„Chaos-Theater“ Trier: Die Luft für Sibelius wird immer dünner

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Bildquelle: Trier.de

TRIER. Die internationale Organisation „art but fair“ fordert den Intendanten des Theater Triers, Karl Sibelius, in einem offenen Brief zu einer Stellungnahme auf. Grund dafür sind die Vorkomnisse, sowie die negative Berichterstattung rund um das Theater. Die Organisation setzt sich für faire Arbeitsbedingungen sowie angemessene Gagen in den Darstellenden Künsten und der Musik ein.

Der offene Brief im Wortlaut:

„Sehr geehrter Herr Dr. Sibelius,
Sie sind einer von vier IntendantInnen, die dankenswerter Weise 2014 unsere art but fair Selbstverpflichtungen unterschrieben haben, damals noch als Intendant am Theater an der Rott, seit August 2015 als Generalintendant am Theater Trier. Dabei haben Sie sich u.a. verpflichtet, sich in Ihrem „Einflussbereich für einen respektvollen und solidarischen Umgang aller Mitarbeitenden einzusetzen und ein Klima gegenseitiger Wertschätzung und Achtung zu fördern.“ Des weiteren heißt es da: „Ich werde mich dafür einsetzen, dass allen Mitarbeitenden das Recht auf kritische Loyalität und sanktionsfreie Meinungsäußerung gewährt wird. Diese haben das Recht und die Pflicht, ethisch fragwürdiges Verhalten anzuzeigen.“

In den wenigen Monaten Ihrer Intendanz in Trier sind wir nunmehr fünfmal bzgl. Ihrer Arbeitsweise am Theater Trier kontaktiert worden, von Regie-AssistentInnen angefangen, über KünstlerInnen Ihres Hauses bis hin zu Gewerkschaftschefs von außerhalb.

Inzwischen häufen sich auch Mitteilungen in der Presse. Überschriften wie „Theater ums Theater Trier“ oder „Abmahnungen, Kündigungen, Abfindungen“ lassen uns aufschrecken.

Wir nehmen die Hinweise der Beschwerdeführer als auch diese Headlines zum Anlass, folgende Fragen an Sie zu richten und werden Ihre Antworten selbstverständlich hier veröffentlichen.

1. Ist es richtig, dass Sie MitarbeiterInnen trotz eines Vorvertrages eine zugesagte Anstellung verweigert haben und/oder trotz Zusage nicht weiter beschäftigt haben, wenn ja, aus welchen Gründen?

2. Entspricht es der Wahrheit, dass Sie eben diesen nicht angestellten MitarbeiterInnen selbst das Honorar für die bereits geleistete Arbeit verweigerten bzw. lediglich eine Abfindung von 10.000 EUR brutto trotz erbrachter Leistung von einem Jahr angeboten haben, wenn ja, wie lässt sich das mit der von Ihnen versprochenen Wertschätzung der Tätigkeit Ihrer MitarbeiterInnen in Einklang bringen?

3. Stimmt es, dass es in Ihrer Amtszeit zu fristlosen Entlassungen und sofortigen Freistellungen von MitarbeiterInnen kam, wenn ja, was waren die Gründe?

4. Trifft es zu, dass Sie sich nicht an Zusatzvereinbarungen von Verträgen gehalten haben, wenn ja, wieso?

5. Ist die Aussage richtig, dass Sie Abfindungen an MitarbeiterInnen angeboten oder Verträge aufgelöst haben und im Gegenzug „Stillschweigen“ von den Betroffenen einfordern, wenn ja, aus welchen Gründen? Widerspräche das nicht einer von Ihnen versprochenen transparenten Unternehmenskultur?

6. Kam es in den letzten Monaten zu Abmahnungen von führenden Verantwortlichen in Ihrem Haus, wenn ja, aus welchen Gründen?

7. Ist es richtig, dass Ihnen Ihr Kulturdezernent Kündigungen von MitarbeiterInnen in Ihrem Haus in einzelnen Fällen untersagte? Wenn ja, wie konnte es bei solch schwerwiegenden Entscheidungen zu einem Dissens kommen?

8. Stimmt es, dass derzeit Arbeitsgerichtsprozesse und/oder Abfindungsverhandlungen mit mehreren MitarbeiterInnen Ihres Hauses laufen, wenn ja, Wieso und wie viele?

9. Entspricht es der Wahrheit, dass Sie vollumfänglich in den Stand der Vorbereitungen Ihrer geplanten Produktion „Die rote Wand“ informiert waren? Wenn nein, wie konnten Sie sich bei einer der bedeutendsten Fragen, ob nämlich die Angehörigen von Tanja Gräff der Inszenierung zustimmen würden, nicht informieren?

Sie haben in den Selbstverpflichtungen u.a. auch unterschrieben, dass „Fürsorglichkeit, soziale Verantwortung, Transparenz und Loyalität wesentliche Merkmale der angestrebten Unternehmenskultur sein sollen“. Aus diesem Grunde bitten wir Sie um eine möglichst klare Beantwortung unserer Fragen. Uns geht es dabei um die Glaubwürdigkeit unserer sog. „Goldenen Regeln“ und vor allem auch der Zukunft des Theaters Trier.

Vorsorglich weisen wir Sie darauf hin, dass wir von der Beantwortung der Fragen und anschließenden internen Prüfung abhängig machen werden, ob Sie weiterhin auf unserer Liste der art but fair-Selbstverpflichtenden erscheinen werden.
Wir bitten um Verständnis darum, dass wir uns zu diesem Schritt gezwungen sehen und versprechen umgekehrt, dass es zu einer unvoreingenommenen und fairen Prüfung der Vorgänge innerhalb des Vorstandes von art but fair kommen wird.

Mit freundlichen Grüßen
Johannes Maria Schatz
– Vorstand art but fair Deutschland – „

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