„Deine beste Freundin Anne Frank“ – Jacqueline van Maarsen liest gegen Rassismus und Diskriminierung

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Jacqueline von Maarsen gemeinsam mit ihrem Ehemann Ruud Sanders bei der Lesung.

SCHWEICH. Jacqueline van Maarsen (86), Schulfreundin des jüdischen Mädchens Anne Frank, hat am 7. Oktober vor rund 80 Zuhörerinnen und Zuhörern in einer Schweicher Buchhandlung aus ihrem Werk „Deine beste Freundin Anne Frank“ vorgelesen. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Ruud Sanders beantwortete sie nach der Lesung Fragen der Besucherinnen und Besucher. Die Lesung fand im Rahmen der Ausstellung „Deine Anne – ein Mädchen schreibt Geschichte“ statt, die das Dekanat Schweich-Welschbillig organisiert hat.

Zunächst wollte die pensionierte Buchbinderin van Maarsen mit ihren Erfahrungen gar nicht an die Öffentlichkeit: „Ich wollte mich nicht wichtig tun mit einer Freundin, die im Konzentrationslager umgekommen ist.“ Doch mittlerweile sei es ihr ein großes Anliegen, über Anne zu sprechen. „Sie soll in Erinnerung bleiben, damit so etwas nicht wieder passiert.“ Und Sanders ergänzte: „Anne gibt den sechs Millionen Holocaust-Toten ein Gesicht. Das muss bewahrt werden.“

In jeder Familie gebe es eine Anne. Das Wachhalten der Erinnerung an Anne Frank sei ein „Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung“, erklärten van Maarsen und Sanders. Es habe auch heute noch nichts an Aktualität verloren habe. Deshalb besuchen sie auch mehrere Schulen in Schweich. „Die Menschen müssen Geschichte lernen“, sagte van Maarsen.

Sie glaubte zunächst nicht daran, dass das Tagebuch der Anne Frank berühmt werden würde: „Wer hat jetzt noch Lust, etwas über den Krieg zu lesen. Jeder ist froh, dass er vorbei ist“, dachte sie damals, kurz nach dem Krieg, bei einer Begegnung mit Annes Vater. Heute ist sie sich sicher, dass das Werk zugleich erinnern und warnen soll.

Die Freundschaft zwischen van Maarsen und Anne Frank entstand im Jahr 1941. „Nach ein paar Tagen erklärt Anne, dass ich ihre beste Freundin bin und sie meine. Ich bin ganz einverstanden.“ So beschreibt es die 86-Jährige in ihrem Buch. Sie seien sehr unterschiedlich gewesen: Anne kontaktfreudig, anspruchsvoll und eifersüchtig, sie eher verschlossen und zurückhaltend, sagte van Maarsen.

„Anne versteckte sich auf dem Dachboden und ich verlor meine beste Freundin.“ So schilderte sie den Verlust ihrer Schulfreundin und sie zitierte auch deren Abschiedsbrief, den sie erst Jahre später von Annes Vater erhielt: „P.S. Ich hoffe, dass wir bis wir einander wiedersehen, immer „beste“ Freundinnen bleiben“, lauteten die letzten Zeilen.

„Jugendliche können sich das heute nicht mehr vorstellen, wie schrecklich die Zeit war“, sagte die 13-jährige Lara aus Rodt nach der Lesung. Auch Alexandra von Kesselstatt aus Föhren war berührt: „Da kamen viele Erinnerungen hoch, wie ich beispielsweise mit 13 das Tagebuch von Anne Frank las und Rotz und Wasser weinen musste.“ Wie Lara war die 55-Jährige bereits in der Ausstellung „Deine Anne – Ein Mädchen schreibt Geschichte“ in der ehemaligen Synagoge in Schweich.

Die Ausstellung ist noch bis zum 10. Oktober täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Die Finissage findet statt am 11. Oktober im Bürgerzentrum in Schweich um 11 Uhr. Anschließend kann die Ausstellung noch bis 15 Uhr besucht werden.


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