Weihnachtsbrauch der Mistelzweige hilft gestressten Bäumen

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Bernd Wüstneck // dpa

Sich zur Weihnachtszeit unter einem Mistelzweig zu küssen, soll ewige Liebe schenken. Dieser mal auf die Römer, mal auf nordische Germanen zurückgeführte Brauch hilft zumindest den Bäumen, die von der Halbschmarotzerpflanze befreit werden. «Die Misteln sind in Deutschland auf dem Vormarsch», sagt die Naturschutzreferentin Ann-Sybil Kuckuk beim Naturschutzbund (Nabu) Rheinland-Pfalz. Angesichts der Belastung durch Trockenheit seien Misteln vor allem für Obstbäume auf Streuobstwiesen ein zusätzlicher Stressfaktor.

«Die Erhöhung der Durchschnittstemperaturen mit langen Trockenphasen bedingt auch in Rheinland-Pfalz den Vormarsch der Laubholz-Mistel», erklärt eine Sprecherin des Umweltministeriums. Vor allem auf Streuobstwiesen mit unregelmäßiger Pflege könnten Misteln schnell überhand nehmen. Deshalb rufe das Umweltministerium dazu auf, im Spätwinter und zeitigen Frühjahr befallene Obstbäume zu beschneiden. Dabei sollten die mit Misteln befallenen Äste großzügig mit Schnitt ins gesunde Holz entfernt werden.

Eine zunehmende Ausbreitung von Misteln wird vor allem in der Pfalz und im Saarland beobachtet. Der Nabu bezeichnet die kugelförmige, immergrüne Lebenskünstlerin mit dem wissenschaftlichen Namen Viscum album als «eine zauberhafte Pflanze mit tückischen Folgen». Mit ihren Saugwurzeln entzieht sie dem Baum Wasser und Nährstoffe. Die Samen in den klebrigen Beeren werden von Vögeln wie der Wacholderdrossel verbreitet. Wärme unterstützt die Keimung der langsam wachsenden Pflanze, die nach etwa einem Jahr damit beginnt, den Wirtsbaum anzuzapfen.

Betroffen sind auch Kiefern. So musste ein Revierförster bei Bad Dürkheim nach Angaben des Umweltministeriums mehr als 1000 Bäume fällen lassen, wegen Misteln und Pilzbefall.

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