gestiegen. «Viele Kinder haben Riesenlücken. Das wird sie noch mehrere Jahre beschäftigen.» In seinem Lerninstitut unterrichten und unterstützen bis zu 50 Kräfte Schüler von der Klasse 1 bis 13 – plus Studenten.

Auf um die 30 bis 40 Prozent schätzt der Landeselternsprecher in Rheinland-Pfalz, Reiner Schladweiler, die Wissenslücken, die sich bei Schülern im vergangenen und in diesem Schuljahr angesammelt hätten. «Nicht bei allen, aber doch bei vielen.» Er vermutet, dass inzwischen jedes fünfte Kind Nachhilfe bekommt. Wie diese Lücken aufgefangen werden könnten? Das sei ein Thema, «dass wir im Land möglichst schnell angehen müssen».

Er denkt dabei an einen großen Tisch, an dem Bildungsministerium, Schulen, Lehrer und Eltern an einem «Rundumschlag» arbeiten sollten. «Es wird nicht einfach, aber wir brauchen Lösungen, um nach den Sommerferien voranzugehen», sagt Schladweiler in Temmels (Kreis Trier-Saarburg). Eine Option sei das freiwillige Wiederholen eines Schuljahres. Aber auch mehr Geld für Lehrkräfte oder Bildungsgutscheine für finanziell schwache Familien, um Nachhilfe zu bezahlen, seien sinnvoll.

Letztes sieht der Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE) kritisch. «Die finanziellen Spritzen brauchen wir für mehr gut ausgebildetes Personal und multiprofessionelle Teams», teilt die Sprecherin des Verbandes in Mainz mit. Den Lehrern sei bekannt, dass die Pandemie bei vielen Schülern zu Lernrückständen geführt habe. «Und genau die wissen am besten, wie die Rückstände wieder aufgeholt werden können.»

Die von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) zugesagte eine Milliarde Euro für Nachhilfe sei «eine Bankrotterklärung des Bildungsministeriums», teilte der VBE weiter mit. «Das Problem wird hier erneut deutlich: Dem eigenen, gut ausgebildeten Personal wird nicht vertraut, sondern ein Programm nach dem anderen vor die Füße geworfen.» Seit Jahren gebe es neue Programme, statt Geld in die Hand zu nehmen und in Planstellen zu investieren.

Bei der Schülerhilfe Trier bekommen die Kinder aber jetzt schon Hilfe. «Ich versuche jedem, auch ohne Wartezeiten, direkt den Einstieg zu ermöglichen», sagt Monz. Bisher habe das auch geklappt, auch wenn mal der ein oder andere Tag ausgebucht sei. Er habe 16 Unterrichtsräume im Institut, aber derzeit gehe alles online. Je nach Vertragslänge koste bei ihm eine 45-minütigen Stunde 7,50 Euro.

In vielen Fällen seien auch die Eltern dahinter: Wenn sie im Homeoffice arbeiteten und nebenbei zwei oder drei Kinder beim Homeschooling unterstützten, stießen sie teils an ihre Grenzen. «Dann sagen sie zu den Kindern: „Wir ermöglichen dir Unterstützung, da kannst du alle Fragen stellen und bekommst Unterstützung – und wir können unsere Arbeit machen“», erzählt er. Das Institut setze auf Unterricht in kleinen Gruppen mit individueller Betreuung.

Der hohe Bedarf an Nachhilfe werde «mit Sicherheit noch länger bestehen», sagt Landeselternsprecher Schladweiler. «Aus einem einfachen Grund: Weil das Land nicht so schnell alles auffangen kann. Wo sollen denn die viele Lehrer herkommen?» Allerdings könne sich nicht jede Familie private Nachhilfe leisten. «Gerade wenn man mehrere Kinder hat: Wie soll man das finanzieren?» Diese Entwicklung könne nicht «im Sinne eines Sozialstaates» sein.

Die kleineren Unterrichtsgruppen hätten auch die Schulen jetzt im Wechselunterricht als «Lerngewinn» entdeckt, teilt der VBE mit. Die Lehrkräfte hätten besser auf die Bedürfnisse jedes Einzelnen eingehen können. Zudem gebe es auch anderes Positives: Die Schülerinnen und Schüler lernten derzeit andere Dinge als in «regulären» Zeiten. Und: Generell habe die Eigenständigkeit der Schüler zugenommen.

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