Im Westen was Neues: Neue Autobahn GmbH – trotz Anlaufschwierigkeiten auf Kurs

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Ulrich Neuroth, Direktor der Niederlassung West der Autobahngesellschaft des Bundes hält im Schilderlager der Autobahnmeisterei ein Autobahnschild. Foto: Thomas Frey/dpa/Archivbild

Im Westen was Neues: Nun kümmert sich die Niederlassung West der neuen Autobahn GmbH um Baustellen in Rheinland-Pfalz, Hessen und im Saarland. Schnelleres Bauen und weniger Staus sind das Ziel. Manche Autofahrer verlieren trotzdem die Geduld und pöbeln Unschuldige an.

Mit anhaltender Personalsuche ist die neue Autobahn GmbH des Bundes mitten in der Corona-Krise zum Jahreswechsel auch in Rheinland-Pfalz, Südhessen und im Saarland an den Start gegangen. Der Direktor ihrer Niederlassung West, Ulrich Neuroth (62), spricht von ein paar Anlaufschwierigkeiten, sieht die privatwirtschaftliche Gesellschaft in seinen drei Bundesländern aber auf gutem Kurs.

So warteten manche Mitarbeiter noch auf ihren Computer, das bundesweite IT-System sei noch nicht komplett hochgefahren, und manche hiesige Standorte riefen nach mehr Betreuung ihrer digitalen Technik. Auch die Genehmigung von hunderttausenden Schwertransporten im Jahr sei der Autobahn GmbH sehr kurzfristig als Zusatzaufgabe übertragen worden. Wegen Corona habe es zudem einige Personalausfälle und Zwangspausen bei Baustellen gegeben.

Insgesamt sei der Start der größten Reform in der Geschichte der Autobahnverwaltung in seinem Bereich aber gut verlaufen, sagte Neuroth der Deutschen Presse-Agentur. «Wir sind auch zufrieden, wie der Wintereinbruch bewältigt wird.» Mehr als 820 Mitarbeiter seien mit gut 100 Schneepflügen im Einsatz.

Es geht bei der neuen Autobahngesellschaft um schnelleres Planen und Bauen, weniger Staus und mehr Informationen für Autofahrer aus einer Hand. Vor dem Jahreswechsel gab der Bund als Eigentümer nur das Geld für Autobahnen, während die Länder für Planung, Bau und Betrieb zuständig waren – und dies teils recht unterschiedlich umsetzten.

Rund 1360 Mitarbeiter sind für die neue Niederlassung West mit Hauptsitz in Montabaur im Westerwald tätig. Etwa 70 Fachkräfte werden laut Neuroth noch bis Ende 2021 gesucht: «Die Herausforderung ist relativ groß, qualifiziertes Technikpersonal zu finden.»

Etwa 1200 Mitarbeiter seien von den Straßenbauverwaltungen in Rheinland-Pfalz, Südhessen und im Saarland übernommen worden. Gezwungen worden sei niemand. In Rheinland-Pfalz seien nur fünf bis zehn Beschäftigte und im Saarland ein einziger Mitarbeiter formal in den Landesdiensten geblieben, in Südhessen dagegen um die 100, obwohl sie nun für die Autobahn GmbH arbeiteten. «Das lag vielleicht an reduzierter Kommunikation aufgrund der Corona-Pandemie. Im Laufe des Jahres 2021 ist aber noch ein Wechsel zu uns möglich», erklärte der Leitende Baudirektor Neuroth.

Direkt bei der privatwirtschaftlichen neuen Autobahn GmbH beschäftigte Straßenwärter verdienen nach seinen Worten 5,5 bis 6 Prozent und Ingenieure 3 bis 4 Prozent mehr. «Die anderen Mitarbeiter haben sich für den traditionellen öffentlichen Dienst entschieden», ergänzte Neuroth.

Die Niederlassung West betreut nach eigener Auskunft «mit gut 1500 Streckenkilometern derzeit das größte Autobahnbestandsnetz aller zehn regionalen Niederlassungen der neuen bundesweiten Gesellschaft mit 13 000 Kilometern». Zur Niederlassung West gehören eine in Montabaur integrierte Außenstelle, die drei hessischen Außenstellen Frankfurt/Gelnhausen, Wiesbaden und Darmstadt sowie eine weitere im saarländischen Neunkirchen. Hinzu kommen 22 Autobahnmeistereien.

Damit es weniger Staus gibt, sollen die mehr als 40 Verkehrszentralen aller Bundesländer enger zusammenarbeiten und in Frankfurt eine übergeordnete Zentrale entstehen. «Ziel ist zum Beispiel, telematisch gesteuerte Anlagen wie digitale Anzeigetafeln gebietsübergreifend zu vernetzen», erläuterte Neuroth. «Mittelfristig sollen kleinere Verkehrszentralen wie unsere in Koblenz und im saarländischen Rohrbach aufgelöst werden. Bei deren Besetzung mit Personal rund um die Uhr wollen wir Synergien ermitteln und nutzen.»

Eine große Herausforderung seien die vielen sanierungsbedürftigen Streckenabschnitte und Brücken vor allem aus den Sechziger und Siebziger Jahren. Die Niederlassung West ist für mehr als 2000 Brücken zuständig. Immer wieder Baustellen, immer wieder Staus: «Wir verlangen den Verkehrsteilnehmern schon viel ab. Aber was ist die Alternative?», fragte Neuroth.

Immer wieder würden Straßenwärter und Bauarbeiter von wütenden Autofahrern angepöbelt. «Das kann so weit gehen, dass wir für bestimmte Baumaßnahmen keine Angebote von Straßenbaufirmen bekommen», sagte Niederlassungsdirektor Neuroth. «Oder die Firmen werden teurer – das ist dann eine Art Schmerzensgeld.»

(Von Jens Albes, dpa)

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