Landwirte hoffen auf helfende Hände

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Foto: dpa-Archiv

RLP. Die Einreisebeschränkungen in der Corona-Krise stellen die Landwirte in Rheinland-Pfalz vor große Herausforderungen. Die Betriebe brauchen dringend Saisonarbeitskräfte. Ein Anfang ist immerhin gemacht. Die Agrarminister tauschen sich am Freitag bei einer Konferenz aus.

Einen Monat nach dem auf Bundesebene erzielten Kompromiss zur Einreise von Erntehelfern hofft die Landwirtschaft in Rheinland-Pfalz auf weitere Saisonarbeitskräfte etwa aus Rumänien. «Die jüngsten Maßnahmen haben schon gegriffen – auch für die Betriebe in der Pfalz, die vor dem Aufheben der Einreisebeschränkungen ja fast keine Saisonarbeiter hatten», sagte Andreas Köhr vom Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd.

Es sei eine leichte Entspannung eingetreten, «unabhängig von den Herausforderungen und Schwierigkeiten, die mit der Einreise verbunden sind», meinte Köhr. Ähnlich äußerte sich Barbara Wolbeck, Geschäftsführerin des Landwirtschaftlichen Arbeitgeberverbandes beim Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau. «Die Landwirte und Winzer haben die Lösung, Saisonarbeitskräfte per Fluglinien nach Deutschland einreisen zu lassen, sehr begrüßt», sagte sie. «Das Verfahren ist zwar sehr bürokratisch, was aber der aktuellen Lage geschuldet ist.»

Heute tauschen sich die Agrarminister von Bund und Ländern über Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Land- und Forstwirtschaft aus – weitgehend bei einer Videokonferenz. Persönlich in Saarbrücken wird neben dem Chef der Agrarministerkonferenz, Saar-Minister Reinhold Jost (SPD), auch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) sein.

Viele Saisonarbeitskräfte fürchteten sich vor Infektionen in Deutschland und würden von einer Reise absehen, meinte Wolbeck. Zudem würden sich viele Arbeitskräfte sorgen, dass sie im Heimatland nach Rückkehr unter Quarantäne gestellt würden. «Die Lage in Deutschland und somit in Rheinland-Pfalz wird angespannt bleiben», betonte sie.

Konkrete Zahlen würden auf regionaler Ebene nicht vorliegen, sagte Köhr. «Aber wir wissen, dass die Betriebe im Gemüse-, Obst- und Weinbau auch in den kommenden Monaten einen großen Bedarf an Saisonarbeitern haben.» Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) und Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatten sich Anfang April darauf verständigt, dass im April und im Mai je 40 000 Helfer aus Osteuropa einreisen dürfen – um Ernteausfälle zu verhindern. Bestimmte Ausfälle werde es aber geben, fürchtet Köhr. «Im Gemüsebau können nicht alle Flächen so bestellt und geerntet werden wie ursprünglich geplant», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. «Beim Spargel wissen wir schon, dass es weniger wird. Bei anderen Kulturen ist es schwer zu sagen, da die Saison erst begonnen hat. Es zeichnet sich aber ab, dass es nicht so wird wie in einem normalen Jahr.» Verbraucherpreise für Obst und Gemüse seien schwer vorherzusagen. «Wir wissen schlicht nicht, wie genau sich die Warenströme ändern. Der Absatz in der Gastronomie zum Beispiel ist durch die geschlossenen Restaurants deutlich zurückgegangen. Hier würden also Mengen für andere Absatzwege zur Verfügung stehen», sagte der Sprecher des Verbands Rheinland-Pfalz Süd. «Aber wie werden sich die Importe aus anderen Ländern verschieben? Das sind viele Unbekannte.»

Wolbeck begrüßt die Bereitschaft vieler Bürgerinnen und Bürger, bei der Ernte mitzuhelfen. «Da die hilfswilligen Menschen häufig ungeübt sind, können sie zumindest in den ersten Wochen die fehlenden Saisonarbeitskräfte nicht vollständig kompensieren.» Erfreut zeigte sie sich darüber, dass die Landwirte in der Regel auf die Gesundheit der Saisonarbeitskräfte achten und die Corona-Hygieneregeln einhalten. «Dieses Verhalten ist der Garant dafür, dass die aktuelle Sonderregelung für Saisonarbeitskräfte erst möglich war», meinte sie.

Dem Statistischen Landesamt zufolge hat Rheinland-Pfalz von allen Arbeitskräften in landwirtschaftlichen Betrieben unter den Bundesländern den höchsten Anteil an Saisonarbeitskräften. Im Durchschnitt 41 900 Helfer waren 2016 im Bundesland beschäftigt – die Daten werden nicht jährlich erhoben. Wein und Gemüsebau sind wichtige Branchen in Rheinland-Pfalz. 2017 erbrachten sie 34 beziehungsweise 17 Prozent des gesamten landwirtschaftlichen Produktionswertes.

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