„Die rote Wand“ – Der Fall Tanja Gräff im Theater Trier

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Bildquelle: privat

TRIER. In der neuen Spielzeit plant das Theater Trier, den Fall Tanja Gräff auf die Bühne zu bringen. Die Mutter von Tanja ist bei den Planungen eingebunden.

Bei der Präsentation des neuen Spielplans mussten einige Zuhörer schwer schlucken. Der Fall der seit 2007 verschwundenen und deren sterblichen Überreste vor einem Jahr gefundenen Tanja Gräff kommt auf die Trierer Theaterbühne. Dies kündigte Intendant Sibelius an.

Das Schauspiel soll sich mit dem Verschwinden der Studentin und dem Umgang der Medien und der Öffentlichkeit mit dem Fall beschäftigen.

Der Titel „Die rote Wand“ spielt auf den Fundort der Leiche, an den roten Felsen in Trier-Pallien, an.

4 KOMMENTARE

  1. Wenn das denn auch mit der Mutter von Tanja Gräff abgesprochen und eindeutig das O.K. von ihr vorläge. Ansonsten ist das nicht akzeptabel.

  2. Die rote Wand ist ein Stückauftrag des Theater Trier an den Autor Lothar Kittstein. Ausgangspunkt für seinen Text, den er innerhalb der nächsten Monate schreiben wird, sind die Reaktionen auf die realen Ereignisse rund um den Todesfall von Tanja Gräff.
    Seit es die Idee zu diesem Stück gibt, wird uns am Theater Trier immer wieder gesagt, dass es sich dabei um ein für die Menschen, die hier leben, sehr emotionales Thema handle. Die ersten Reaktionen auf die Veröffentlichung unseres Vorhabens bestätigen diesen Eindruck. Genau dieser hohe Grad an Emotionalität einer ganzen Stadt ist es auch, den der Autor zum Thema seines Stückes machen möchte. Was dagegen nicht Thema sein wird, sind die realen Geschehnisse selbst. Wir können jetzt schon sagen, dass auf der Bühne keine Schauspielerin zu sehen sein wird, die Tanja Gräff während eines Sommerfestes verkörpert. Es geht dem Theater nicht darum, einen ungeklärten Fall auf der Bühne neu aufzurollen. Das wäre Thema von Reportagen (die es schon gibt) und hätte mit Theater nicht viel gemeinsam. Es wird auch kein Kriminalfall nachgespielt, wie man ihn aus dem hauptabendlichen Fernsehprogramm kennt. Die Rekonstruktion eines Tathergangs kann allenfalls die Kriminalpolizei leisten, nicht jedoch das Theater. Die Würde der realen Personen bleibt vollkommen gewahrt. Sie steht insofern gar nicht zur Debatte, als die realen Personen durch das Stück eben nur mittelbar betroffen sind.
    Die rote Wand ist kein Felsen sondern eine emotionale Wand in uns, die den Blick einfärbt und uns die Dinge nicht mehr ohne Emotionen sehen lässt. Emotionen, die zu vorschnellen Verdächtigungen, allzu moralischen Urteilen oder auch falschen Hoffnungen führen können. Um diese Dynamik wird es in Lothar Kittsteins Stück gehen. Es geht dabei auch um Trier selbst, um das, was diese Stadt einzigartig und anders als andere Städte in Deutschland macht, um das, was sie ihren Bewohnern sympathisch macht genauso wie um das, worüber sie sich mitunter ärgern. Geschrieben nicht aus einer Außenperspektive, sondern von jemandem aus ihrer Mitte, der hier aufgewachsen ist und der von dieser Stadt geprägt wurde.
    Skandal oder Provokation liegen uns fern. Die Sensibilität, die der Umgang mit realen Ereignissen erfordert, ist uns bewusst, auch wenn diese Ereignisse hier lediglich als Hintergrund eines Stücktextes dienen. Aufgabe eines öffentlich finanzierten Theaters – und das hat sich seit den rund 2.400 Jahren seiner Existenz kaum verändert – ist es auch, sich auf künstlerische Weise mit den Themen unserer Zeit und unserer Lebensumwelt zu beschäftigen. Dieser Aufgabe versuchen wir, mit dem Stück Die rote Wand nachzukommen.

    • Ich muss gestehen, dass ich auch so meine Bedenken bzgl. dieses Themas in einem Theater-Stück hatte. Aber die Erläuterung ist wirklich sehr hilfreich, diese Bedenken abzuschütteln und auch dem eigentlichen Sinn der Aufführung entgegen blicken zu können. Vielen Dank dafür!

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