Einzigartiges Projekt: Hunsrück-Hochwald zählt Wildkatzen

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NEUHÜTTEN / BÖRFINK. Der Wildkatze sind Wissenschaftler im Nationalpark Hunsrück-Hochwald auf der Spur. Sie wollen herausfinden, wie viele der seltenen und geschützten Katzen im rund 10 000 Hektar großen Nationalpark heimisch sind.

„Wir wissen, sie sind da, aber nicht, in welcher Zahl und in welchen Gebieten des Parks“, sagte Wildtierökologin Anja Schneider gegenüber der Presse am Wochenende. Im gesamten Hunsrück werde die Zahl der Wildkatzen auf 500 bis 1000 Exemplare geschätzt, bundesweit auf um die 6000.

Für das Zählverfahren wurden im Nationalpark systematisch mit Baldriantinktur besprühte Holzpfähle aufgestellt. Der Geruch ziehe Katzen an: „Das ist wie ein Sexuallockstoff, der in der Paarungszeit von Januar bis März auf beiderlei Geschlecht wirkt“, sagte Schneider. Die Katzen würden sich an den Stöcken reiben und Haare hinterlassen, die dann im Labor genetisch untersucht würden.

„Wir hatten bereits erste Haarfunde“, sagte die Expertin. Nun werde untersucht, ob es Haare einer Wild- oder Hauskatze seien – und das Individuum bestimmt. „Wir erhoffen uns auch Hinweise auf die genetische Vielfalt der Wildkatzen.“ Insgesamt haben die Wissenschaftler 264 Lockstöcke aufgestellt.

Wildtiermonitoring im Nationalpark Hunsrück-Hochwald Der Nationalpark Hunsrück-Hochwald liegt Mitten im Westeuropäischen Verbreitungsgebiet der Wildkatze (lat. Felis silvestris). Dies spiegelt sich nicht nur im Logo des Nationalparks, der Keltenkatze wider, sondern hat auch eine besondere Bedeutung bei der Rettung der Wildkatzen in Europa. Doch wie viele Wildkatzen leben eigentlich im Nationalpark? Wo kommen Wildkatzen im Gebiet des Nationalparks vor und wie sind sie miteinander verwandt? All diesen Fragen möchte Anja Schneider vom Nationalpark Hunsrück-Hochwald nachspüren. Doch wie zählt man eine scheue Wildkatze?

Anja Schneider setzt hierfür das so genannte Lockstock-Monitoring ein. Das heißt im Nationalpark werden systematisch Lockstöcke, das sind angeraute und mit Baldriantinktur besprühte Holzpfähle, verteilt. Der Baldriangeruch lockt die Katzen an. Diese reiben sich an dem aufgerauten Holz und hinterlassen so Haare. Die Haare werden dann vom Wildkatzen Monitoring Team des Nationalparks regelmäßig eingesammelt und genetisch untersucht. Die Untersuchungsergebnisse liefern Daten über die Anzahl der Wildkatzen im Nationalpark Hunsrück-Hochwald, ihre Verbreitung und die genetische Vielfalt.

Die Methode des Systematischen Lockstock-Monitoring ist nicht neu. Sie bedient sich einer natürlichen Verhaltenseigenschaft vieler Raubsäuger. Insbesondere während der Paarungszeit, der sogenannte Ranz, markieren Wildkatzen ihr Revier außer mit Urin auch durch Reiben ihres Körpers an einem Gegenstand. In unserem Fall an den mit dem Lockmittel Baldrian besprühten Lockstöcken. Diese Verhaltensweise der Wildkatze bietet die Möglichkeit ohne Fang oder direkten Kontakt an Haare zu gelangen. Das Zeitfenster des Monitoring erstreckt sich daher in der Regel von Januar bis März (Ranzzeit). Im Nationalpark wird es aber über einen längeren Zeitraum fortgesetzt werden. Durch das Vorkommen der Wildkatze, als sogenannte „Leitart“ für strukturreiche, naturbelassene und störungsarme Lebensräume sehen wir es als Aufgabe des Nationalparks ein systematisches Monitoring dieser Art zu etablieren, erläutert Anja Schneider das Wildkatzen Monitoring Projekt.

Sicher sind dem aufmerksamen Spaziergänger im Nationalpark diese angerauten Holzpfähle an versteckten Plätzen schon aufgefallen. Unsere dringende Bitte: „Fassen sie die Pfähle bitte nicht an und lassen sie die Pfähle an Ort und Stelle stehen. Denn nur so ist eine unverfälschte Datenerhebung möglich. Darüber hinaus vermeidet das zusätzliche Arbeit für das Wildkatzen Monitoring Team im Nationalpark“, bittet Anja Schneider die Spaziergänger und Wanderer.

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