Theater Trier: Offener Brief von Karl Sibelius an Kulturdezernent Egger

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Der Generalintendant des Theater Trier, Dr. Karl M. Sibelius.

Bildquelle: Theater Trier

TRIER. Der Generalintendant des Theater Trier, Dr. Karl M. Sibelius, hat heute in einem offenen Brief an den Kulturdezernenten der Stadt Trier, Thomas Egger, zum Sachstand Generalmusikdirektor Victor Puhl/Orchester der Stadt Trier darum gebeten, das Ausschreibungsverfahren (Chefdirigent) zu beenden und den Vertrag von GMD Victor Puhl, wie von Herrn Puhl selbst und dem Orchester gewünscht, um zwei Jahre zu verlängern.

Der offene Brief von Karl Sibelius in voller Länge:

„Herrn Kulturdezernenten Thomas Egger
Am Augustinerhof

54290 Trier

Offener Brief zur Stellenbesetzung GMD / Chefdirigent

Sehr geehrter Herr Kulturdezernent,

vor nunmehr fast zwei Jahren stieß ich auf eine Stellenausschreibung, die mich so begeisterte, dass ich mich spontan darauf bewarb, obwohl mein Vertrag als Intendant des Theater an der Rott in Eggenfelden noch für weitere fünf Jahre Fortbestand hatte.

„Das Theater Trier sucht zur Spielzeit 2015/2016 eine Intendantin / einen Intendanten mit Managementschwerpunkt (…) Die neue Intendantin / der neue Intendant wird das Theater Trier eigenverantwortlich leiten. Sie / er trägt die wirtschaftliche, organisatorische und künstlerische Gesamtverantwortung für das Haus und repräsentiert dieses nach außen. (…) Die Entscheidung über die künstlerische Gesamtausrichtung des Hauses sowie die Gesamtstrategie des Spielplans in Absprache mit den Spartenleitungen verbleibt bei der Intendantin / beim Intendanten.“

Nie zuvor hatte ich eine mutigere, innovativere und klügere Ausschreibung einer Intendanz gesehen, entsprach sie doch in ihren Vorgaben all jenen Vorstellungen, die ich mir für die Struktur und Ausrichtung eines Stadttheaters der Zukunft gemacht hatte.

Nach einem umfangreichen Auswahlverfahren wurde ich im Juni 2014 von der Stadt Trier zum designierten Intendanten des Theater Trier berufen. Zu diesem Zeitpunkt war mir bereits mitgeteilt worden, dass der Vertrag des Herrn Generalmusikdirektors Victor Puhl zum Sommer 2016 auslaufen würde. Wie beim Ablauf zeitlich befristeter Verträge üblich ging ich somit ganz selbstverständlich davon aus, dass über die künftige Besetzung der Stelle des Leiters des Orchesters, der als logische Konsequenz der Ausschreibung als Spartenleitung Konzertwesen fungiert, in einem transparenten – wie ich es zu nennen pflege „entpolitisierten“ – Besetzungsverfahren entschieden würde.

Leider haben verschiedenste sowohl privat, politisch als auch presseseitig versuchte Einflussnahmen dazu geführt, dass dieser rein strukturell begründete Prozess zu einem vermeintlich persönlichen Disput zwischen mir und Herrn GMD Victor Puhl gemacht wurde.

So wurde insbesondere mir immer wieder unterstellt, ihn in seinen Kompetenzen beschneiden zu wollen. Hierzu möchte ich betonen, dass der Kompetenzbereich von Herrn GMD Puhl bislang der gültigen, vom Stadtrat beschlossenen Dienstordnung vom 01.08.2004 unterliegt, die auch in der künftigen Struktur keinerlei Einschränkungen erfahren wird! Diese wird lediglich auf die neue innere Organisation des Hauses angepasst.

Da mir die Stärkung der Rolle des Orchesters als stärkstem Kollektiv am Haus besonders wichtig ist, stammt von mir auch der Formulierungsvorschlag in der noch zu beschließenden Satzung zur Theater Trier AöR: „Die Leiterin / der Leiter der Sparte Konzertwesen wird auf Vorschlag des Orchesters und im Einvernehmen mit der Intendantin / dem Intendanten durch diese / diesen nach entsprechender Zustimmung des Verwaltungsrates bestellt und abberufen.“ Damit sollte ein zutiefst demokratischer, „entpolitisierter“ Entscheidungsprozess sichergestellt sein.

Nach erfolgter Ausschreibung der Chefdirigentenstelle – bis zum heutigen Datum liegen uns 90 Bewerbungen, darunter sehr renommierte Dirigentenpersönlichkeiten, vor – hat das Orchester sich noch vor Sichtung der Bewerbungsunterlagen in einer internen Abstimmung einstimmig für die Vertragsverlängerung von Herrn GMD Victor Puhl ausgesprochen.

Unter Berücksichtigung der von mir zuvor geschilderten Erwägungen und zur Dokumentation meines Vertrauens in die demokratisch herbeigeführte Entscheidung des Orchesters erkläre ich hiermit nach Abwägung aller Aspekte, dass ich diese vollinhaltlich akzeptiere und bitte hiermit um Beendigung des Ausschreibungsverfahrens und Verlängerung des Vertrages von Herrn GMD Victor Puhl um zwei Jahre, so wie vom Orchester und ihm selbst gewünscht.

Ich hoffe, hiermit den Grundstein für eine konstruktive, vor allem aber vertrauensvolle künftige Zusammenarbeit mit allen Beteiligten zu legen.

Mir freundlichen Grüßen,

Dr. Karl M. Sibelius“

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