Stadt erinnert: Trier im Handstreich erobert

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TRIER. In der Nacht zum 2. März 1945 rasselten, von Irsch kommend, Panzer und Halbkettenfahrzeuge durch die Straßen von Olewig. Zuvor waren bereits Filsch, Tarforst, der Petrisberg und weite Teile des Trierer Nordens erobert worden. Die Truppen gehörten zur 3. US- Armee des schillernden Generals George S. Patton jr. Der wollte nicht nur den strategisch wichtigen Moselübergang, sondern auch den Ruhm und die Ehre, Deutschlands älteste Stadt erobert zu haben.

Einnehmen sollte dieses Ziel die zur 3. US-Armee gehörende 10. Panzerdivision, die kurz zuvor die Saar überquert und in schweren Kämpfen Zerf eingenommen hatte. Von dort brachen Ende Februar und Anfang März insgesamt fünf „Task Forces“ (Kampfgruppen) der Panzerdivision auf, um die auf dem Weg nach Trier gelegenen Ortschaften, Höhen und schließlich Trier zu erobern.

Die erste amerikanische Einheit, die am Morgen des 28. Februar heutiges Trierer Stadtgebiet erreichte und Filsch und Tarforst eroberte, war die Task Force Haskell unter Führung von Major Warren Haskell. Die Kämpfe um die Galgenwild-Höhe bei Hockweiler und die Höhe Kuppensteiner Wild vor Filsch waren für die Amerikaner allerdings so verlustreich, dass Haskell nach der Eroberung der beiden Orte nur noch vier Panzer und fünf Schützenpanzer übrig hatte – zu wenig, um Trier anzugreifen. So groß waren die Verluste, dass Haskell Funker und Schreibstuben-Soldaten in den Kampf beorderte.

Aus den Resten seiner geschwächten Task Force formte er das Team Lang, das am 28. Februar von Tarforst aus den Petrisberg angriff. Dort befanden sich die Kemmelkaserne, das Kriegsgefangenenlager Stalag XIID und eine Luftabwehrstellung. Nachdem das Gelände bei Einbruch der Dunkelheit erobert war, rückte Team Lang nach Trier-Nord vor. Um vier Uhr am frühen Morgen des 1. März waren die Amerikaner in der eigentlichen Stadt Trier. Um 7.30 Uhr war der nördliche Teil bereits größtenteils in amerikanischer Hand. Kurze Zeit später griff die Task Force Norris, von Niedermennig kommend, Trier-Süd an, die Task Force Cherry riegelte Richtung Ruwer ab. Trier war weitgehend abgeschnitten. Um die strategisch wichtigen Moselbrücken zu erobern, waren die Reste der Task Force Haskell aber zu schwach.

Wichtige Ziele: Die Moselbrücken

Jetzt schlug die Stunde der Task Force Richardson. Deren Panzer, Halbkettenfahrzeuge, Lastwagen und Jeeps rollten am Nachmittag des 1. März in Zerf los und warteten an einer Kreuzung bei Lampaden weitere Befehle ab. Die kamen prompt und lauteten: Um 22 Uhr angreifen. Ziel: Die beiden Moselbrücken in Trier. Die amerikanische Einheit fuhr rund 30 Kilometer durch immer noch teilweise feindlich besetztes und stark vermintes Gebiet und erreichte von Lampaden über Obersehr, Ollmuth und Hockweiler vorstoßend, schließlich das heutige Trierer Stadtgebiet bei Irsch und rückte über Olewig weiter Richtung Innenstadt vor. Von den Kaiserthermen aus versuchte dann ein Trupp amerikanischer Soldaten unter dem Kommando von Hauptmann Omar Billet gegen 2 Uhr am frühen Morgen des 2. März die Kaiser-Wilhelm-Brücke in Besitz zu nehmen. Dieser Versuch scheiterte, die Brücke war am Vortag von der Wehrmacht gesprengt worden. Ein weiterer Trupp, angeführt von Lieutenant Colonel Riley, erreichte dann von der Kaiser-Wilhelm-Brücke aus dem Ufer folgend die noch unzerstörte Römerbrücke. Vom Brückenkopf in Trier-West wurden die amerikanischen Soldaten beschossen und erwiderten das Feuer. Auf Weisung Richardsons beorderte Riley dann die Unterleutnants Wilbur J. Beadle jr. und Alfred Hardrich mit Soldaten und Panzern über das antike Bauwerk. Die Amerikaner verhinderten, dass ein deutscher Major und fünf Soldaten doch noch die Brücke sprengten. Anschließend sicherten amerikanische Panzer den westlichen Brückenkopf und Pioniere entschärften die zwei Tonnen Sprengstoff in den Pfeilern.

Bereits um 10 Uhr des 2. März hatten die US-Soldaten bei der so genannten „Säuberung“ der Stadt 800 deutsche Soldaten gefangen genommen und ihr Hauptquartier vorerst im Hotel Porta Nigra eingerichtet, auf dem Hauptmann Robert Wilson die amerikanische Flagge hisste. Um 16 Uhr wurde Trier als erobert gemeldet. Allerdings: In heute zu Trier gehörenden Stadtteilen, wie beispielsweise Ehrang, kam es teilweise noch zu größeren Gefechten. Hunderte Tote forderten zudem Gegenangriffe deutscher Truppen im Raum Zerf und Lampaden, die die Amerikaner in Trier abschneiden sollten. Erfolglos.

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2 KOMMENTARE

  1. Deutschland wurde ab 1945 einigermaßen entnazifiziert (denazified / denazification) – aber nicht wirklich gründlich. Viele dieser „German Angst“ und „German megalomania“ -Gene und -Sippschaften sind heute erneut in Amt und Würden. Am deutschen Wesen soll die ganze Welt genesen.

    Katastrophalerweise wurde 1989 überhaupt nichts entstasifiziert. Nach dem Zerfall der Sovietunion haben die Amis ihr deutsches Protektorat fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel. Die Krumper wurde von der EU gerne aufgenommen und inzwischen ist das Krumperchen weggefressen. Das hätte die beste Kartoffel aller Zeiten nie geglaubt, dass man sie einfach wegfrisst. Die Schweine kriegen noch die Schalen und dann gute ewige Nacht, Krumper.

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