Gastgewerbe in Rheinland-Pfalz „fassungslos und entsetzt“

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Foto: dpa-Archiv

BAD KREUZNACH. Das rheinland-pfälzische Gastgewerbe hat die Verschärfung der Corona-Politik durch die jüngsten Beschlüsse von Bund und Ländern als „fatale Entscheidung“ kritisiert.

„Ich bin fassungslos und entsetzt darüber, dass die Politik jetzt nach über einem Jahr Pandemie wieder nur eine reflexartige Entscheidung trifft, die da lautet: Alles absperren und die Menschen einsperren“, sagte der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Rheinland-Pfalz, Gereon Haumann, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. „Es ist ein Multi-Organversagen der Politik auf allen Ebenen.“

Die Branche sei von Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) „maßlos enttäuscht, dass sie ihr Wort nicht hält und offensichtlich gegen besseres Wissen Hotellerie und Gastronomie über Ostern zugesperrt hält“, sagte Haumann weiter. Dabei gehe von Hotels und Gaststätten nachweislich keine Gefahr aus. Daher sei die von Gründonnerstag bis Ostermontag angeordnete Schließung der gerade erst mit strengen Auflagen geöffneten Außengastronomie Unsinn. „Entweder ist die Außengastronomie ungefährlich und dann ist sie das auch an Gründonnerstag, Karfreitag und Ostersonntag und gehört geöffnet“, sagte Haumann. Oder sie stelle eine Gefahr dar und gehöre geschlossen. Doch es sei bekannt, dass sich das Virus an der frischen Luft nicht so leicht übertrage. Viel gefährlicher sei es, wenn sich die Menschen heimlich in privaten Räumen träfen, wo sie sich vom Staat sicher wähnten.

Die Politik solle jetzt ehrlicherweise den Blick darauf richten, wo die Pandemie entstehe und sie dort bekämpfen: in der Privatsphäre, in der Kindertagesstätte, in der Schule und im Schulbus. Deshalb müsse „endlich jeder Klassenraum und jede Kindertagesstätte“ in Rheinland-Pfalz mit einer entsprechenden Lüftungsanlage ausgestattet werden, sagte er.

Scharf kritisierte der Dehoga-Präsident auch die Absicht der Landesregierung, das digitale Kontaktnachverfolgungssystem „Luca“ einzusetzen, falls es nach dem Herunterfahren des öffentlichen Lebens wieder zu einer behutsamen Öffnung in einigen rheinland-pfälzischen Modellregionen kommt. Damit verstoße die Regierung „gegen jede Wettbewerbsregelung“. Dabei gebe es die von einem Start-up in Mayen entwickelte App Intrada zur digitalen Kontakterfassung, die bereits seit Oktober eine fertige und marktfähige Lösung darstelle.

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