Etliche Termine bereits vergeben – Vermehrte Nachfrage für Kirchenaustritte

0
Symbolbild; Foto: dpa

TRIER.Der Umgang mit Missbrauch oder der verwehrte Segen aus Rom für homosexuelle Paare: Jüngst hat es viel Kritik an der katholischen Kirche gegeben. Städte melden derzeit eine höhere Nachfrage nach Terminen für Kirchenaustritte.

Viele Katholiken in Rheinland-Pfalz kehren derzeit der Kirche den Rücken. Es gebe gerade vermehrt Nachfragen nach Terminen, um den Austritt aus der Kirche zu erklären, teilt die Stadt Kaiserslautern mit. Es seien bereits etliche Termine für den April und auch schon für den Mai vergeben, sagt eine Sprecherin des Rathauses. Auch in Ludwigshafen heißt es: «Es rufen sehr viele Leute an. Deutlich mehr als früher.»

Der Sprecher der Stadt Koblenz sagt: «Die Nachfrage nach Termine ist sehr hoch: Die Kirchenaustritte im Januar und Februar waren deutlich höher als (in den Vergleichsmonaten) in 2020.» In Mainz habe man auch das Gefühl, dass es mehr als sonst klingele. Und auch Trier spricht von «sehr vielen Abrufen von Personen, die einen Termin zum Kirchenaustritt vereinbaren wollen».

Wenn jemand aus der Kirche austritt, muss er dafür keinen Grund angeben. Es komme aber immer wieder vor, dass sich Menschen vor Ort doch äußerten: Dabei hätten manche jüngst den Umgang der Kirche mit den Missbrauchsskandalen angegeben – oder die Haltung der Kirche zu gleichgeschlechtlichen Paaren, hieß es aus Trier. Vielen gehe es aber auch nur darum, die Kirchensteuer zu sparen.

Fakt ist: Die Debatte um den Umgang im Erzbistum Köln mit der Aufklärung von sexuellem Missbrauch und das Nein des Vatikans zum Segen von homosexuellen Paaren – beides hat bei vielen Gläubigen zu Unmut, Kritik und Unverständnis geführt. Die römische Glaubenskongregation hatte Mitte März klargestellt, dass die Kirche nicht befugt sei, homosexuelle Paare zu segnen.

Erst wenige Tage zuvor hatten Juristen ein vom Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki in Auftrag gegebenes Gutachten zum Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Missbrauchsvorwürfen vorgestellt. Die Gutachter warfen mehreren Verantwortungsträgern des Erzbistums Pflichtverletzungen vor.

Es gebe Menschen, die schon länger über einen Austritt aus der Kirche nachdenken, sagt der Sprecher der Reformbewegung «Wir sind Kirche» in der Diözese Trier, Hanspeter Schladt, in Neuwied. Wenn dann Enthüllungen zum Thema Missbrauch oder der verwehrte Segen für homosexuelle Paare hinzukomme, dann sei das für etliche «der Auslöser, dass man sich sagt: «So jetzt reicht es mir wirklich, jetzt trete ich aus»».

In der Stadt Mainz sind in den ersten 18 Tagen des Monats März 108 Menschen aus der katholischen Kirche ausgetreten. Das waren elf mehr als im selben Zeitraum des Februars, wie der Sprecher der Stadt sagte. Im Januar habe es insgesamt 80, im Februar 139 Austritte von Katholiken gegeben.

In Koblenz hatten vom 1. bis zum 22. März 70 Menschen die katholische Kirche verlassen. Im ganzen Januar waren es 70, im Februar 89, wie ein Sprecher der Stadt sagte. Im gesamten März 2020 dagegen seien es nur 31 gewesen.

In Kaiserslautern traten diesen Monat bis zum 23. insgesamt 18 Menschen aus der katholische Kirche aus. Im Januar waren es 17, im Februar 21 gewesen. In Ludwigshafen und in Trier werden Austritte aus der katholischen und aus der evangelischen Kirche nicht gesondert erfasst.

Die katholische Kirche hat schon seit längerem mit Mitgliederschwund zu kämpfen. Nach den im Sommer 2020 zuletzt vorgelegten Zahlen der Deutschen Bischofskonferenz gab es zum Jahreswechsel 2019/2020 noch 1,61 Millionen Katholiken in Rheinland-Pfalz. Das waren 2,4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Vorheriger ArtikelSüß-Alarm bei der Polizei: Eichhörnchen-Findelkinder gerettet!
Nächster Artikel1600 Studenten bei der Polizei: 25 Jahre «Campus Hahn»

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.