Gezwungene Verlängerung – wenn Urlauber am Strand festsitzen

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Wahr gewordener Albtraum: Die Insolvenz von Thomas Cook lässt Urlauber bangen. Wer sich aktuell im Ressort unter Palmen befindet, ist womöglich länger in den Ferien als geplant.

Mit der Insolvenz von Thomas Cook trifft es ein Traditionsunternehmen. Bereits 2012 schlitterte der Reiseveranstalter in finanzielle Schieflage. Damals konnte der Betrieb mit Hilfe von Investoren weitergeführt werden. Das hoffte der Konzern auch jetzt – nur jetzt will niemand mehr in die Bresche springen. Viele Urlauber berichten, dass sie im Hotel aufgefordert werden, noch einmal für den Aufenthalt zu bezahlen. Schlimmer ist für die meisten jedoch, wie sie wieder zurück nach Hause kommen sollen.

Glück im Unglück für Pauschaltouristen

Pauschalreisende werden oftmals belächelt; im Fall der Pleite von Thomas Cook sind sie allerdings im Vorteil. Seit 2015 gilt in der EU die sogenannte Pauschalreiserichtlinie (RL 2015/2302) und die verpflichtet jeden Reiseveranstalter, sich für den Fall einer Insolvenz zu versichern. Hoteliers könnten theoretisch das hinterlegte Reisedokument zurückbehalten bis ein Gast die offene Rechnung bezahlt. In diesem Fall kann ein Urlauber die zusätzlich entstandenen Kosten bei der Versicherung zurückfordern.

Besser gestellt als Individualreisende sind Pauschaltouristen auch, wenn es um die Rückbeförderung geht. Reiseveranstalter haften dafür nämlich im Rahmen ihrer Sorgfaltspflichten. Wenn also die Flugzeuge von Condor am Boden bleiben, muss hier Ersatz organisiert werden. Angesichts gut ausgelasteter Flüge eine gewaltige Herausforderung. Selbst wenn die britische Luftfahrtbehörde einspringt und rund 150.000 britische Touristen aus aller Herren Länder mit gecharterten Maschinen zurückholen will, läuft das nicht so reibungslos ab, wie vielleicht erhofft.

Sondermaschinen benötigen genauso einen Slot (Zeitfenster für Starts und Landungen) wie jede andere Maschine und die sind an jedem größeren Flughafen ohnehin schon an der Maximalauslastung. Der ein oder andere wird vermutlich etwas länger am Urlaubsort bleiben müssen, bis das alles organisiert ist und auch das muss im Rahmen der Pauschalreiseversicherung gedeckt sein.

Individualreisende

Wer seine Flüge direkt bei der Airline bucht, hat im Fall einer Insolvenz das Nachsehen. Für eine Erstattung bei einem Flug mit Verspätung müssen Airlines trotz Insolvenz aufkommen. Oft können Fluggastportale wie AirHelp dabei helfen diese einzufordern. Bleibt eine insolvente Fluglinie am Boden beziehungsweise wird der Flug annulliert, greift rechtlich gesehen zwar die EU-Fluggastrechteverordnung, nur ist die etwas zahnlos. Theoretisch steht den Passagieren auch in diesem Fall eine, von der Flugdistanz abhängige, Entschädigung zwischen 250,- und 600,- zu. Diese müssen jedoch beim Insolvenzverwalter angemeldet werden. Im Fall einer Pleite werden allerdings in erster Linie Gläubiger und Arbeitnehmer befriedigt. Wenn dann noch was übrig bleibt, ist das meist weniger als der dafür zu treibende Aufwand.

Reisebereitschaft

Für all jene, die ihren geplanten Urlaub noch vor sich haben, ist es wichtig, trotz aller Unsicherheiten und Spekulationen am Flughafen zu erscheinen. Selbst wenn die Auskünfte derzeit eher spärlich ausfallen, müssen Passagiere von sich aus „reisebereit“ sein. Andernfalls verfallen eventuelle Ansprüche. Erst nach einer offiziellen Stellungnahme kann man getrost zu Hause bleiben – oder umbuchen.

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