Solidarkarte für Trierer: Rabatte bis zu 50 Prozent möglich

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TRIER. Der Stadtrat kann heute einen Beschluss fassen, der für rund 11.000 Triererinnen und Trierer kurz vor den Feiertagen gleich mehrere gute Nachrichten bedeutet. Die Solidarkarte soll Beziehern städtischer Sozialleistungen Rabatte bis zu 50 Prozent bei zahlreichen Kultur-, Sport- und Bildungsangeboten bieten. Bis zur probeweisen Einführung ist aber noch etwas Geduld gefordert.

Die Beschlussvorlage geht auf einen im März 2018 vom Stadtrat angenommenen SPD-Antrag zurück. Die Umsetzung des Projektes in der Stadtverwaltung soll am 1. Januar 2020 beginnen und die neue Solidarkarte ab 1. April eingesetzt werden können. Um sie so unbürokratisch wie möglich zu gestalten und eine Diskriminierung der Nutzer zu verhindern, wird sie zusammen mit dem Leistungsbescheid direkt an die Berechtigten verschickt. Sie hat die Größe einer Kreditkarte und kann einfach aus dem städtischen Schreiben herausgetrennt werden.

Hauptziel der Solidarkarte ist, Menschen mit unterdurchschnittlichem Einkommen, darunter viele Familien mit Kindern, die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu erleichtern. Die Rabatte decken ein sehr breites Spektrum ab: 50 Prozent Ermäßigung gibt es auf Theaterkarten und bei Events, die die Messe- und Veranstaltungsgesellschaft (MVG) in der Arena, der Messe- und der Europahalle selbst organisiert.

In anderen Fällen ist der Rabatt mit einem konkreten Betrag beziffert: Drei Euro sind es im Stadtmuseum Simeonstift und in den Freibädern, zehn bei der Jahresausleihgebühr der Bibliotheken Palais Walderdorff und Weberbach. Bei den Stadtführungen der Trier Tourismus – und Marketing GmbH (TTM) gibt es zwischen sieben und zwölf Euro Rabatt für Erwachsene. Die Tuchfabrik beziffert ihre Ermäßigung auf rund 20 Prozent. Der gleiche Rabatt gilt bei den Kursen der Volkshochschule. Schon seit längerem bestehende Ermäßigungen sollen künftig auch Inhaber der Solidarkarte nutzen können.

Der Stadtrat entscheidet außerdem, ob Trier dem 2010 gegründeten Kulturloge-Bundesverband beitritt, der Kulturveranstalter dafür gewinnen will, Karten für Menschen mit niedrigem Monatsbudget kostenlos zur Verfügung zu stellen. Das Prozedere legt jede Kommune selbst fest. In der Regel können Inhaber der Karte telefonisch oder per E-Mail ihr Interesse bekunden. Dann wird geprüft, ob es Freikarten für alle gibt oder diese verlost werden. Die Datenbank zur Kartenverlosung wurde für die Kulturloge entwickelt und wird den Kommunen zur Verfügung gestellt. Im ersten Jahr ist die Mitgliedschaft kostenlos. Dann werden jeweils 50 Euro pro Jahr fällig. Um die Umsetzung des Kulturloge-Projekts in Trier soll sich die Kulturstiftung kümmern.

15.000 Euro Startkosten

In der seit dem Frühjahr 2018 intensiv geführten Debatte, für die eine eigene Arbeitsgruppe entstand, wurden anderem Details zum Test- und Erprobungsverfahren festgelegt. Dabei ist vorgesehen, ein Jahr nach dem konkreten Start der Rabatte, am 1. April 2021, mit einer Prüfung zu beginnen, wie stark die Angebote tatsächlich genutzt wurden und mit welchem Arbeitsaufwand in der Verwaltung die Karte verbunden ist. Die zunächst auch diskutierten ÖPNV- Rabatte gibt es in der ersten Phase der Solidarkarte noch nicht. Zunächst soll die Entwicklung der Tarife auf der Landesebene abgewartet werden. Die einmaligen städtischen Ausgaben für die neue Solidarkarte betragen 15.000 Euro, unter anderem für Druck und den Versand.

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2 KOMMENTARE

  1. Ich weiß nicht was ich davon halten soll. Leute , die Vollzeit arbeiten gehen, müssen immer und überall den vollen Preis zahlen, ob Kita-Gebühren, Steuern, Mieten. Wird mit so einer Solidarkarte nicht noch mehr Anreiz geliefert, NICHT arbeiten zu gehen? Ich kann verstehen, dass es für Wenigverdiener gilt. Menschen, die nichts dafür können, dass ihr Beruf so schlecht bezahlt wird.
    Die aufgezählten Institutionen werden aber auch nichts schenken, sie erhöhen einfach den Preis woanders, wo der Normalverdiener wieder zur Kasse gebeten wird. Soll das solidar sein?

  2. Finde ich eine sehr gute Idee: 15 000 Euro sind sogar für das arme Trier gut zu finanzieren und menschen mit niedrigem Einkommen können sich die alltäglichsten Dinge oft nicht mehr leisten. Wenn das Stadtmuseum Simeonstift mit der Stadt vereinbart hat, Armen 3 Euro Rabatt zu geben, ist das doch schön. Sogar wenn Normalverdiener dann vielleicht 1 Euro mehr bezahlen, was ich nicht glaube. Wie schlimm wäre es denn dieser eine Euro mehr für sie? VHS-Kurse können sogar helfen, später mehr zu verdienen, wenn man bei Niedriglohn und Überstunden überhaupt die Zeit dafür aufbringen kann. Und Stadtführungen haben sowieso eine reiche Zielgruppe: Touristen. Gerade so kurz vor Weihnachten freue ich mich über mehr Menschlichkeit und weniger Neid.

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