Deutlich weniger Straftaten im Saarland, aber mehr Tötungsdelikte

Die Corona-Pandemie wirkt sich im Saarland auch auf die Kriminalitätsstatistik aus: Polizei und Innenminister führen einen Rückgang bei den Straftaten darauf zurück. Es gibt aber auch Schattenseiten in der Statistik.

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Blaulicht auf einem Polizeiwagen; Foto: dpa

SAARBRÜCKEN. Im Saarland sind im Corona-Jahr 2020 deutlich weniger Straftaten als im Vorjahr verzeichnet worden: Die Zahl der Delikte sank um 8,5 Prozent auf 68 400. Das geht aus der polizeilichen Kriminalstatistik hervor, die Innenminister Klaus Bouillon (CDU) am Mittwoch vorstellte. Die Aufklärungsquote wurde um knapp 4 Punkte auf 57,8 Prozent verbessert. 

Der erfreuliche Rückgang der Straftaten sei «sicherlich der Pandemie geschuldet», sagte der Innenminister. «Weniger Mobilität, weniger Bewegung, weniger Straftaten», bilanzierte er. Auch die rückläufigen Zahlen bei Raubdelikten und Körperverletzung könnten damit erklärt werden, dass Geschäfte, Gaststätten und Freizeiteinrichtungen coronabedingt geschlossen gewesen seien, meinte Landespolizei-Vizepräsidentin Natalie Grandjean. Dies habe zu einer deutlichen Reduzierung der Tatgelegenheiten geführt.

Deutlich gestiegen seien allerdings die Fallzahlen bei den Straftaten gegen das Leben, die um 46,7 Prozent von 30 auf 44 Fälle stiegen. Dabei handelte es sich um elf Morddelikte, davon neun Versuche, 23 Totschlagsdelikte (davon 18 Versuche), acht fahrlässige Tötungen und zwei versuchte Schwangerschaftsabbrüche. Der Versuchsanteil sei laut Grandjean sehr hoch und von 46,7 auf 65,9 Prozent gestiegen. Ein möglicher Erklärungsansatz für die Steigerung sei, dass Delikte, die in der Vergangenheit oft als schwere Brandstiftung gewertet worden seien, von der Staatsanwaltschaft nun eher als Tötungsdelikte eingestuft würden.

Die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung erhöhte sich um knapp 24 Prozent von 713 auf 883 Fälle. Sorgen bereitet Bouillon zufolge der Bereich des sexuellen Missbrauchs von Kindern mit einem Anstieg von 116 auf 149 Fälle. Die Verbreitung kinderpornografischer Schriften wuchs von 136 auf 192 Fälle an.

Die Fallzahl bei der häuslichen Gewalt sank von 2790 auf 2739 Fälle. Dies sei auffällig, sagte Gerald Stock, Leiter der Direktion Kriminalitätsbekämpfung, weil dies der medialen Berichterstattung und den Rückmeldungen aus Frauenhäusern entgegenspreche. Doch offensichtlich kontaktiere nicht jede Frau in der Folge auch die Polizei, vor allem, weil insbesondere in Pandemiezeiten die Existenzängste groß seien. Gerade in diesem Bereich sei das Dunkelfeld sehr hoch: 85 Prozent der Delikte würden nicht oder erst Monate oder gar Jahre später angezeigt. Es sei durchaus möglich, dass die von den Hilfsorganisationen wahrgenommene Steigerung der Fälle erst in der nächsten Kriminalitätsstatistik auftauche.

Einen deutlichen Zuwachs verzeichnet die Statistik bei der Wirtschaftskriminalität (von 588 auf 689 Fälle), während der Bereich Cybercrime schrumpfte (von 5894 auf 4643). Als erfreulich bewertete die Polizei-Spitze, dass bei den Straftaten zum Nachteil älterer Menschen 96 Prozent im Versuchsstadium blieben. Darunter fallen Betrugsmaschen wie der sogenannte Enkeltrick. Bouillon führte dies auf die gute Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit zurück: «Das heißt, die ältere Generation ist aufmerksamer denn je.» Allerdings stieg die Schadenshöhe von knapp 250 000 Euro auf fast eine Million an – vor allem wegen zweier großer Fälle mit einem Schaden in Höhe von 200 000 beziehungsweise 500 000 Euro.

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