Störche unterwegs nach Süden: Stromleitungen als Todesfallen

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Ein Storch fliegt sein Nest an.

Bildquelle: Foto: Thomas Warnack/Archiv

REGION. Die meisten Storchennester in Rheinland-Pfalz sind verwaist. Die Klapperschnäbel sind unterwegs in den Süden. Ein beliebter Aussichtsplatz wird ihnen dabei aber oft zum Verhängnis: Jedes Jahr sterben viele der majestätischen Vögel an einem Stromschlag.

Stromleitungen sind weiterhin Todesfallen für Störche aus der Pfalz – darauf haben Tierexperten anlässlich des aktuellen Vogelzugs Richtung Süden aufmerksam gemacht. «Vor allem im Raum Lleida in Spanien, wo viele Störche überwintern oder zumindest durchziehen, gibt es immer wieder unzählige Tote», sagte Jessica Lehmann vom Storchenzentrum Rheinland-Pfalz. Allein seit Beginn des Wiederansiedelungsprojekts in Bornheim 2015 seien etwa 30 Störche nachweislich den Stromtod gestorben. «Eigentlich besteht bei jedem dritten Storch ein solcher Verdacht. Allerdings kann das nicht immer zweifelsfrei nachgewiesen werden», sagte Lehmann.

Vielerorts in der Pfalz und auch in Baden-Württemberg wurden bereits Maßnahmen zum Schutz der Störche vor Stromschlägen getroffen – etwa mit Schutzhauben für Masten. «Um gefährliche Stellen zu sichern, sind wir weiter auf die Mithilfe von Menschen angewiesen, die uns tote Störche unter Strommasten melden», sagte Lehmann. «Das macht zwar Arbeit, führt aber hoffentlich mittelfristig dazu, dass hier die Energieversorger – ob regional oder überregional – aktiver werden.» Auch sie selbst musste vor kurzem einen Storch bergen, der sein Leben an einem Strommast verlor. «Der Anblick war erschreckend.»

«Der Stromtod hat in den 1980-er und bis weit in die 2000-er Jahre dazu geführt, dass die Bestände des Weißstorchs als hauptsächliche menschengemachte Todesursache für diese Art zurückgegangen sind», sagte auch Eric Neuling vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Die Netzbetreiber seien gesetzlich verpflichtet, gefährliche Masten vogelschutzgerecht umzurüsten. «Das ist in vielen Regionen passiert, aber nicht vollständig», sagte der Referent für Vogelschutz. Defizite bestünden etwa in Rheinland-Pfalz, aber auch in Baden-Württemberg.

«Jedes Bundesland hat hier eigene Regelungen mit den Betreibern festgelegt, die mal mehr, mal weniger gut funktionieren», meinte Neuling in Berlin. Umrüstungen finden zum Beispiel durch Abdeckhauben statt, so dass eine Überbrückung der spannungsführenden Komponenten durch einen Vogel unmöglich sei. «Die größte Baustelle haben wir bei der Bahn, die keine Nachrüstungsverpflichtung hat, aber auch beim Neubau ihren Verpflichtungen nicht ausreichend nachkommt», sagte der Experte vom Nabu der Deutschen Presse-Agentur.

Was den Vogelzug angehe, seien aus dem Raum Bornheim fast alle Klapperschnäbel weg, sagte Lehmann. «Die Jungstörche sind recht früh und kontinuierlich weggezogen. Die Altstörche sind erst vor ein paar Tagen los, dafür ziehen sie häufig schneller und zielstrebiger.» Viele fliegen nach Spanien oder Marokko. Nachprüfbar ist dies mit den kleinen Sendern, mit denen die Vögel in Bornheim ausgestattet werden.

Für abschließende Zahlen sei es zu früh, sagte die Leiterin des Storchenzentrums. «Aber die Zahl der Brutpaare hat 2019 wieder zugenommen. Bei den Jungstörchen gehen wir zwar davon aus, dass es nicht so viele gab wie 2018 – da waren es 727. Aber da es eine recht kühle und verregnete Phase im Mai gab, in der viele Jungstörche starben, ist es eine gute Zahl.»

Träger des Storchenzentrums ist die vor mehr als 20 Jahren ins Leben gerufene Aktion PfalzStorch, die eine zentrale Rolle bei der Wiederansiedlung der Adebare spielt. Anfang der 1970er Jahre galt der Weißstorch in Rheinland-Pfalz bereits als ausgestorben. Nun aber erklingt in Bornheim und anderenorts wieder das markante Klappern der roten Schnäbel. «Der Storch gehört zur Pfalz», meinte Lehmann.

Die geflügelten Sympathieträger sind ein Touristenmagnet für Bornheim. Dass der Ort mit rund 1500 Einwohnern bei Störchen beliebt ist, liegt auch an der Queich, einem Nebenfluss des Oberrheins. Auf den Flusswiesen finden die Frühlingsboten viel Nahrung.

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