BERNKASTEL-KUES. Schon der Name Pfingsten ist seltsam! Aus dem griechischen übersetzt „pentekoste“: Das Fünfzigfest! Das klingt zunächst nicht sehr originell! Fünfzig Tage sind nun vergangen seit Ostern: dem christlichen Fest der Auferweckung Jesu.
Was soll also am fünfzigsten Tag besonders sein? Welches ist der neue Akzent, den der Pfingsttag bietet?
Dazu hilft vielleicht ein Blick in das zweite Kapitel der Apostelgeschichte des Lukas in der Bibel. Dort wird beschrieben, dass der „Heilige Geist“ mit unbändiger, schwungvoller und Mut machender Kraft gleichzeitig auf die Menschen unterschiedlichster Nationalitäten herabgekommen ist.
Im Text ist die Rede davon, dass sie die Frohe Botschaft Gottes in ihrer jeweiligen Muttersprache verstanden haben und dass sie regelrecht ergriffen wurden: Die Parther, Meder und Elamiter, die Menschen aus Mesopotamien und aus Judäa und aus Ägypten. Es ist die Rede von Juden und Arabern, von Kretern und Römern. Und diese Aufzählung ist noch gar nicht vollständig!
Das mit dem Zusammenhalt der Nationalitäten und der gleichzeitigen Begeisterung erscheint, wenn man sich die Welt 2026 ansieht, ebenfalls höchst seltsam! Denn: In unseren Tagen hören wir immer wieder das Motto: „Ich und wir zuerst!“ und dann erleben wir an so vielen Stellen Abschottungs- und Abgrenzungstendenzen.
Mehr noch: Wer denkt nicht auch an gnadenlose Kriege beim Gedanken an die Lage der Welt? Seltsam, dass diese Welt so ist wie sie ist! Das scheinbar so seltsame Pfingstfest hält so manchem „Ungeist“ geistreich entgegen: Es könnte auch anders gehen auf dieser EINEN Erde!
Dass es anders geht, das hat Jesus in seinen Erdentagen übrigens vorgelebt: Er begegnete den Menschen mit großer Aufmerksamkeit und auf Augenhöhe und ohne Vorurteile. Jesus unterhielt sich beispielsweise mit von manchen damaligen Juden verachteten Samaritern genauso wie mit den religiösen Eiferern als auch mit den Vertretern der Besatzungsmacht Rom.
Für Jesus war nicht die Zugehörigkeit zu einer Nationalität oder einer Religionsgruppe entscheidend, sondern die Gesinnung, die Haltung, der Geist eines Menschen!
Zusammenfassend: Pfingsten bedeutet für mich:
Aus dem Geist eines erlösten Glaubens an Gott heraus ausgestattet sein mit dem Geist der Verständigung, der Zuwendung, der Vergebungsbereitschaft, der Kompromissfähigkeit, des Eintretens für Gerechtigkeit, der Weite, der Liebe und der Weisheit! Nur im miteinander arbeiten, beten, hoffen und freuen liegt die Chance auf Frieden! Begehen wir in diesem hoffnungsvollen Geist Pfingsten! Ist das seltsam? Entscheiden Sie selbst!
Zur Person des Autors:
Bruno Comes ist Pfarrer der Pfarrei St. Matthias Rechts und Links der Mosel und Kooperator im Pastoralen Raum Bernkastel-Kues. Vielen Menschen in der Region Trier ist er durch seinen YouTube-Kanal CO-MESsage bekannt, auf dem er Gedanken und Reflexionen zu den unterschiedlichsten Themen teilt.
















