Ferschweiler lässt alte Hausnamen wiederaufleben

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FERSCHWEILER. Die Entstehung von Nachnamen begann in Italien und Frankreich bereits im 12. Jahrhundert. Langsam breitete sich diese Entwicklung nach West- und Mitteleuropa aus und war im Wesentlichen im 16. Jahrhundert abgeschlossen.

Vorher gab es nur Vornamen. Die Bewohner eines Hauses wurden umgangssprachlich nicht mit ihrem Familiennamen bezeichnet, sondern mit ihrem Hausnamen, der dem Vornamen jeweils vorangestellt wurde. Zudem kam es oft vor, dass der Name des Hauses auch etwas über die Nutzung des Gebäudes verriet. In Ferschweiler sind die alten Hausnamen jetzt sichtbar auf Plexiglasschildern an 105 Häusern angebracht, 112 sollen es am Ende sein, um die regionale Identität zu stärken und die Hausnamen wieder ins Gedächtnis der Menschen zu rufen. Auf den Schildern stehen jeweils der Namen des Hauses sowie die Erklärung zur Herkunft des Hausnamens, soweit bekannt. Beispielsweise ist der Hausname „Schull“ abgeleitet davon, dass dort der Sohn eines Lehrers wohnte.

Seit 2016 ist Ferschweiler Schwerpunktgemeinde, in einem Arbeitskreis entstand die Idee zu diesem Projekt, Erika Hinkes aus Ferschweiler setzte es um: „Viele Menschen kennen diesen Brauch nicht mehr, Häusern Namen zu geben. Mit den Schildern wollen wir sowohl den Einheimischen als auch den Besuchern diesen Brauch näherbringen, damit er nicht in Vergessenheit gerät.“ Den Naturpark Südeifel konnte sie sofort von der Idee überzeugen, denn er will im Rahmen vom Naturparkplan 2030 die regionale Identität stärker in den Mittelpunkt stellen. Der Naturpark förderte daher die schönen Plexiglasschilder, Erika Hinkes recherchierte gemeinsam mit der Gruppe „Ortsbild“ aus Ferschweiler die Namen der Häuser, deren Bedeutung und koordinierte die Anbringung der Schilder an den Häusern. Zusätzlich soll eine Karte inklusive eines QR-Codes vor dem Gemeindehaus aufgestellt werden, auf der Karte sind die Gebäude mit den Hausnamen verzeichnet. Nach dem Einscannen des QR-Codes mit dem Smartphone erscheint die Karte in digitaler Form auf dem Display. Auch Ortsbürgermeister Rudolf Schmitt findet die Idee alte Hausnamen wieder aufleben zu lassen gut: „Durch die Namen sind die Häuser nicht mehr anonym, sie machen jetzt die Geschichte des Ortes sichtbar für jeden und prägen das Ortsbild.“

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